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Prototyp – Idee sucht Geld

Smarter Einheizer

Ein Start-up aus Hamburg will mit intelligenten Thermostaten die Heizung automatisieren.




• Frau Schäfer ist im Home-Office, Herr Bergmann auf Recherche, Herr Täubner macht Urlaub, und Herr Dahlmann kommt wieder zu spät. Die moderne Arbeitswelt führt dazu, dass Büroräume oft leer stehen. Einzig anwesend: die Heizung. Und die läuft.

Viele Büros, Schulen oder Verwaltungen sind kuschelig warm, obwohl niemand da ist. Der Arbeitgeber oder die Kommune zahlen die Kosten, die Mitarbeiter kümmern sich nicht weiter darum. Christoph Berger will das ändern – mit smarter Technik.

Der ehemalige Student der Technischen Universität Hamburg (TU) hat Maschinenbau und Energietechnik studiert und seine wissenschaftliche Arbeit darüber verfasst, wie man Vorhersagen über die Entwicklung von Raumtemperaturen treffen kann, ohne die Räume zu kennen. Wie verhält sich ein Raum? Wie groß ist er, und wie stark ist die Dämmung? Wie oft wird er belüftet, und wie ist seine Nutzung? Herausgekommen ist ein Thermostat namens Ovis, der mit Sensoren die Bewegungen im Raum, das Umgebungslicht und den Schall misst und so lernt, wann sich jemand im Raum aufhält. Und das vollautomatisch, ohne App oder Zutun einer Person.

Zusätzlich ermittelt der kleine Knauf die Raumfeuchte, erkennt, wenn Fenster geöffnet sind und die Heizung gedrosselt werden muss, oder lernt, wie schnell ein Raum sich erwärmt oder auskühlt – sogenannte raumabhängige Gebäudeparameter.

Auf Basis all dieser Faktoren, die mit den aktuellen Wetterdaten kombiniert werden, ermittelt ein Algorithmus Vorhersagen für die Steuerung der Heizung. Bis zu 40 Prozent der Energiekosten will Berger so sparen – und jede Menge CO2 vermeiden.

Zusammen mit dem Informatiker Lasse Stehnken und dem Volkswirt Christian Brase gründete er 2016 die Firma Vilisto. Im Winter 2017 begannen die ersten Tests. „Mittlerweile haben wir rund 1000 Thermostate im Einsatz“, sagt Berger. Die eigentliche Prototyp-Phase ist beendet. Aber die Praxis zeigt, dass die für sogenannte Smart Homes entwickelte Technik für größere Gebäude angepasst werden muss. „In einem Einfamilienhaus hat man es vielleicht mit fünf bis sechs Thermostaten und 20 Meter Strecke zu tun. Wir vernetzen bis zu 400 Thermostate in einem Bürogebäude. Dazu müssen wir die Funkprotokolle zur Datenübertragung verändern.“

Das neue Modell soll im Sommer fertig sein. Vilisto wendet sich dann ausschließlich Firmenkunden zu. Denn: „Dort gibt es die größten Einsparpotenziale“, sagt Christoph Berger.

Gerhard Schmitz, Professor am Institut für Technische Thermodynamik der TU, schwärmt noch heute von Bergers „mathematischer Begabung. Seine Projektarbeit damals war wirklich der Hammer“, sagt er, „und dann ließ der Mann bei dem Thema nicht mehr locker und hat den Heizkörper zu einem richtigen Rechner ausgebaut.“ Schmitz hat selbst leidige Erfahrung mit „sogenannten intelligenten“ Heizungen. „Bei uns im Büro schaltete sich die Heizung Punkt 16 Uhr einfach ab, und man musste einen Knopf drücken, wenn man länger blieb. Das habe ich natürlich immer vergessen und erst gemerkt, wenn es kalt wurde. Da war es zu spät.“

Wenn der Mensch eingreifen muss, wird es kompliziert und fehleranfällig. Ovis läuft deshalb vollautomatisch. ---

Vilisto GmbH

Gegründet von Christoph Berger, Lasse Stehnken und Christian Brase.

Mit Unterstützung des Start Up Docks der Technischen Universität Hamburg

Kontakt: info@vilisto.de

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Dieser Artikel stammt aus dem brand eins Magazin zum Schwerpunkt Marketing.

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