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New York City

Drei Viel-Arbeiter in New York City. Drei Modelle, die ihnen den Alltag erleichtern.





• Mein Freund Tim Wine und seine Frau praktizieren Arbeitsteilung: Er schafft das Geld heran, sie kümmert sich um alles Private. Das klassische Modell also, nur dass die beiden es auf die Spitze treiben.

Er ist Investmentbanker bei einer japanischen Bank mit Sitz in Manhattan, arbeitet sechs Tage die Woche je zehn Stunden. Tim verdient so viel Geld, dass sich die Familie eine Eigentumswohnung am Broadway leisten kann und eine teure Privatschule für die beiden Töchter.

Seine Frau Carrol, die früher ebenfalls Investmentbankerin war, als Hausfrau zu bezeichnen wäre aber falsch. Für Ordnung in der Wohnung sorgt eine Putzfrau. Die Begleitung der Kinder zu ihren musikalischen und sportlichen Aktivitäten nach der Schule übernehmen Babysitter. Sie selbst koordiniert das Personal, plant die Sommercamps für die Kinder und den Familienurlaub, ist verantwortlich, dass alle gut essen, gut gekleidet sind und man am Wochenende zusammen ins Kino geht oder mit Freunden in ein schönes Restaurant.

Bei einem dieser Dinner, bei „El Toro Blanco“ in der 6th Avenue, offenbarte sich kürzlich, wie weit Tim und Carrol ihre Arbeitsteilung treiben. Die Kellnerin wandte sich, um die Bestellung aufzunehmen, Tim zu, der daraufhin auf Carrol verwies, mit den Worten: „Meine Frau weiß am besten, was mir schmeckt.“

Die klaren Zuständigkeiten seien zwar praktisch, aber auf Dauer unbefriedigend, vertraute er mir hinterher an: „Ich verpasse das Leben.“ Er heißt übrigens nicht Tim Wine. Sein echter Name soll hier nur nicht stehen, weil seine Frau noch nichts von seiner Frustration weiß.

New York gehört zu den Metropolen, in denen Trends geboren werden – auch weil vieles dort extrem ist: zum Beispiel die Kosten für den Lebensunterhalt und der Mangel an Zeit. Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) arbeiten Amerikaner im Schnitt 1780 Stunden im Jahr, 424 mehr als die Deutschen. Und innerhalb der USA, zeigen Vergleiche immer wieder, sind die New Yorker besonders busy. Kein Wunder also, dass dort Geschäftsmodelle entstehen, die Menschen ein solches Leben überhaupt erst möglich machen.

An der Wall Street steht ein Hochhaus, in dem die Firma WeWork auf fünf Etagen Büroarbeitsplätze und auf weiteren 20 Etagen Apartments anbietet. Für ihre Mitglieder, wie die Mieter dort genannt werden, organisiert die Firma tägliche Happy Hours mit Freibier, zudem regelmäßige Barbecues auf der Dachterrasse.

Das Leben in New York ist auch deswegen so anstrengend, weil die Wege zur Arbeit und zurück so viel Zeit beanspruchen, dass vom Feierabend nicht viel übrig bleibt. Das Haus an der Wall Street scheint die perfekte Antwort darauf zu sein. Wer dort wohnt, kann vom Büro mit dem Aufzug in sein Apartment fahren, die Sozialkontakte finden sich gleich nebenan. Ich bin in diesem Haus auf lauter junge Leute gestoßen, die beteuerten, wie bequem und effizient es ist, so zu wohnen.

Einer, der genau aus diesem Grund ausgezogen ist, ist Michael Nguyen. Er sagt: „WeWork macht dir das Leben unglaublich leicht. Du musst dich um nichts kümmern. Sogar dein Bett wird gemacht. Du musst beim Einzug nicht mal Möbel mitbringen. Alles schon da. Ich habe anderthalb Jahre dort gewohnt, und ich habe es geliebt. Als Unternehmensgründer, wie ich einer bin, brennt man für seine Arbeit. Und das Haus macht es dir leicht, dich voll darauf zu fokussieren. Alle dort haben nur ihre Arbeit im Kopf, und vom Bett ins Büro ist es nur ein Katzensprung. Es gibt in dem Haus ein Café und ein Restaurant, so musste ich nicht mal zum Einkaufen raus. Ich habe es wirklich geliebt. Doch dann hatte ich plötzlich das Gefühl, ich muss da raus. Mir war bewusst geworden, dass ich gar nichts mehr von der Außenwelt mitbekomme und dass jemand anderes mein Leben organisiert.“

Michael Nguyen hält es für möglich, dass es an seinem Alter liegt. Als über 50-Jähriger sei er aufgewachsen in einer Zeit, als Arbeit und Privates getrennte Sphären waren – im Gegensatz zu den Millennials, die gar nicht das Bedürfnis hätten, aus ihrer Filterblase auszubrechen.

Einen Service, der den Menschen Zeitersparnis verspricht, ohne die Privatsphäre aufzulösen, bietet das New Yorker Unternehmen Hello Alfred. 2014 gegründet, hat es bis heute 52,5 Millionen Dollar Risikokapital eingesammelt und expandiert stark, seit es mit großen Immobilienunternehmen kooperiert. Deren Kunden bekommen für die Miete, die sie zahlen, nicht nur ein schickes Apartment in schöner City-Lage, sondern obendrein die Dienste eines Alfreds, einer Art Butler, der den Haushalt managt.

Hello Alfred helfe den Menschen dabei, „ein bedeutungsvolles Leben zu leben“, so die Eigenwerbung. Einer, der diese Hilfe in Anspruch nahm, bis er kürzlich aufs Land gezogen ist, ist Brian Jeffords, Vice President eines Unternehmens für Cyber-Sicherheit.

Herr Jeffords, wobei hat Sie der Butler unterstützt?

Er kam einmal die Woche und hat aufgeräumt, den Geschirrspüler befüllt, den Müll entsorgt, das Bett gemacht, Hemden zur Reinigung gebracht, Lebensmittel eingekauft und Blumen. Manchmal hat er auch so Dinge gemacht, wie einen Schuhschrank zusammenzubauen, den ich online geshoppt hatte.

Waren Sie zufrieden mit ihm?

Sehr.

Haben Sie ihm gesagt, welche Blumen Sie mögen?

Die Auswahl habe ich ihm überlassen.

Und die der Lebensmittel?

Am Anfang habe ich ihm mitgeteilt, was ich gerne hätte. Später wusste er das von allein.

Haben Sie ihn persönlich kennengelernt?

Ja, einmal.

Wie haben Sie kommuniziert?

Über die Hello-Alfred-App.

Das ist ja fast so anonym wie der Zimmerservice in einem Hotel.

Wenn man von einem langen Arbeitstag nach Hause kommt, ist man froh, wenn alles gemacht ist und frische Blumen auf dem Tisch stehen.

Dank Hello Alfred, so das Versprechen, soll sich der Nutzer auf das Wesentliche im Leben konzentrieren können. Was ist das bei Ihnen?

Der Service nimmt einem die unangenehmen Aufgaben des Alltags ab.

Kann Blumen einkaufen nicht auch ganz schön sein?

Die Zeit neben der Arbeit verbringe ich lieber damit zu entspannen.

Wie lange arbeiten Sie denn?

13-Stunden-Tage sind normal. Ich bin viel unterwegs, fliege zu Kunden nach Dallas oder London. Etwa 120 Nächte im Jahr verbringe ich fern meines Zuhauses.

Da bleibt ja gar keine Zeit.

Wenig. ---

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