Teil I

Was wurde aus …

Geschichten, von denen sich unsere Leser Fortsetzungen wünschten.



Text: Holger Fröhlich
Fotografie: Tillmann Franzen

Ist da immer noch Musik drin?

Meik Michalke ist einer von zwei geschäftsführenden Direktoren von C3S, einer „unbürokratischen Alternative zur GEMA“. Er betreut das Vorhaben, seit im Jahr 2010 aus der langjährigen Kritik von Urhebern an der Gema die Idee erwuchs, eine eigene Verwertungsgesellschaft zu gründen. Das Konzept: Die Urheber sollten für einzelne Werke unterschiedliche Lizenzen vergeben, auch freie – sogenannte Creative Commons. Dank transparenten Tarifen, einem vereinfachten Verteilungsplan und einer weitgehenden Automatisierung sollten kaum Verwaltungskosten anfallen.

brand eins: Herr Michalke, wir haben uns zuletzt im Sommer 2014 gesprochen, damals gingen Sie davon aus, Ihre alternative Verwertungsgesellschaft sei bis zum Herbst 2015 zugelassen. Freuen Sie sich, dass ich Sie daran erinnere?

Meik Michalke: Geht so. Ich war damals schon nicht begeistert davon, mich auf ein Datum festzulegen. Es kann immer etwas dazwischenkommen – und das ist es bei uns ja auch.

Was ist passiert?

Kurz nach unserem Gespräch kam heraus, dass das Urheberrechtswahrnehmungsgesetz in seiner damaligen Form nicht mehr lange bestehen würde. Am Ende wurde es durch ein neues Verwertungsgesellschaftengesetz ersetzt. Dieser Prozess hat sich bis Mai 2016 gezogen. Weil der rechtliche Rahmen unklar war, konnten wir uns so lange nicht um die Zulassung kümmern, denn nicht einmal das zuständige Deutsche Patent- und Markenamt – das DPMA – wusste, wie das Gesetz aussehen würde und was folglich in unserem Antrag stehen müsste.

Haben Sie diese Zeit für ausgedehnte Spaziergänge und Nickerchen genutzt?

Leider nein. Während unsere Zulassung auf Eis lag, haben wir eben an dem Gesetz mitgearbeitet, das uns aufgehalten hat. Wir haben Stellungnahmen geschrieben und wurden als Gutachter gehört. Tatsächlich sind dabei einige gute Dinge herausgekommen. So haben Urheber, die die Gema verlassen wollen, nun eine kürzere Kündigungsfrist. Abgesehen davon habe ich immer noch meine halbe Stelle an der Uni und in der Zwischenzeit einen Sohn bekommen. Langweilig wurde es nicht.

Wollen wir einen neuen Versuch wagen? Wann bekommt C3S die Zulassung?

In den vergangenen Jahren haben wir immer wieder Entwürfe ans DPMA geschickt und diese mit konkreten Bitten um Nachbesserung zurückbekommen. Jetzt ist nur noch ein einziger Punkt offen: der Umgang mit juristischen Personen. Wenn wir den geklärt haben, erfüllen wir die rechtlichen Anforderungen. In ein bis zwei Jahren sollte das spätestens über die Bühne sein.

Was kommt nach der Zulassung?

Dann brauchen wir Kapital. Das wird der kritischste Punkt. Es geht dabei um einen siebenstelligen Betrag, das geht nicht mal eben per Crowdfunding und auch nicht mehr im Ehrenamt.

Ihre Arbeit an C3S geht nun ins zehnte Jahr – wie lange hält ein Team aus Ehrenamtlichen so etwas aus?

Viel länger darf sich das nicht ziehen. Das Wichtigste ist die Atmosphäre in der Gruppe, davon hängt alles ab. Solange es uns weiter Spaß macht und nicht nur noch ätzend wird, arbeiten wir weiter am Projekt. Damit wir nicht ausbrennen, haben wir festgelegt, dass uns unser Wochenende heilig ist. Und wenn möglich treffen wir uns persönlich. Statt zu Hause zu programmieren, setzen wir uns lieber in den Zug und machen das gemeinsam. Als Psychologe habe ich auch mal die ein oder andere Idee, wie man die Gruppe motivieren kann. --- 

Originalartikel der Ausgabe 07/2014

Kritik an der Gema stößt traditionell auf taube Ohren. Nun rüttelt eine alternative Verwertungsgesellschaft am Monopol des Riesen – und bringt ihn endlich in Bewegung.

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Texte: Peter Laudenbach
Fotografie: Heji Shin

Wie ist es, auf Macht und viele Millionen zu verzichten? Bodo Janssen, Chef der Hotelgruppe Upstalsboom, findet: prima.

Vor fünf Jahren begann Bodo Janssen mit dem Umbau der ostfriesischen Hotelgruppe Upstalsboom. Der geschäftsführende Gesellschafter wollte, dass sowohl die Firma als auch die Mitarbeiter vorankommen. Er gab Macht ab und seinen Leuten mehr Verantwortung.

