Teil V

Was wurde aus …

Geschichten, von denen sich unsere Leser Fortsetzungen wünschten.



Text: Susanne Donner

Während einer Ayurveda-Kur im Jahr 2000 soll der Chemiker und Unternehmensgründer Hubert Köster sich so gelangweilt haben, dass ihm etwas ganz Neues einfiel: eine Art chemische Sonde, um solche Moleküle zu erkennen, die krankes Gewebe zielgenau angreifen, und jene, die unerwünscht an gesundem Gewebe Schaden anrichten. Die Spreu vom Weizen trennen, die wirksamen von den unwirksamen Stoffen und die schädlichen von den verträglichen – das war die Idee. Ein enormer Fortschritt bei der Suche nach neuen Arzneien, noch lange bevor sie an Patienten getestet werden.

Kösters Firma Caprotec Bioanalytics mit Sitz im Technologie-Park Berlin-Adlershof entwickelte das Verfahren namens Capture Compound Mass Spectrometry, kurz: CCMS, bis zur kommerziellen Reife.

2017 erwarb die US-Firma Charles River CCMS und vermarktet die Technik seitdem. Das Unternehmen beschäftigt circa 15.000 Mitarbeiter in 20 Ländern. Es hilft bei der Entwicklung neuer Arzneien, deshalb passt CCMS zum Geschäft. Die Technik ist zwar noch nicht Standard geworden, aber die Zahl der Veröffentlichungen, die das neue Verfahren thematisieren, ist über die Jahre gestiegen.

Caprotec aber ist unternehmerisch nicht mehr aktiv. Und Hubert Köster? Er soll in Berlin-Adlershof nach wie vor ein Büro haben, aber woran der 79-Jährige arbeitet, ist geheim. Vielleicht beschert er uns noch eine Biotech-Innovation. ---

Originalartikel der Ausgabe 01/2011

Ein wichtiges Motiv, Unternehmer zu werden, ist finanzielle Unabhängigkeit. Was aber treibt diejenigen, bei denen Geld keine Rolle mehr spielt? Drei späte Gründer berichten.

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Wer an seiner Idee festhält, die alle anderen für aberwitzig halten, kann sich sehr allein fühlen. Im Jahr 2000 durchlebte Ingmar Hoerr eine solche Zeit, als er in Tübingen das Unternehmen Curevac gründete. Er glaubte an eine Substanz, die bis dahin links liegen gelassen worden war: die mRNA.

Dabei handelt es sich um kleine Moleküle, die als Boten arbeiten. Sie teilen den Zellen mit, welche Eiweißstoffe diese herstellen und wie sie den genetischen Code ablesen sollen. Dieser Prozess entscheidet über Gesundheit oder Krankheit.

Wissenschaftler hielten die wichtigen kleinen Boten lange für instabil, nur im Zellinneren für überlebensfähig. Hoerr kann mittlerweile das Gegenteil beweisen: Sein Unternehmen stellt stabile mRNA in großen Mengen billig her. Mittlerweile ist experimentell bewiesen, dass aus künstlich erzeugter mRNA Impfstoffe etwa gegen Tollwut, Malaria, Grippe, Krebs und seltene Krankheiten entwickelt werden könnten. Generell schaffen es nur sehr wenige Kandidaten, als Arznei zugelassen zu werden. Bei einer ganz neuen Familie an Stoffen – Abertausenden Boten – stehen die Chancen nicht schlecht.

So sieht das offenbar auch die Bill & Melinda Gates Foundation, die 2018 ihre Zusammenarbeit mit Curevac ausweitete und zuvor schon 46 Millionen Euro investiert hatte. Sanofi Pasteur, der größte Impfstoffhersteller, das Pharmaunternehmen Eli Lilly and Company kooperieren ebenfalls. Der Wert von Hoerrs Unternehmen beläuft sich heute auf 1,7 Milliarden Dollar. ---

Originalartikel der Ausgabe 05/2015

In der deutschen Biotech-Branche wird neuerdings Geld verdient. Und das ist gut so. Hohe Ziele müssen belohnt werden. Sonst setzt sie sich irgendwann niemand mehr.

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Das Unternehmen mit Sitz in Berlin hat eine Berg- und Talfahrt hinter sich und wartet derzeit auf gute Nachrichten aus den USA. Einst galt es als Hoffnungsträger zur Entwicklung von diversen Krebsfrüherkennungstests. Die Firma wurde mit dem Deutschen Gründerpreis ausgezeichnet, Roche Diagnostics kooperierte und investierte – zog sich aber 2006 zurück. Es folgte eine Durststrecke. Derzeit setzt Epigenomics alles auf eine Karte: den Darmkrebs-Früherkennungstest Epi proColon.

