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Deiters

Die Firma Deiters ist laut Eigenwerbung Marktführer bei Karnevalskostümen. Und will mit Mummenschanz aller Art die ganze Welt beglücken.





• Herbert Geiss bezeichnet sich selbst staatstragend als „Botschafter der Feierkultur“ und betreibt sein Geschäft mit heiligem Ernst. Von der Zentrale seiner Firma Deiters in Frechen bei Köln aus hat der 36-Jährige sowohl seine Zahlen als auch seine Mitarbeiter fest im Griff. Der Erfolg gibt ihm recht: Als er mit gerade mal 20 – damals noch in der Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann – die Führung des Unternehmens übernahm, hatte es nur eine Filiale in Köln. Heute sind es 26 Filialen bundesweit. Dort und im Onlineshop kann man sich zum Fasching, Junggesellenabschied oder Oktoberfest, zur Halloween- oder Motto-Party die passende Verkleidung kaufen: Rund 200 000 Kostüme sind auf Lager. Herbert Geiss profitiert vom Trend zum Event – und befeuert ihn auch selbst. So veranstaltet er „Deutschlands größte Halloweenparty“ in der Kölner Lanxess-Arena. Ein Zuschussgeschäft, das er als Marketingaufwand verbucht.

Sein Ziel ist es, die Firma unabhängiger von der sogenannten fünften Jahreszeit und der rheinischen Frohsinns-Region zu machen. Die Expansion geht Geiss systematisch an. So ist das Deiters-Personal angewiesen, Kunden beim Betreten eines der Geschäfte umgehend unter die Fittiche zu nehmen, damit diese von der Vielfalt des Angebots nicht verwirrt werden. Denn, so Geiss: „99 Prozent der Leute wissen nicht, was sie werden wollen.“ Neben Klassikern wie der Pappnase und dem Piratenkostüm hat die Firma auch Zeitgeistiges im Angebot. Derzeit laufen Donald-Trump-Toupets sowie von der spanischen Serie „Haus des Geldes“ inspirierte orangefarbene Overalls plus Dalí-Maske gut.

Die meisten Kostüme kosten zwischen 39 und 69 Euro, verrät der Chef. Mehr aber auch nicht; über den aktuellen Umsatz und Gewinn schweigt er eisern.

Herbert Geiss ist rastlos dabei, das Geschäft zu erweitern, und stößt dabei schon mal an seine Grenzen. So floppte eine Dependance am edlen Neuen Wall in Hamburg und wurde nach kurzer Zeit wieder dichtgemacht. Die Hanseaten, so Geiss diplomatisch, seien wohl noch nicht „offen für das Thema“. Oder anders ausgedrückt: Es fehle dort am „Jeck-Faktor“. Er kündigt aber an, woanders in der Hansestadt einen zweiten Versuch zu starten. Denn wenn die Bastion der Fischköppe erst einmal genommen ist, steht der weiteren Expansion nichts mehr im Wege. In einem Deiters-Firmenvideo wird bereits selbstbewusst die Parole ausgeben: „Wir verkleiden die ganze Welt.“ ---

Josef Deiters verkauft ab 1921 in Köln Kunstblumen, Teddybären und andere Kirmesartikel an Schausteller, später kommen Karnevalskostüme dazu. Seine Tochter Magdalena und ihr Mann Fritz Geiss führen das Geschäft weiter, dann folgen deren Söhne nach. Anfang des Jahrtausends kracht’s zwischen den beiden: Reinhold Geiss, der Onkel von Herbert Geiss, zieht sich 2003 aus der Firma zurück, der Neffe übernimmt dessen Anteile und führt die Firma zunächst gemeinsam mit seinem Vater. Der Junior nutzt seine Chance, gibt – gegen den Rat des Seniors – den Großhandel mit Kirmesartikeln auf und konzentriert sich ganz auf Kostüme für Endkunden. Als Unternehmer ist er mittlerweile so erfolgreich wie sein aus der Reality-Show „Die Geissens – Eine schrecklich glamouröse Familie“ bekannter Cousin Robert, legt aber anders als dieser Wert auf einen seriösen Auftritt mit Schlips und Kragen. Außer an Karneval natürlich: Bei einem Rosenmontagszug waren er und seine Gattin auf der firmeneigenen Tribüne als Fred und Wilma Feuerstein zu bewundern.

Deiters GmbH

Mitarbeiter (im Geschäftsjahr 2016/17): 245; Umsatz: ca. 27,7 Mio. Euro; Gewinn: etwa 719 000 Euro

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Dieser Artikel stammt aus dem brand eins Magazin zum Schwerpunkt Marketing.

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