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Was Marken nützt – BRAUN Hamburg

Filialisten und Flagship-Stores haben die 1a-Lagen in den Großstädten erobert. Einer der wenigen, der den Konzernen trotzt, ist der Hamburger Herrenausstatter Braun.





• Lars Braun trägt an diesem heißen Tag Hemd, Hose, Sakko und Wildlederschuhe verschiedener Marken, keine Krawatte und keine Socken. Mit seinem Outfit vermittelt der Inhaber des traditionsreichen Unternehmens gleich zwei Botschaften. Erstens: Bei mir gibt’s auch Mode für Männer, die sich gern etwas legerer kleiden. Und zweitens: „Wir sind ein Haus der Marken – die ich aussuche.“ Mit dieser Haltung und einer cleveren Mischung aus Tradition und Moderne fährt der 48-Jährige, der das Geschäft in dritter Generation führt, gut.

Die kleinere Filiale an der Mönckebergstraße wurde im vergangenen Jahr um eine Etage erweitert, das neuere und größere Geschäft in einem denkmalgeschützten Gebäude an der gehobenen Einkaufsstraße Große Bleichen – wo zuvor das Ohnsorg-Theater residierte – vor fünf Jahren für rund drei Millionen Euro aufwendig ausgebaut. Lars Braun führt stolz durch diesen Laden, wo im Erdgeschoss eher sportliche Teile angeboten werden und in der ersten Etage eher gediegene.

Besonderes Augenmerk hat er beim Ladenbau auf die einladende Treppe gelegt, die dorthin führt, wo die lukrativen Geschäfte gemacht werden, denn: „Männer brauchen Intimität.“ Der Kaufmann spricht mit seinem Angebot – es dominieren italienische Designer – solvente Leute an, die eigentlich nichts brauchen, aber Lust auf Luxus haben. Ein Anzug kostet im Schnitt 1000 Euro.

Das Verkaufskonzept beruht auf personalintensiver „Manndeckung“, so der Chef: Die Mitarbeiter warten nicht darauf, dass sich ihnen ein Kunde nähert (das wäre Raumdeckung), sondern nehmen ihn unter ihre Fittiche, sobald er den Laden betritt. Fachkenntnis und Service gehören bei Braun seit je zum Geschäft: So leistet man sich eine eigene Änderungsschneiderei sowie eine Schuhwerkstatt. Und auch ein eigenes Team für den Onlineshop, der mittlerweile rund ein Drittel zum Umsatz beiträgt.

Lars Braun kümmert sich persönlich um den Einkauf und die rund 250 Lieferanten, zu einigen bestehen seit Jahrzehnten Geschäftsbeziehungen. Dass er Italienisch spricht, ist dabei von Vorteil.

Aufregen kann sich Braun über die allgemeine Rabattitis im Textilhandel. So reduzierten die großen Ketten bereits vor Weihnachten die Preise, „allein um zum Quartalsende die Bilanzen zu bereinigen“. Da macht er nicht mit: „Nicht ein Faden wird vor Januar reduziert.“ Braun ist ein Mann mit Prinzipien und gesundem Selbstbewusstsein. So hat er vor einigen Jahren mit Erfolg eine eigene Marke für gehobene Sportswear lanciert, die den kryptischen, aber für die Zielgruppe leicht entschlüsselbaren Namen 04651 trägt – es handelt sich um die Vorwahl von Sylt. ---

Erich Braun eröffnet 1933 ein Geschäft für Herrenmode in der Nähe des Hamburger Dammtorbahnhofs. Vier Jahre später zieht er dorthin, wo es die meiste Laufkundschaft gibt: an die Mönckebergstraße. 1953 nutzt der Unternehmer die Chance, das renommierte Damenmodehaus Unger aus der Insolvenz zu übernehmen. Nach seinem Tod führen die Söhne Jean und Michael Braun die beiden Läden. Später folgen ihnen die Cousins Lars und Florian Braun nach. Die beiden wirtschaften unabhängig voneinander, kaufen aber gemeinsam bei bestimmten Lieferanten ein. In einem gemeinsamen Interview mit der »Welt« im Jahr 2008 hält Lars Braun seinem Cousin scherzhaft vor, das leichtere Geschäft zu haben, denn: „Männer kaufen bei Bedarf, Frauen, wenn sie traurig oder glücklich sind.“ Mittlerweile sei das aber anders, sagt er: „Männer sind heute hedonistischer, sie kaufen sich selbst gern etwas Neues.“ Nur eines habe sich in all der Zeit nicht geändert: „Gegen den Willen der Ehegattin kann man nichts verkaufen.“ Braun GmbH und Co KG Mitarbeiter: 140, Umsatz 2018: rund 25 Mio. Euro

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