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Das geht – Polysecure

Mit Feenstaub markiert

Selbst wenn Plastikmüll in gelben Säcken landet, wird die Hälfte verbrannt. Jochen Mößlein hat ein System entwickelt, mit dem sich mehr Kunststoff recyceln lässt.




• Richtig angewendet, sind Plastikverpackungen ökologischer als ihr Ruf – wenn sie verderbliche Waren länger haltbar machen oder durch ihr geringes Gewicht den Spritverbrauch beim Transport senken. Das große Problem: Das Recycling funktioniert bislang nur schlecht. Kunststoffe wie PET, PE oder PP müssen sortenrein sein, um wieder zu Verpackungen werden zu können. Doch die meisten Folien und Verschlüsse setzen sich aus mehreren Kunststoffen zusammen und enthalten Weichmacher oder Stabilisatoren. Mit gängigen Sortiersystemen lassen sich die Bestandteile kaum trennen. Die Folge: Neue Verpackungen bestehen nur zu rund zehn Prozent aus recyceltem Kunststoff.


Geschäftsführer Jochen Mößlein im Labor von Polysecure (oben); fluoreszierende Markerpartikel zur Identifizierung von Materialien in der Sortieranlage (unten)

Jochen Mößlein ist das zu wenig. Die Idee des Erfinders: In Abstimmung mit den Händlern definiert er Verpackungen, je nachdem, welches Stoffgemisch sie enthalten. Dann markiert er sie dementsprechend. So kann die Sortieranlage später die einzelnen Verpackungen sortenrein trennen. Henning Wilts vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie hält das für ein gutes Verfahren. Der Druck auf die Branche nehme zu, in Deutschland fordert das Verpackungsgesetz der Bundesregierung bis 2022 eine Erhöhung der Kunststoff-Recyclingquote von 36 auf 63 Prozent.

Mößlein hat zwei Jahre an der Stanford University Solarzellen entwickelt und im nahe gelegenen Silicon Valley bei Hewlett-Packard gearbeitet. Seit 1993 ist der Physiker und Betriebswirt wieder in Deutschland und beschäftigt in seiner Firma Polysecure 13 Mitarbeiter. Seit Monaten führen der 55-Jährige und sein Team Großhändlern, Verpackungsherstellern und Recyclern das gleiche Experiment vor: Sie markieren von den Gästen mitgebrachte Plastikbehälter mit fluoreszierenden Markern, mischen sie unter andere Plastikabfälle und schicken sie durch die Sortieranlage. Sogleich leuchten die Marker auf den Verpackungen der Gäste hell auf und werden zielsicher aussortiert.


„Was heute oft noch im Gebüsch landet, soll zu einer wertvollen Ware werden.“

„Die Marker sind Kristalle, die wir neu synthetisiert haben“, erklärt der Unternehmer. Nur wenn es das Material für die Marker nirgendwo sonst gibt, können sie den Müll verwechslungssicher markieren. Um für unterschiedliche Stoffgemische Codes zu kombinieren, werden die Kristalle mit Seltenen Erden versehen und auf das Etikett mit dem Barcode aufgebracht. „Die Mengen sind so gering, dass wir von Feenstaub sprechen“, sagt Mößlein.

Seine Firma verkauft schon seit gut zehn Jahren Marker an Firmen, die damit ihre Waren kennzeichnen, etwa für das Retourenmanagement. Polysecure setzt damit aktuell rund eine Million Euro um. „Dann habe ich begriffen, dass das auch eine Lösung für das Müllproblem sein könnte“, sagt der Gründer. Die Entwicklung des Systems kostete rund zwölf Millionen Euro – das Geld stammt von einer deutschen Unternehmerfamilie.


Marker auf dem Label – durch Beleuchtung mit einem Laser sichtbar

Mößleins Sortierung kostet pro Tonne Plastikmüll 200 Euro. Henning Wilts vom Wuppertal Institut schätzt die Kosten heutiger Anlagen auf die Hälfte. Mößleins Technik rechnet sich dennoch. Durch die exakte Trennung kann die Anlage laut Mößlein hochwertige Sekundärrohstoffe im Wert von 1000 Euro pro Tonne liefern, „und das weltweit, denn für Kunststoffe gibt es einen globalen Markt“.

So könnte aus Plastikmüll eine wertvolle Ware werden. Besonders in weniger entwickelten Ländern, in denen 30 bis 40 Prozent des Kunststoffabfalls in der Umwelt landen, wäre das ein guter Anreiz für mehr Recycling. 2021 will Mößlein sein Geschäft daher in Ländern wie Vietnam oder Thailand beginnen. Doch auch mit deutschen Betreibern ist er im Gespräch.

„Aber eigentlich will ich nicht nur Lizenzen verkaufen, sondern die Erfindung bis zum Ende umsetzen“, sagt Jochen Mößlein. Neben seinen Markern will er ganze Sortierfabriken verkaufen und betreiben. Dafür müsse er weitere Investoren und Partner gewinnen. Ein großes Unternehmen und ein Betreiber von Verpackungssortieranlagen seien bereits interessiert. ---

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