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Grundig

Grundig war eine Wirtschaftswunderfirma, dann pleite, heute ist die Marke wieder allgegenwärtig. Die Geschichte zeigt, dass nicht nur Katzen mehrere Leben haben.





• Mario Vogl, seit Juli 2018 Chef der Grundig Intermedia GmbH in Neu-Isenburg und zudem verantwortlich für das Geschäft mit der Marke in Mittel- und Nordeuropa, erzählt euphorisch von seinen Plänen. Bei der nächsten Internationalen Funkausstellung in Berlin sollen allerhand neue Produkte fürs smarte Heim vorgestellt und im kommenden Jahr das 75-jährige Firmenjubiläum opulent gefeiert werden. Dass es dazu Gelegenheit geben könnte, hätten nicht viele vermutet, als die Traditionsfirma aus Fürth 2003 in Konkurs ging.

Es waren türkische Investoren, die das Potenzial von Grundig damals erkannten und das Kerngeschäft übernahmen. Heute gehört die Marke dem Hausgerätehersteller Arçelik mit Hauptsitz in Istanbul, der mit ihr mittlerweile in 55 Ländern weltweit Geschäfte macht.

Dem neuen Eigentümer gelang es nicht nur, den einst vor allem mit Radios und Fernsehern assoziierten Namen wiederzubeleben, sondern von 2013 an auch auf weiße Ware, also Kühlschränke, Backöfen, Wasch- und Spülmaschinen zu übertragen. Dem sei intensive Marktforschung vorausgegangen, erinnert sich Marketing-Direktor Christian Struck, 51.

„Etliche Befragte gaben damals an, bereits Grundig-Kühlschränke oder -Waschmaschinen zu besitzen – obwohl es die noch gar nicht gab.“ Ein gutes Omen für den Marken-Stretch, der auch gelang. Heute sind rund 500 Produkte mit Grundig-Logo im Angebot: von Fernsehern bis zu Staubsaugern und Föhns. Nur vom Geschäft mit Kameras und Tablets ließ man wieder die Finger.

„Grundig“, sagt Vogl, „gilt nach wie vor als deutsche Qualitätsmarke“ – für die nun am Bosporus gesorgt wird. Der 51-Jährige berichtet, dass in Istanbul ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum für mehr als 150 Millionen Euro errichtet wird. Und dass Arçelik im vergangenen Jahr rund 120 Auszeichnungen eingeheimst hat, unter anderem für energiesparende Geräte und Recycling.

Der Mutterkonzern Koç Holding ist mit rund 25 Milliarden Euro Gesamtumsatz im Jahr 2018 das größte Unternehmen der Türkei, mehrheitlich in Familienhand und langfristig orientiert. Mario Vogl wagt daher die Prognose, dass Grundig „auch seinen 150. Geburtstag wird feiern können“. ---

Max Grundig macht 1930 mit einem Geschäftspartner in Fürth bei Nürnberg einen Radiohandel mit Reparaturbetrieb auf und stellt später auch eigene Teile her. Im Zweiten Weltkrieg arbeitet der Unternehmer im Auftrag von Siemens und AEG an der Steuerung für die sogenannten V1- und V2-Raketen. 1945 bringt Grundig sein erstes eigenes Produkt auf den Markt: Mit dem Bausatz „Heinzelmann“ lässt sich das Verbot der Besatzungsmächte, Radios herzustellen, umgehen – er wird zum Verkaufsschlager. Die Firma wächst mit dem Wirtschaftswunder und dem Boom der Unterhaltungselektronik. 1979 beschäftigt sie mehr als 38 000 Mitarbeiter. In den Achtzigerjahren gerät Grundig – unter anderem wegen innovativer Konkurrenten aus Japan – in die Krise, geht nach dem Ausstieg des Gründers 1984 durch mehrere Hände und schließlich 2003 in die Insolvenz. 2004 übernimmt Beko International, eine Tochter der Koç-Holding, zunächst gemeinsam mit einem britischen Partner das Kerngeschäft. Später wird die türkische Firma alleiniger Inhaber und firmiert 2008 in Grundig Elektronik um. 2009 wird das Unternehmen vom Haushaltsgerätehersteller Arçelic übernommen, der mehrheitlich der Koç-Holding gehört. Neben Beko ist Grundig die zweite globale Hausgeräte-Marke von Arçelic und soll für „Mass Premium“ (Vogl) stehen, also für eine gehobene Mittelmarke.

Grundig Intermedia GmbH

Mitarbeiter (2017): 88
Umsatz: rund 168 Milllionen Euro
Gewinn: 4,5 Millionen Euro