Das war offenbar erfolgreich. Seitdem ist der Umsatz laut Janssen von gut 40 Millionen auf 60 Millionen Euro gestiegen. Und die Belegschaft von etwa 600 auf 850 Menschen. Das Unternehmen expandierte und übernahm weitere Hotels und Ferienanlagen. Heute betreibt es insgesamt 13 Hotels und zusätzlich 700 Ferienwohnungen. Janssen sagt: „Was wir erleben, ist der Erfolg unseres Paradigmenwechsels. Der Mensch ist nicht mehr Mittel zum Zweck des Unternehmensgewinns, sondern genau umgekehrt: Das wirtschaftliche Handeln ist Mittel zum Zweck der Entfaltung der Menschen, die hier arbeiten. Das lohnt sich menschlich, aber auch unternehmerisch.“

Janssen und seine Leute haben aus der eigenen Organisationsentwicklung mittlerweile ein Geschäft gemacht und bieten Seminare und Weiterbildung für Unternehmen an. Damit macht Upstalsboom einen jährlichen Umsatz im „mittleren sechsstelligen Bereich“, sagt Janssen. Seine eigenen Bücher, in denen er darüber nachdenkt, was gute Arbeit mit einem sinnerfüllten Leben zu tun hat, verkaufen sich ebenfalls gut.

Jetzt gehen der Hotelier und seine Familie den nächsten Schritt: Sie bringen ihr gesamtes Unternehmen, dessen Wert laut Janssen „im guten zweistelligen Millionenbereich“ liege, in eine gemeinnützige Stiftung ein. Der Chef wird dann nur noch angestellter Geschäftsführer sein – der sich zudem alle fünf Jahre dem Votum der gesamten Belegschaft stellen muss. Finden die Kollegen, dass er seinen Job nicht mehr gut macht, muss er gehen. Eine ungewöhnliche Entscheidung, die sich, so Janssen, „großartig“ anfühle. ---

 

Originalartikel der Ausgabe 05/2014

Zufriedene Mitarbeiter sind gut fürs Geschäft. Das ist jedenfalls die Überzeugung des Hotelbetreibers Bodo Janssen.

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Texte: Ruth Fulterer
Fotografie: Sigrid Reinichs

Manchmal wird aus einer Lebenskrise ein Geschäftsmodell. Anne Koark meldete im Jahr 2003 Privatinsolvenz an. Ihr Unternehmen „Trust in Business“, das mit 15 Mitarbeitern ausländischen Firmen half, in Deutschland Fuß zu fassen, war pleite. Seitdem gehe es langsam, aber stetig bergauf, sagt die 56-Jährige heute. Sie hat ihre Privatinsolvenz in einem Buch aufgearbeitet und festgestellt: Die Geschichte vom Scheitern und Weitermachen interessiert nicht nur die Leser von brand eins. Anne Koark tritt bei Veranstaltungen auf und berät außerdem junge Firmen, unter anderem in der Öffentlichkeitsarbeit. Privat kümmere sie sich viel um ihre neunjährige Tochter, das „Post-Insolvenz-Kind“, wie sie sagt. Die beiden älteren Söhne haben inzwischen ihre Studiengänge der Betriebswirtschaftslehre abgeschlossen. Ihre Visitenkarten mit dem Aufdruck „Pleitier“ haben sich mittlerweile überlebt. ---

 

Originalartikel der Ausgabe 01/2016

Als ihre Firma pleiteging, verlor Anne Koark alles. Es war das Beste, was ihr passieren konnte.

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Texte: Gabriele Fischer
Fotografie: Tobias Titz

Was dieser Mann inzwischen macht, hatten wir uns schon in der 200. Ausgabe gefragt, aber unsere Leser wollten nun wissen, wie es mit seinem Engagement bei einem australischen Zahlungsverkehrdienstleister weiterging.

Die kurze Antwort: Er ist mittlerweile bei Tyro Payments nur noch als Investor tätig und aus dem Vorstand und dem Aufsichtsrat ausgeschieden.

Die lange Antwort: Er könnte einiges über Missverständnisse, Konkurrenzen, Mentalitätsunterschiede erzählen, aber damit hat sich Jost Stollmann nie lange aufgehalten. Stattdessen baut er – wie schon 2004 – eine Hochleistungsjacht und plant die zweite Weltumsegelung: „Wir starten mit dem Nordkap, dann zu den fünf südlichen Kaps vom Kap der Guten Hoffnung bis zum Kap Hoorn, von Alaska bis Antarktika. Ein siebenjähriges Programm für uns zwei, die Familie und unsere Freunde.“

Mit „uns zwei“ sind er und seine Frau Fiona gemeint, die schon bei dem 1984 von Stollmann gegründeten Unternehmen Compunet sowie später auch bei Tyro die Kommunikation verantwortete und dazwischen in Australien ein Unternehmen für eine besondere Art von Sonnenschutz aufgebaut hat. Das ist mittlerweile verkauft. Auch sie ist bereit für die nächste Etappe. „Ich liebe es, immer Neues zu erkunden“, sagt sie. Das gilt wohl für beide. ---

Originalartikel der Ausgabe 05/2017

Es gibt Menschen, die brauchen eine zweite Chance, weil sie gescheitert sind. Aber warum sucht einer danach, der im Leben so gut wie alles erreicht hat? Ein Porträt des Unternehmers Jost Stollmann.

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Originalartikel der Ausgabe 11/2012

Gründer von Compunet und Kandidat für das Wirtschaftsministerium im Schattenkabinett von Gerhard Schröder, der die Gründer von brand eins mit seinem Optimismus und seinen frühen Ideen einer Wissensgesellschaft inspirierte. Inzwischen hat er ein Unternehmen in Australien aufgebaut – und ist weiterhin am Großen und Ganzen interessiert.

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