Was Marken nützt – Mymarini

Es braucht kein Vermögen, um eine Marke aufzubauen. Eine gute Idee zur richtigen Zeit tut es auch. Das ist jedenfalls die Erfahrung von Mareen Burk, Gründerin des Bademode-Labels Mymarini.





• Passenderweise erreicht man die 35-Jährige telefonisch im Surf-Urlaub. Sie ist nach dem Ende der Sommersaison mit ihrem Lebensgefährten und Geschäftspartner Wil- liam Albright, 36, an die Atlantikküste gefahren, wo sie sich drei Monate ihrer Passion widmen und von unterwegs um ihr Bademode-Label Mymarini in Hamburg kümmern wollen. Mareen Burk redet gern übers Surfen. „Nur der Ozean, das Board und du. Du musst voll da sein, wenn die Welle kommt, und dich entscheiden – die nehme ich jetzt.“ Das ist in Kurzform auch die Geschichte ihrer Firma.

Burk hat nach ihrer Ausbildung zur Grafikdesignerin in ihrer Heimat in Baden und einem kurzen Ausflug in die Werbe-branche („ein Haifischbecken, in dem ich mich nicht wohlgefühlt habe“) sechs Jahre bei der Modeschöpferin Katharina Hov- man in Hamburg gearbeitet. „Eine Super-Schule“, bei der sie alles Wissenswerte über Stoffe, Produktion, Kalkulation und Vertrieb gelernt habe. Als es für sie im Jahr 2012 nichts mehr zu lernen gab, kündigte Burk, kaufte sich von ihrem letzten Geld ein One-Way- Ticket nach Ko- lumbien, um dort am Strand zu leben und ihren Unterhalt mit Kellnern und als Surflehrerin zu verdienen.

Sie hatte keinen Plan, aber irgendwann ein Problem, das auf eine Marktlücke hinwies: Die gängige Bademode gefiel ihr nicht. Entweder für den Wassersport geeignet, aber nicht hübsch. Oder hübsch, aber unpraktisch, weil nicht form- und farbstabil. Da keimte in ihr die Idee, selbst Bikinis und Badeanzüge zu kreieren. Sie spannte ihren damals neuen Freund William Albright, der von Beruf Maschinenbauer ist, mit ein und unternahm in Südamerika Marktforschung am Strand: Was wünschen sich die Kundinnen? Wie viel muss so ein Produkt kosten?

Zurück in Hamburg begann sie mit 10.000 Euro Startkapital ihr Business in ihrer Wohnung. Sie setzte auf einen klassischen, puristischen Look, weiche, dicke Stoffe, die aus recyceltem Kunststoff hergestellt werden (zu einem kleinen Teil auch aus alten Fischernetzen, was sich gut für die Werbung nutzen lässt). Aus Geldmangel ließ die Gründerin nur Muster ihrer Kreationen nähen, um sie in ihrem Webshop anzubieten. Gefertigt wurde auf Bestellung, jede Kundin bekam sozusagen ihr persönliches Exemplar. Daher auch der Name Mymarini; Marini ist eine Kombination aus dem spanischen Wort Mar für Meer und Bikini. Mareen Burk wuppte alles allein, später sprang die Mutter ein, im Jahr 2017 ihr Freund, der seinen Job aufgab, um als Mitgeschäftsführer bei ihr einzusteigen.

Da die Unternehmerin keine Mittel für Marketing hatte, musste sie darauf setzen, entdeckt zu werden. Das klappte irgendwann. Nachdem die »Süddeutsche Zeitung«, »Brigitte» oder die auf Öko-Mode spezialisierte österreichische Bloggerin Dariadaria über Mymarini berichtet hatten, „gingen die Bestellungen im Zehn-Minuten-Takt ein“. Burk nutzte den Schwung, um das Geschäft zu professionalisieren. Heute fertigt eine kroatische Firma die Mode nach ihren Entwürfen. Sie legt Wert auf hohe Umweltstandards, eine faire Bezahlung aller Beteiligten und nennt das Ergebnis pathetisch: „an Ethical Swimwear Collection“. Neben dem guten Gewissen verspricht sie ihren Kundinnen zudem, sich auch ohne Modelfigur „besser, wohler, schöner zu fühlen“. Das hat seinen Preis, ein Bikini oder Badeanzug kostet jeweils knapp 200 Euro.

Die Zielgruppe sind nicht mehr ganz junge, solvente Frauen, die politisch korrekt konsumieren wollen. Keine Surfer übrigens, für die sei die Marke „zu erwachsen“, so Burk. Seit vergangenem Sommer arbeitet sie nicht mehr von zu Hause aus, sondern hat in der Nähe in Hamburg-Eimsbüttel ein Ladengeschäft angemietet, das als Büro und Flagshipstore dient. Dort gibt es mittlerweile auch eine Kollektion für Mädchen („Minis“) sowie Strandkleider („Retreat Wear“). Auch mit Badehosen hat Burk experimentiert, die aber floppten: Mymarini ist eindeutig weiblich.

Die Marke ist heute in rund 50 Kaufhäusern und Boutiquen in fünf Ländern vertreten, beschäftigt, inklusive der Geschäftsführer, neun Leute und soll im kommenden Jahr eine Million Euro Umsatz machen. Mareen Burk träumt schon davon, dass sich ihr Partner und sie mehr und mehr aus dem Tagesgeschäft zurückziehen. Um dann – na, was wohl? – „viel Zeit zum Surfen zu haben“. ---