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Prototyp – Idee sucht Geld

Das Labor im Köfferchen

Gentechnik ist für alle da, sagen die Macher eines Start-ups aus London. Sie arbeiten an einem Labor für Laien – in einem Spielzeugkoffer.



Bento Bioworks Ltd London


• Wer Pflanzen analysieren oder prüfen möchte, ob der Burger wirklich aus Rindfleisch besteht, kann das mit dem Bento Lab erledigen.

Erfunden hat die Box der deutsche Informatiker Philipp Böing und die britische Biochemikerin Bethan Wolfenden. Beide lernten sich am University College London (UCL) kennen und sind Teil der Londoner Citizen-Science-Bewegung: Bürger, die mithilfe von Technik wissenschaftliche Probleme lösen wollen. Sie sammeln zum Beispiel Daten für die Stadtplanung oder erschaffen Geräte am 3D-Drucker.

Böing und Wolfenden wollten einen DNA-Analyse-Baukasten entwerfen. „Als Einstieg für jedermann in die Biotechnologie“, sagt Böing. „Denn die Genetik ist die fundamentale Technik des Lebens. Die ist für alle da.“

Also bastelten die beiden im Maker Space des UCL an Zentrifugen und Kammern, mit denen DNA separiert und bestimmt werden kann. Bento Lab nennen sie ihr Labor im Köfferchen – frei nach der japanischen Lunch-Box.

Der Koffer wurde auf Ausstellungen präsentiert und gewann mehrere Preise. Als sich die Anfragen häuften, wo man ihn kaufen könne, riefen Böing und Wolfenden eine Kickstarter-Kampagne ins Leben, nahmen 150 000 Pfund ein und durch Vorverkäufe noch einmal den gleichen Betrag. Genug Geld für eine erste Serie.

Das fertige Kit verkauften sie bislang rund 400-mal zum Preis von 2000 Euro. Der Botanische Garten in London untersucht damit Pflanzen, eine Initiative in Wales arbeitet an einer Gen-Datenbank für Pilze, ein Schweizer untersucht damit Craft-Beer, und zwei Schulen in Bonn prüfen tatsächlich Burger-Fleisch. Es gibt Anfragen aus der Forensik und für einen Ebola-Test.

„Bisher richtet sich das Angebot an Forscher und Hobbywissenschaftler“, sagt Philipp Böing. Ein zweites Modell soll nun deutlich einfacher und billiger werden. Damit stößt das Duo an ethische Grenzen. „Es gibt eine große Nachfrage nach Vaterschaftstests. Heimlich. Zu Hause. Das halten wir für problematisch“, sagt Böing. „Die Technik soll gesellschaftliche Diskussionen nicht aushebeln. Aber wenn sie sie anstößt, bringt uns das auch ein Stück weiter.“ ---

Kontakt:

Bento Bioworks Ltd London
hello@bento.bio