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Hansalim – Genossenschaft für Bioprodukte

Hansalim ist eine der größten Genossenschaften für Bioprodukte weltweit und ein Spiegel der Entwicklung Südkoreas.




• Wer mit dem Auto von Seoul nach Goesan fährt, dem erklärt das Navigationsgerät, sobald die ersten Felder auftauchen, dass die Region berühmt sei für ihre landwirtschaftlichen Produkte. Besonders Peperoni, Getreide und Reis aus Goesan werden demnach in ganz Korea geschätzt.

Kyung Dong Ho, 67, baut Reis an, Hirse und Gerste. „Unser Prinzip war es schon immer, nicht nur eine Frucht anzubauen“, sagt er. Seit mehr als 30 Jahren ist er Mitglied bei Hansalim (deutsch: „Bewahre alles Lebendige“), eine der weltweit größten Genossenschaften für Bioprodukte. Was 1986 als lokaler Zusammenschluss von Bauern in Goesan begann, die für ihre Produkte Abnehmer in den Städten suchten, entwickelte sich zu einer Kooperative mit Ablegern überall in Korea. Heute zählen zu der Genossenschaft fast 2300 landwirtschaftliche Betriebe und auch rund 644 000 Haushalte; zwei Millionen Menschen bekommen täglich regionale Produkte geliefert.

Was macht Hansalim so attraktiv für Landwirte und Konsumenten? Wer sich von Kyung dessen Felder zeigen lässt, der erfährt nicht nur, wie er Hirse vor Vögeln schützt und warum Gerste ein dankbares Getreide ist, sondern auch viel über die Geschichte von Hansalim. Als er Ende der Achtzigerjahre Mitglied wurde, war Umweltschutz kein Thema in Korea. In der Landwirtschaft wurden bedenkenlos Pestizide und Herbizide eingesetzt, die Bauern und ihren Kunden schadeten. Außerdem sorgten Skandale um importierte Lebensmittel für Aufsehen. Hansalim befriedigte als erster Anbieter die Nachfrage nach regionalen und pestizidfreien Produkten. Ein Startvorteil.

Bauern sollen für gesunde Lebensmittel sorgen, die Kunden sichern im Gegenzug deren Existenz – das ist bis heute der Grundgedanke der Genossenschaft. „Hansalim ist ein Schutzschild für uns Bauern“, sagt Kyung. Doch die Lage sei komplizierter geworden. Die Geschwindigkeit des Wachstums habe sich verlangsamt. Und es gebe mehr Konkurrenz durch andere Anbieter ökologischer Lebensmittel, was eigentlich gut sei. Mehr Sorgen macht Kyung der Zeitgeist: „Die jungen Leute leben allein und kochen einfach nicht mehr.“ Das Essen solle zwar gesund, aber unaufwendig sein. „Wir müssen unser Angebot weiterentwickeln. Wir brauchen Betriebe, in denen Fertigprodukte hergestellt werden können.“

Hansalim besitzt bereits verarbeitende Betriebe für Soja, Reis oder Getreide wie beispielsweise die Goesan Multigrain Farming Cooperation. In der Fabrik wird Getreide getrocknet, gereinigt, gelagert, verpackt und in die Städte geliefert. An den Betrieben der Genossenschaft sind in der Regel Produzenten und Konsumenten gemeinsam beteiligt. Da die Genossenschaft nicht gewinnorientiert arbeitet, werden Überschüsse wieder investiert, zum Beispiel in neue Maschinen. Über die Investitionen entscheidet ein gemeinsamer Beirat. „Auf dem freien Markt gehen zwischen 30 und 50 Prozent des Preises in die Verarbeitung, den Vertrieb und die Werbung“, sagt Kyung, „bei uns sind es fünf bis sieben Prozent.“


Mit Vogelscheuchen in Form von Falken will Kyung Dong Ho Vögel von seinen Sorghumfeldern fernhalten

Darin liegt ein Grund für den Erfolg Hansalims: Da keine Zwischenhändler ihren Schnitt machen, können die Bauern von ihrer Arbeit leben, und die Käufer in den Städten zahlen keine überhöhten Preise.