Der hat 2016 eine Zulassung von der Food and Drug Administration, der obersten Gesundheitsbehörde in den USA, bekommen. Das Blut des Patienten wird dabei auf eine Veränderung eines bestimmten Gens untersucht – ein starkes Indiz für Darmkrebs. Der Vertriebspartner Polymedco bietet seitdem in den USA den Test an.

In der Folge stieg der Aktienkurs von Epigenomics wieder etwas. Allerdings lässt sich Darmkrebs ebenso verlässlich mit einem Stuhltest erkennen. Der bequemere Bluttest könnte sich nur dann durchsetzen, wenn die staatliche Gesundheitsfürsorge Medicaid in den USA die Kosten erstattet. Genau darauf hofft und wartet Epigenomics nun.

Die Zahlen spiegeln die angespannte Situation wider: rund 20 Prozent Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr. Im Oktober 2019 gelang der Firma eine Kapitalerhöhung um zehn Millionen Euro. Die Hoffnung der Aktionäre ruht auf der Vermarktung von Epi proColon. ---

Originalartikel der Ausgabe 02/2005

Jahrelang verharrt die deutsche Biotech-Industrie in der Deckung. Nur das Berliner Unternehmen Epigenomics traut sich an die Börse. Und holt sich blaue Flecken. Porträt eines Außenseiters mit Mumm.

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Wenn man von einem Biotech-Unternehmen hierzulande sagen darf, es sei alt, dann von Medigene. 1994 gegründet, ist es eines der ersten in Deutschland – und mit 118 Mitarbeitern auch eines der größeren.

In der Firmengeschichte lässt sich kaum ein roter Faden erkennen: Man suchte nach Medikamenten gegen sehr unterschiedliche Krankheiten – von rheumatoider Arthritis bis Krebs –, erwarb Lizenzen anderer Pharmafirmen und setzte nicht ausschließlich auf Biotech.

Doch 2012 folgte ein scharfer Schnitt: Innerhalb von zwei Jahren trennte sich Medigene von all seinen Produkten – und konzentriert sich seit der Übernahme von Trianta Immunotherapies auf Immuntherapien gegen Krebs. Dabei wird die körpereigene Abwehr gegen den Krebs aktiviert und soll ihn so besiegen.

Diese Idee ist nicht neu, nun aber erfolgreich, besonders in den USA. Mit bestimmten Immuntherapien konnten Patienten mit bislang als unheilbar geltendem Blut- und Lymphdrüsenkrebs kuriert werden. Sanofi und Gilead stiegen in das Geschäft ein. Das beflügelt auch Medigene, das die Wirksamkeit seiner Variante der Immuntherapie allerdings erst einmal in klinischen Studien belegen muss. ---

Originalartikel der Ausgabe 06/2002

Medigene ist eine der ersten Blüten, die die Biotech-Evolution in Deutschland getrieben hat, und heute eine der führenden Firmen der Branche. Nach Zeiten unbeschränkter evolutionärer Vielfalt erhöht sich jetzt der Selektionsdruck. Entscheidungen stehen an: Dinosaurier oder Säugetier?

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Auch das Münchener Biotech-Start-up Wilex setzte auf den Kampf gegen Krebs. Größter Hoffnungsträger war der Antikörper Rencarex gegen Nierentumoren. Doch der erwies sich letztlich als unwirksam. Der Börsenkurs des Unternehmens ging 2012 um mehr als die Hälfte zurück.

Bereits vor diesem Rückschlag hatte Wilex die Firma Heidelberg Pharma erworben. Mit dem Know-how und Namen von Heidelberg Pharma geht es weiter. Nun setzt man das Gift des Grünen Knollenblätterpilzes Amanitin ein, um Krebszellen zu töten.

Nur Heidelberg Pharma kann Amanitin seit 2019 in Arzneimittelqualität liefern. Jetzt muss allerdings noch dafür gesorgt werden, dass das Gift keine gesunden Zellen attackiert, sondern nur Krebszellen. Für das Andocken an den Tumor sorgen Antikörper, die sich bereits bewährt haben. Derzeit entwickelt Heidelberg Pharma solche Kombinationen aus Pilzgift und Antikörpern gegen Bauchspeicheldrüsen- und Prostatakrebs.

Partnerunternehmen in den USA, in China und in Australien prüfen in klinischen Studien an Patienten weitere Anwendungen und zahlen dafür Lizenzgebühren. Das führte zu einem Umsatzplus bei Heidelberg Pharma, das seine Prognose für 2019 nach oben korrigierte. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 3,6 Millionen Euro. ---

Originalartikel der Ausgabe 05/2003

Es kann der große Wurf sein oder der große Flop: Biotech-Firmen bewegen sich in den ersten Jahren ihrer Existenz auf einem schmalen Grat. Der wird nicht breiter, wenn sich eine Neugründung der größten aller Forschungs-Herausforderungen verschreibt: dem Kampf gegen den Krebs. Doch die Münchner Wilex hat dafür gute Gründe.

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