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Armedangels

Nachhaltigkeit ist längst ein Modethema. Selbst Konzerne wie H&M werben damit. Das ist ein Problem für Pioniere wie Armedangels. Das Label will die Konkurrenz nun mit einem neuartigen Recycling-T-Shirt auf Abstand halten.




• Weiß, weich, unauffällig – das neue sogenannte Circ Tee von Armedangels ist einfach nur ein T-Shirt. Aber es soll, wie der Name sagt, für mehr stehen, nämlich für Kreislaufwirtschaft. Das Kölner Unternehmen zählt zu den Pionieren bei stylischer und urbaner Öko-Mode. Und will nun, da auch andere Hersteller auf den Trend setzen, noch einen Schritt weiter gehen.

Mit dem neuen Produkt kehren die Armedangels zu ihren Wurzeln zurück: zum schlichten Basic-Shirt, mit dem sie vor zwölf Jahren begonnen hatten. Es ist nun das Innere des Kleidungsstücks, das den Unterschied machen soll. Die Baumwollfasern stammen aus T-Shirts, die bei der Firma ungenutzt im Lager gelandet waren.

Die Designer hatten bei einer aktuellen Kollektion ein Motiv aufgedruckt, das das Unternehmen aufgrund von Markenrechtsproblemen aber nicht verkaufen durfte. Statt die T-Shirts zu entsorgen, entwickelte die Firma gemeinsam mit dem langjährigen Produktionspartner Valerius aus Portugal aus den alten ein neues T-Shirt.

Doch Circ Tee soll mehr sein, als die Folge einer Lagerräumung. Mit dem Konzept will das Unternehmen, so der Gründer und Chef Martin Höfeler, einen neuen Qualitätsstandard für Kleidung etablieren – über diese Kollektion hinaus.

Die Idee: Kunden geben ein altes Kleidungsstück ab und tauschen es gegen ein neues, recyceltes von gleicher Qualität. „Es gibt langfristig keine andere sinnvolle Lösung, als die Ressourcen, die man verbraucht, immer weiter zu nutzen und die Erde nicht weiter zuzumüllen“, sagt er.

Schon seit der Gründung der Firma versucht Höfeler, sich durch ein besonders nachhaltiges Geschäftsprinzip von der Konkurrenz abzusetzen. Er vergleicht die Produktion eines nachhaltigen Kleidungsstücks mit einem Puzzle aus tausend Teilen: Jedes Puzzleteil muss passen, damit sich ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Die Firma achte bei jedem Punkt der Lieferkette auf strenge Standards in Sachen Ökologie und Fairness gegenüber den Produzenten.

Regelmäßig besucht Höfeler mit seinem Team Landwirte, Webereien, Textilfabriken und -händler, um die Qualitätsstandards hoch zu halten. Die Fair Wear Foundation (FWF) stuft Armedangels als „Leader“ bei Sozialstandards ein. In Sachen Umweltschutz lässt das Unternehmen sich selbst und alle Lieferanten nach dem derzeit strengsten internationalen Nachhaltigkeits-Standard prüfen, dem Global Organic Textile Standard (GOTS).

Höfeler ist Vorreiter bei dem Thema, aber mittlerweile folgen ihm viele, denn ökologisch und sozial korrekte Mode ist zum Trend-Thema geworden. 73 Prozent der Hersteller sehen Nachhaltigkeit als „das drängendste Projekt unserer Zeit“, ergab eine Umfrage des Fachmagazins »Textilwirtschaft« im Oktober. Zwei Drittel setzen nach eigenen Angaben bereits Bio-Baumwolle in einzelnen Kollektionen ein und lassen einen Teil ihrer Produkte zertifizieren. Mittlerweile gibt es viele konkurrierende Nachhaltigkeits-Siegel, die von staatlichen Stellen, NGOs, aber auch von den Modefirmen selbst entwickelt wurden – und mit deren Relevanz sich nur noch Profis auskennen.

Das macht es für Pioniere wie Armedangels immer schwieriger, sich von den Konzernen abzusetzen. Und zu erklären, wieso Kunden bei ihnen und nicht etwa bei Fast-Fashion-Firmen wie H&M oder Discountern wie Primark kaufen sollen. Diese Unternehmen subventionieren ihre Öko-Kollektionen durch Gewinne im konventionellen Geschäft quer und sind dadurch deutlich billiger. Auch immer mehr kleine Labels tummeln sich auf dem Markt für nachhaltigen Lifestyle.