Vor den Büros von Hansalim im vierten Stock in einem Hochhaus Seouls hängen die Porträts der beiden Gründer der Genossenschaft. Unter Park Jai Ils Bild steht: „Anbau und Konsum ist ein und derselbe Prozess.“ Und unter dem Porträt, das Jang Il Soon zeigt, findet sich die Zeile: „Es ist ein Universum in einem Reiskorn.“

In diesem Satz sieht Kim Ho-Ki, Professor am Institut für Sozialwissenschaften der Yonsei Universität in Seoul, eine Antwort auf die Probleme der Gegenwart: ein entgrenzter Kapitalismus, neue Nationalismen, die Übernutzung der natürlichen Ressourcen. Der wichtigste Gedanke von Jang sei der Respekt vor allem Lebenden. Daraus folge ein Appell zur Zusammenarbeit: „Es geht nicht um Konkurrenz, sondern um Gemeinschaft. Ein Prinzip, das in der asiatischen Philosophie verankert ist.“ Dabei wolle Jang die Individualität durch die Gemeinschaft schützen, nicht ersetzen, sagt Kim. Das Prinzip der Genossenschaft sei ein „gemeinschaftlicher Individualismus“.


Ahn Sang Hee beim Pilzesammeln. Unter der Plane reift Dung für den späteren Gebrauch.

Die Städter helfen den Bauern – und umgekehrt

„Reis ist die Essenz aller anderen Lebensmittel in Korea. So etwas wie der Samen unserer Gesellschaft“, sagt Yoon Hyung Geun, 54, Geschäftsführender Direktor bei Hansalim. Der Reispreis sei daher auch der wichtigste Preis. Um ihn wird hart gerungen. Seit einem Jahr zahle man den Bauern etwas weniger, sagt Yoon. Am Ende habe man sich darauf geeinigt, dass die Genossenschaft mehr Geld für die Betriebskosten und für Investitionen brauche.

Jedes Jahr entscheidet ein Gremium über den Verdienst der Bauern und die Preise für die Produkte. Dazu gibt es monatlich vorbereitende Treffen zwischen Produzenten und Konsumenten, auf denen beide Seiten die Kosten der Bauern und die Belastung der Käufer schätzen, die vergangene Ernte auswerten und Prognosen für die kommende erstellen.

Am Anfang von Hansalim sei es bei den Treffen familiär zugegangen, sagt Yoon. Viele der Bauern und Städter hätten gemeinsam gegen die Diktatur und für die Demokratie gekämpft. Heute sei die Stimmung oft angespannt. „Produzenten und Konsumenten sind ja eigentlich eher Gegner als Partner. Die einen wollen viel Ertrag und hohe Preise, die anderen gute Qualität, die wenig kosten soll.“ In den Jahren des Erfolgs sei diese kapitalistische Logik in die Genossenschaft eingesickert. Und so werde heute viel härter verhandelt als früher, schon vor den eigentlichen Treffen, sozusagen hinter der Bühne. „Noch gelingt es uns ganz gut, Kompromisse zu finden, also Löhne und Preise, mit denen beide Seiten einverstanden sind.“ Damit das so bleibt, brauche es Verständnis füreinander. Dafür will Yoon Hyung Geun mit seinen rund 200 Mitarbeitern im schlichten Großraumbüro in Seoul sorgen. Dort verfassen sie Newsletter und bringen eine monatliche Mitgliederzeitschrift heraus, vor allem aber organisieren sie Besuche von Bauern in Seoul, Busan oder Gwangju und Landpartien für die Städter. „Die Menschen müssen sich gegenseitig ihre Geschichten erzählen“, sagt Yoon. Außerdem beantwortet sein Team telefonisch die Fragen von Mitgliedern, betreut die Fortentwicklung des Sortiments und arbeitet an einem eigenen Gütesiegel, das künftig auch den mit der Herstellung des jeweiligen Lebensmittels verbundenen CO2-Ausstoß angeben soll.

Ein Produkt sei nicht nur ein Produkt, sondern ein Prozess, sagt Yoon. Durch die Produkte den Lebensstil zu ändern sei die Mission. „Die koreanische Gesellschaft wandelt sich gerade, die Jungen geben Dinge auf, die bis vor Kurzem noch selbstverständlich waren, ein lebenslanger Job oder eine große Familie. Geld kann diese Dinge nicht kaufen“, sagt Yoon. Die Wirtschaftskrisen von 1997 und 2008 hätten den Glauben an den ewigen Wirtschaftsaufschwung, für den alle alles geben müssten, ins Wanken gebracht. Hansalim setze dagegen das Ideal: „Jedes Leben kommt an erster Stelle.“ Yoon zitiert den Philosophen Choe Je U, dessen Weltanschauung Cheondogyo (Der Himmlische Weg) konfuzianische, schamanistische und christliche Vorstellungen vereint, die Natur feiert und das Manifest Hansalims inspiriert hat.

