Roamlike

Feriengäste erwarten heute eine perfekt eingerichtete Wohnung – für private Vermieter kann das teuer werden. Ein Kölner Start-up hat eine Idee, wie sie Geld sparen können.





• Jens Büschgens verbindet mit dem Vermieten seiner Wohnung etwas ganz Besonderes. Die Beziehung zum Gast, sagt der 28-jährige Gründer des Start-ups Roamlike, sei intim, die Verbindung außergewöhnlich. Deshalb gab er sich schon zu Studentenzeiten immer besonders viel Mühe, kaufte für seine zahlenden Besucher Kölsch und Shampoos von Nivea.

Doch das allein, hat Büschgens festgestellt, reichte nicht. Wer sein Zimmer in Köln auch außerhalb von Messezeiten und Karneval für einen attraktiven Preis vermieten will, benötigt gute Bewertungen. Dafür muss man den Gästen ein Erlebnis bieten – gern so gut wie oder noch besser als im Hotel.

Also investierte er, kaufte hochwertige Bettwäsche und kleine Aufmerksamkeiten. Die Gäste belohnten das mit guten Bewertungen auf den Portalen. Die zusätzlichen Kosten von zehn Euro für Extras wie Bier wollte Büschgens aber nicht aufschlagen, weil gerade Urlauber, die online buchen, sehr preissensibel seien. Da kam ihm eine Idee: Als privater Vermieter könnte man sich Teile der Ausstattung sponsern lassen. Davon profitierten die Hersteller, weil die Gäste deren Produkte testen, gut finden und bestenfalls künftig öfter kaufen. Die Gastgeber hätten weniger Kosten, die Unternehmen im Gegenzug einen interessanten Werbekanal.

„In meinem direkten Umfeld schaut niemand mehr Fernsehen, und quasi alle haben einen Werbeblocker fürs Internet“, sagt der Marketing-Student. Die Werbung sei immer aufdringlicher und nerviger geworden. Marken suchen, um überhaupt noch eine Zielgruppe anzusprechen, neue Kanäle. Und wenn Unternehmen eine Werbefläche brauchen und Gastgeber Produkte, dann könnte man beide doch zusammenbringen.


Warum den Kaffee für die Gäste kaufen, wenn ihn auch der Hersteller bezahlen kann?

Um zu sehen, wie Vermieter auf seine Idee reagierten, machte Büschgens ein Experiment: Auf einer Plattform für Ferienwohnungen verschenkte er Schokokekse an Gastgeber, die diese in ihren Wohnungen verteilen sollten – sie waren innerhalb von Sekunden vergriffen.

Im Jahr 2018 gründete Büschgens mit drei Partnern Roamlike und sammelte rund 200 000 Euro an Kapital ein. Heute arbeiten dort acht Angestellte in Vollzeit. Gastgeber können sich auf der Website der Firma registrieren und ihr Inserat verlinken lassen. Von welchem Vermietungs-Portal dieses kommt, ist egal. Ein Algorithmus wertet anhand von Kriterien wie Preis, Lage und Bewertungen aus, welcher Art die Unterkunft ist und welche Marken dazu passen könnten. Die Hersteller entscheiden dann, in welchen Wohnungen ihre Produkte stehen könnten, und stellen diese kostenlos zur Verfügung. Roamlike erhält Geld von den Unternehmen dafür, dass es prüft, ob die Inserate nicht nur durch gefälschte Bewertungen und Fotos gut ankommen. In Hotels ist das Konzept bekannt, für private Wohnungen aber ist die Lösung relativ neu.

Neben Kleinigkeiten wie Kaffee oder Scho- koriegeln, die man den Gästen aufs Kopfkissen legen könnte, statten die Hersteller die Wohnungen auch mit teuren Geräten wie Bluetooth-Boxen und Spielekonsolen aus. Mit 30 Unternehmen hat Roamlike bislang Kooperationen geschlossen, weitere sollen hinzukommen.

Damit die Urlauber wissen, was sie anfassen, testen oder essen dürfen, verschickt Roamlike nach der Buchung ein digitales „Welcome Book“. Darin finden sie Informationen zur Wohnung und den Produkten – und können diese auch direkt bestellen, oftmals mit Rabatt. Wie hoch der ausfällt, ist den Herstellern überlassen. Aber eines ist Büschgens wichtig: „Unser Deal sollte günstiger als der Markt sein, damit die Gäste das Produkt direkt im Urlaub kaufen.“

Der Markenexperte Klaus-Dieter Koch sieht gute Chancen, dass das Konzept ein Erfolg werden kann. In den Ferien hätten die Menschen ausreichend Zeit, um Produkte auszuprobieren, und würden damit auch direkt ein „Urlaubs-Feeling“ verknüpfen. „Sie werden sich viel stärker mit dem Produkt identifizieren als im Super- oder Elektromarkt und damit etwas sehr Positives verbinden“, sagt der Gründer der Markenagentur Brandtrust.

Selbst wenn die Artikel einem Kunden nicht gefielen, trügen Marke und Gastgeber keinen Schaden davon, sagt Koch – „das Produkt wird nicht als Werbung, sondern als nette Geste verstanden“. Ein Beispiel: Wer Gratis-Kaffee vorfinde, der ihm nicht schmeckt, werde sich nicht beschweren, sondern sich die Marke einfach nicht merken. Die Hürde sieht Koch eher in der kritischen Masse – es müsse genug Vermieter geben, damit das Konzept für Marken interessant sei.


Hat ein neues Werbeumfeld geschaffen: Jens Büschgens

Bei Roamlike glaubt man, auf einem guten Weg zu sein: Monatlich bieten rund 10 000 Gastgeber, die bei der Firma registriert sind, ihre Wohnung zur Vermietung an. Bis Ende des Jahres soll sich deren Zahl durch eine bessere Anbindung an Portale wie Airbnb verfünffachen. Wachstum ist das Ziel, schwarze Zahlen will man später schreiben.

Dafür hat sich Jens Büschgens eine weitere Einnahmequelle überlegt: Künftig soll jeder Gastgeber ein Produkt oder Möbelstück, welches er bereits besitzt, bei Roamlike melden. Dann wolle man an den Hersteller herantreten und ihn überzeugen, das Produkt im Welcome Book zu bewerben. So fielen weder für den Vermieter noch für das Unternehmen zusätzliche Anschaffungskosten an – beim gleichen Werbe-Effekt. Roamlike erhielte wie gehabt Geld von den Unternehmen. Wie viel davon an die Gastgeber fließen soll, wird zurzeit noch im Kölner Büro diskutiert: Zur Debatte stehen neben Produkt-Gutscheinen auch eine Beteiligung am Gewinn. ---