Die Kölner müssen sich also anstrengen, um ihre Position zu behaupten. „Natürlich sind unsere Nachhaltigkeitsmaßnahmen deutlich umfassender als die von H&M und Co“, sagt Höfeler. „Aber kann der Kunde auseinanderhalten, wie sich unsere Jeans von der Bio-H&M-Hose unterscheidet? Ich glaube nicht.“ Das Recycling-Konzept ist also auch der Versuch, die Konkurrenz auf Abstand zu halten. „So etwas wie das Circ Tee hat vor uns noch keiner gemacht“, sagt Höfeler. „Bislang gab es kein Verfahren, um aus einem Bio-Baumwoll-Shirt ein qualitativ gleichwertiges, neues Shirt zu machen.“ Nun werden die Kleidungsstücke nach dem neuen Verfahren mechanisch recycelt und die alten Fasern dann mit neuen aus Lyocell ergänzt, einer aus natürlichen Rohstoffen hergestellten Faser. Das so entstandene T-Shirt stehe in der Qualität nicht hinter der ursprünglichen Version zurück, versichert Höfeler.


Steht für innere Werte: das Kreislauf-T-Shirt

Zwar recyceln viele Öko-Label alte oder überschüssige Ware. Und auch große Modeketten wie H&M werben damit, dass Kunden alte Kleidung in den Filialen zum Recycling abgeben können. Doch daraus werden in der Regel keine neuen Textilien gemacht, sondern weniger wertvolle Produkte wie Dämmmaterial, Putzlappen oder Decken. Einige Unternehmen werben auch bereits mit einem Kreislauf-Prinzip (siehe auch „Die Kirschbaum-Ökonomie“ in brand eins 10/2018). So stellt etwa Trigema eine Kollektion nach dem sogenannten Cradle-to-Cradle-Prinzip her. Auch Lidl wirbt mit einer nach diesem Prinzip produzierten Bettwäsche. Allerdings versprechen diese Standards lediglich, dass diese Kleidungsstücke nach Gebrauch bedenkenlos kompostiert werden können.

Armedangels verspricht mehr: Aus Alt soll Neu werden. Du kannst dein verwaschenes T-Shirt ohne schlechtes Gewissen zurückgeben. Mark Starmanns, Berater beim Nachhaltigkeits-Consultingunternehmen BSD und Gründer der Fair-Fashion-Plattform Get Changed, hält das für eine gute Idee, denn: „Modelle für eine Kreislaufwirtschaft in der Textilproduktion stecken noch in den Kinderschuhen. Man kann bislang nur sehr begrenzt alte Kleidung zu gutem neuem Garn recyceln.“ Er sagt aber auch, dass es am nachhaltigsten sei, Produkte herzustellen, die möglichst lange verwendet werden können.

Das Circ Tee verspricht nicht weniger, als den Grundwiderspruch des Öko-Textil-Business aufzuheben: Mode ist per se nicht nachhaltig. Am nachhaltigsten wäre es, Kleidung so lange wie möglich zu tragen. Doch wer nur praktische Kleidung anbietet, verzichtet auf Wachstum. Deshalb unterwerfen sich auch Unternehmen wie Armedangels den Modezyklen. Höfeler sagt: „Es muss einen Mittelweg geben zwischen einem T-Shirt nur für eine Saison und dem kompletten Verzicht auf Mode.“

Armedangels bringt die branchenüblichen zwei großen Kollektionen mit je rund 150 Styles pro Jahr auf den Markt. Hinzu kommen zwei kleinere Zwischenkollektionen. „Das wollen unsere Kunden.“ Dennoch soll die Qualität so sein, dass Kunden die Kleidung länger als nur eine Saison tragen können – und wollen. Wenn es durch die Kollektionswechsel zu einer Überproduktion kommt, gibt Armedangels die Kleidung weiter an den Online-Kleiderverleih Stay Awhile, der die Teile an Kunden vermietet, die Kleidung für kurze Zeit tragen, aber nicht besitzen wollen.

Das Kernversprechen der Firma: Konsum ohne Reue

Konsequentes Recycling könnte den Widerspruch von Mode und Nachhaltigkeit mildern – auch wenn die Öko-Bilanz wirklich langlebiger Textilien vermutlich immer besser ausfallen wird. Wie das T-Shirt-Recycling-Programm in der Praxis aussehen soll, will Höfeler noch nicht verraten. Er sieht es als Testlauf für ein umfassenderes Rückgabesystem. Wenn die Leute alte Ware gegen neue tauschen können, dürfte das nicht nur für eine stärkere Kundenbindung, sondern auch für Aufmerksamkeit in der Branche sorgen.

Und der Firma den Weg aus der Nische in den Mainstream erleichtern. Höfelers langfristiges Ziel ist es, seinen Umsatz von aktuell 35 Millionen Euro weiter zu erhöhen. „Unter den nachhaltigen Herstellern zählen wir zu den größeren Akteuren, aber gemessen an der Branche sind wir ein kleines Licht“, sagt er. Außerhalb Deutschlands ist Armedangels weitgehend unbekannt. Das Circ Tee soll das ändern. ---