Koreaner schätzen regionale Produkte …

In einem der schönsten Täler Goesans liegt der Hof der Familie von Ahn Sang Hee, 70, der seit der Gründung 1986 Mitglied bei Hansalim ist. Ahn hat ein Leben lang Reis angebaut und Schweine gezüchtet. Da er seinen Kindern den Hof nicht übergeben will („Die würden ihn am Ende sowieso nur verkaufen“), hat er sich 2014 einen alten Traum erfüllt und eine – wie er es nennt – Saatgutfabrik gegründet. Irgendwann will er die 24 000 Quadratmeter Fläche vielleicht Hansalim stiften. Eine Gruppe von Unterstützern zahlt die Löhne für seine zwei Mitarbeiter.


Chilis hat er auch: Ahn Sang Hee im Gewächshaus (oben) Unten links: Kwak Keum Soon, die für die Konsumenten zuständige Geschäftsführerin der Genossenschaft Unten rechts: Yoon Hyung Geun, Geschäftsführender Direktor von Hansalim

Weil Korea erst spät industrialisiert wurde, haben viele Städter noch ein Bewusstsein für das Leben auf dem Land. Wenn ein neuer Handelsvertrag mit den USA es erlaubt, billige Agrarprodukte von dort einzuführen, sorgen sich nicht nur die Landwirte, sondern auch Menschen in den Metropolen.

„Heute kommen nur noch etwa 30 Prozent des verwendeten Saatguts aus Korea“, sagt Ahn. „Wir müssen jetzt unsere einheimischen Samen sammeln, um sie morgen noch anbauen zu können.“ In einer auf minus 20 Grad Celsius gekühlten Kammer lagern Hunderte Sorten, vor allem Reis- und Getreidesamen. Ahn bekommt sie von Bauern aus dem ganzen Land zugeschickt. Er vermehrt das Saatgut, um größere Mengen zu gewinnen, die er dann mit Hansalim-Betrieben tauscht.

Ahn führt durch die Felder, die sich an den Hang eines kleinen Berges schmiegen. Zuerst ein paar Reihen Sesambüsche, zwischen denen er fast verschwindet, anschließend die Schwarzbohnen, die eigentlich schon geerntet sein müssten, aber der Sommer sei zu trocken gewesen, dann die Erdnusssträucher, die Hirse, einige Dattelbäume („Wer keine Datteln isst, wird schnell alt“), schließlich unterhalb des Waldes in einer kleinen Senke das Feld mit Reis, insgesamt 17 verschiedene Sorten, Ahns besonderer Stolz. Sein Favorit ist einer mit langen roten Ähren, robust, dafür aber mit feinen Körnern und delikat.

… und sie lieben gutes Essen

Kwak Keum Soon, die für die Kunden zuständige Geschäftsführerin der Genossenschaft, lädt ins Hansang ein, was „Hansalims Tisch“ bedeutet. Es ist das erste Restaurant in Seoul, das nur mit den Produkten der Kooperative kocht. Es gibt einen Brei aus Reis und Gemüse, Pfannkuchen aus Mungbohnen und Sotbap: Reis mit Lotuswurzeln und Meeresfrüchten in einem Eisentopf. Kwak ist fast von Anfang an bei Hansalim. Sie wollte die Bauern unterstützen, die beim rasanten Entwicklungsprozess Südkoreas auf der Strecke zu bleiben drohten, und sie wollte gesundes Essen für ihre Familie.

Sie half, den Transport der Lebensmittel in die Städte zu verbessern, die ersten Läden zu eröffnen und das Sortiment auf die Wünsche der Kunden abzustimmen. Vor sieben Jahren wurde sie in ihr Amt gewählt. Nächstes Jahr gibt sie den Posten ab, auf den man maximal zweimal gewählt werden kann. Für ihre Arbeit bekommt sie kein Gehalt, nur eine Aufwandsentschädigung.

Ihr Job bedeutet vor allem: zuhören. Die Genossenschaftsmitglieder in den Städten reden nicht nur bei den Preisen mit, sondern auch bei den Standards in Sachen Produktsicherheit und Umweltschutz. Das sei manchmal anstrengend, sagt sie. Aber gemeinsam für etwas verantwortlich zu sein spreche viele Menschen an, die sonst in der traditionell hierarchischen Gesellschaft Koreas gewöhnt seien zu tun, was man ihnen sagt.

Auch in Korea stiegen die Ansprüche der Menschen an die Warenwelt, sagt Lee Hyung Seok, Leiter des Korea-Sozial-Management-Instituts. „Die Menschen wollen nicht nur physisch, sondern auch psychologisch befriedigt werden. Sie sind überzeugt, dass Unternehmen nicht nur nach Gewinn streben, sondern auch eine soziale Funktion in der Gesellschaft haben sollten.“ Hansalim passe zu diesem Bewusstseinswandel: „Die Leute kaufen nicht nur Reis oder Gemüse in guter Qualität, sie kaufen eine Erfahrung. Sie sind Teil einer Bewegung.“

Die Kooperative ist auch deshalb erfolgreich, weil Koreaner gutes Essen lieben und bereit sind, für Genuss zu zahlen. Dass die Genossenschaft Qualität liefert, hat sich herumgesprochen. Hansalim habe nie Werbung gemacht, sagt Kwak. „Wir haben uns darauf verlassen, dass wir Menschen überzeugen, die dann anderen Menschen von uns erzählen.“ Jedes Jahr kämen Tausende neue Genossenschaftsmitglieder hinzu. Allerdings sei das Wachstum nicht groß genug, um alle Bauern aufzunehmen, die für Hansalim produzieren wollen. Um den Umsatz zu steigern, können seit zwei Jahren auch Menschen in den Läden einkaufen, die keine Mitglieder bei Hansalim sind. Sie müssen 10 Prozent mehr für die Produkte zahlen.


Es zog sie aufs Land: Park Ho Chul ist Neubauer, seine Frau Kim Hye Sung arbeitet als Verkäuferin im Genossenschaftsladen

Aussteiger verstärken die Kooperative

Seit der Gründung der Kooperative ist auch in Goesan die Zahl der Bauern zurückgegangen, doch seit einiger Zeit kommen wieder neue dazu. Park Ho Chul, 34, beginnt seinen Tag um neun Uhr, wenn er sich mit den Kollegen auf den Feldern der Saatgutfabrikanten von Ahn Sang Hee trifft und sie gemeinsam besprechen, was getan werden muss. Zurzeit ist das vor allem Unkraut jäten. Um elf Uhr gibt es eine kurze Pause – „vor allem, um einen Schluck Makgeolli (koreanischen Reiswein) zu trinken“ –, dann wird der Boden um die Sesambüsche gelockert. Um 13 Uhr wird gegessen, meist auf dem Feld, dort wird auch ein kleines Nickerchen gemacht und dann wieder bis sieben Uhr gearbeitet.

Park trägt einen Pferdeschwanz, lacht viel und erzählt gern von seiner Arbeit. Zusammen mit seiner Frau Kim Hye Sung, 35, ist er vor drei Jahren von Seoul hierhergezogen. Seit ihrer Hochzeit 2013 sind die beiden Mitglieder von Hansalim und auf der Suche, wie sie sagen. Sie gehören zu einer Generation, der Ökologie wichtig ist und die wegen der Folgen der Wirtschaftskrise 2008 und aufgrund der Regierungszeit der autoritären und vor zwei Jahren wegen Korruption abgesetzten Präsidentin Park desillusioniert ist. „Nur Wettbewerb und noch mehr Wettbewerb, das laugt dich aus“, sagt Kim, die in Seoul als Kindergärtnerin gearbeitet hat.

Als die beiden 2016 in Goesan an einem Kursus für Hobbygärtner teilnahmen, waren sie so von der Arbeit und der Natur fasziniert, dass sie blieben. Park begann eine Ausbildung zum Landwirt, Kim verkauft seitdem Gemüse im örtlichen Geschäft von Hansalim.

Mit dem Saatgutfabrikanten Ahn Sang Hee hat Park einen Förderer, der ihm nicht nur zeigt, welche Frucht auf welches Feld zu welcher Zeit kommt, sondern der den beiden Städtern auch hilft, sich in die Dorfgemeinschaft einzufinden. „Gemeinschaft ist eigentlich der Kern der koreanischen Landwirtschaft“, hat Park gelernt.

Wie stellt er sich die Zukunft der Genossenschaft vor? Park lässt sich Zeit mit der Antwort: „Es gibt immer mehr Bauern, die Hansalim beitreten wollen. Ich kann das verstehen. Sie bauen mit viel Einsatz eine Frucht auf möglichst großen Feldern an. Wenn einmal die Ernte ausfällt, bist du schnell verschuldet. Wenn das zweimal passiert, am Ende.“

Um Genosse zu werden, müssen die Landwirte einen Aufnahmeantrag stellen und sich in einem Zertifizierungsprozess verpflichten, ökologisch zu wirtschaften. Das heißt: auf Chemie verzichten, Müll vermeiden und die Ressourcen schonen. Dann brauchen sie Geduld, denn es gibt Wartelisten. Der Grund: Die Bauern sollen sich mit ihrem Angebot keine Konkurrenz machen, es soll keine Überproduktion geben.

Die Einkommensunterschiede können auch bei Hansalim groß sein, „je nachdem, wie viele Felder du hast“, sagt Park. Aber durch die Preisgarantie hätten alle ein solides Einkommen. Mit seinen Kollegen spreche er oft über die Zukunft. Viele seien dafür, mehr Kunden zu gewinnen und deshalb auch Werbung zu machen. Er aber sei der Ansicht, dass die Genossenschaft nicht weiterwachsen soll: „Ich glaube, die Philosophie von Hansalim verträgt nur eine bestimmte Größe.“ ---

„Bewahre alles Lebendige“ – die Geschichte Hansalims

Die Genossenschaft hat ihre Wurzeln in den Protesten gegen die Diktatur von Chun Doo Hwan. Mitte der Achtzigerjahre richteten sich die Bauern in schwieriger wirtschaftlicher Lage an die Städter. Ihr Hilferuf lautete: „Rettet euren Esstisch! Rettet uns Bauern!“ Goesan, wo die Genossenschaft 1986 gegründet wurde, ist nach wie vor Zentrum der Kooperative. Rund 240 Betriebe arbeiten dort für Hansalim. 1989 wurden die Statuten in einem Manifest festgelegt. Die beiden wichtigsten sind: Solidarität zwischen Stadt und Land sowie Schutz der Umwelt. In den folgenden Jahren wuchs die Kooperative schnell, vor allem aufseiten der Konsumenten: 1995 waren es 10 000, 2009 schon 200 000, 2015 knapp 500 000, aktuell sind es 644 000. Für sie produzieren 2400 landwirtschaftliche Betriebe in ganz Korea. 2015 eröffnete Hansalim ein eigenes Analysezentrum zur Lebensmittelsicherheit. Hansalim engagiert sich für gesunde Ernährung und soziale Belange auch im Ausland (u. a. mit Hilfslieferungen nach Nordkorea, Haiti, Afghanistan und Nepal).

Rasante Entwicklung – die Wirtschaft Südkoreas

Südkorea gehörte bis in die Sechzigerjahre zu den ärmsten Ländern der Welt, fast 70 Prozent der Menschen lebten von Ackerbau und Viehzucht. Dann folgte ein erstaunlicher Wandel: Südkorea entwickelte sich erst zum Schwellenland, dann zum viel beachteten „Tigerstaat“ und schließlich zur modernen Industrienation. Die Entwicklung wurde ab 1963 von dem diktatorisch regierenden Präsidenten Park Chung Hee vorangetrieben. Die staatliche Förderung bestimmter Wirtschaftszweige brachte die sogenannten Jaebol hervor, große, oft von Familienclans geführte Firmenkonglomerate wie Hyundai, Kia, LG und Samsung. Damit die Wirtschaft weiterwächst, investiert der Staat in den Ausbau einer modernen Infrastruktur. Seit 2010 gehört das ehemalige Nehmerland Südkorea zu den Geberländern in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Das Agrarwesen spielt heute ökonomisch kaum noch eine Rolle. Sein Anteil am Bruttosozialprodukt liegt bei unter zwei Prozent, nur noch knapp fünf Prozent der Menschen sind in der Landwirtschaft tätig.

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Dieser Artikel stammt aus dem brand eins Magazin zum Schwerpunkt Marketing.

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