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DeepL

Das Kölner Start-up DeepL kann neun Sprachen in 72 Kombinationen maschinell übersetzen. Und das, obwohl es sich nicht um ein etabliertes Hightech-Unternehmen oder einen Übersetzungs-Profi wie Langenscheidt oder Pons handelt. Wie ist das möglich?





Nutzen

Was hat DeepL zu bieten?

Die erste Erkenntnis von Gereon Frahling und Leonard Fink war: Menschen brauchen keine Wörterbücher – sie wollen Übersetzungen. Deshalb haben die beiden Gründer nicht wie etwa Leo ein Wörterbuch online gestellt. Und sie sind auch nicht auf die Idee gekommen, Wörterbücher auf CD-ROM anzubieten, wie dies Langenscheidt heute noch macht. Für sie sind Wörterbücher nur ein Mittel zum Zweck, um fremdsprachige Texte zu verstehen. Deshalb hilft DeepL beim Online-Übersetzen vollständiger Texte und Powerpoint-Präsentationen – nicht nur einzelner Wörter.

Daneben bietet die Firma Unternehmen Schnittstellen an, um die Übersetzungsmaschine in ihre eigenen Anwendungen wie zum Beispiel Chatbots integrieren zu können.

Kernaktivität

Wie machen sie das?

Der Clou ist die Vorgehensweise. DeepL hat nicht mit einer Redaktion angefangen, die Wörter gesammelt und übersetzt hat. Die Mitarbeiter des Unternehmens sind den umgekehrten Weg gegangen und haben von Menschen übersetzte Texte mithilfe lernender Maschinen wieder in einzelne Wörter und deren Bedeutung im jeweils spezifischen Kontext zerlegt. Dieses sogenannte neuronale Netzwerk wurde mit einer Milliarde menschlicher Übersetzungen trainiert.

Daraus entstand als erstes Produkt das Wörterbuch Linguee, das 2009 lanciert wurde. 2017 wurde dann auf der Grundlage von Linguee die Übersetzungsmaschine DeepL entwickelt.

Kernkompetenz

Warum können sie das?

Neben großen Datenmengen zum Trainieren braucht ein guter Algorithmus einen Superrechner, einerseits um die Trainingsdaten zu verarbeiten, andererseits um möglichst schnelle Übersetzungen anzubieten. DeepL hat solch einen Rechner mit 5,1 Petaflops in Island, wo die Kosten für den Betrieb dank des billigen Stroms niedrig sind. 5,1 Petaflops entsprechen circa einem der Superrechner des Forschungscenters Jülich, das zu den drei leistungsstärksten deutschen Superrechencentern zählt. Dafür arbeitet DeepL mit Verne Global zusammen, einem Anbieter für High Performance Computing in Island.

Die Trainingsdaten stammen aus dem Wörterbuch Linguee und den dafür eingelesenen von Menschen übersetzten Texten. Der Superrechner kann eine Million Wörter in weniger als einer Sekunde übersetzen.

Ertragsmodell

Womit verdienen sie Geld?

Seit 2013 ist die Firma profitabel und erwirtschaftete bereits 2016 einen Gewinn von 1,3 Millionen Euro.

Die Einnahmen kamen anfänglich aus der Werbung auf Linguee, heute vom Freemium-Modell von DeepL. Premium-Pakete werden für 5,99 bis 39,99 Euro pro Monat angeboten.

Die Verluste aus allen Geschäftsjahren zusammen betrugen rund 450 000 Euro. Von Investoren wurden anfänglich 800 000 Euro aufgenommen. Im Dezember 2018 übernahm die amerikanische Venture-Capital-Firma Benchmark – die schon in Ebay, Dropbox, Uber und Facebook investiert hatte – für einen ungenannten Betrag 13,6 Prozent von DeepL.

Team & Werte

Wie ticken sie?

Gereon Frahling hat über das Thema, wie man Algorithmen zum Training von Maschinen über sehr große Datenquellen laufen lassen kann, promoviert. Nach einem Job bei Google zog er sich mit Leonard Fink für 18 Monate zurück, um Linguee zu entwickeln. Das Unternehmen beruht also auf der fachlichen Kompetenz der Gründer – und auf deren Erfahrung während ihrer Klausur. „Wir sind sehr gut damit gefahren, den Lebensstandard herunterzufahren, uns 18 Monate zu vergraben und Linguee zu entwickeln“, sagt Frahling in einem Interview mit der »Gründerszene«. „Dazu brauchten wir eine preiswerte Unterkunft, einen Computer und viel Pizza. Erst mit dem ersten Launch 2009 haben wir dann Investoren mit an Bord geholt, als der Vorteil von Linguee klar sichtbar war. Dies ist unkonventionell und hat viel Energie gekostet, aber dafür konnten wir uns später unsere Investoren aussuchen. Ich kann dies im Nachhinein jedem empfehlen, der im Softwarebereich wirklich an eine Idee glaubt.“

Heute beschäftigt das Unternehmen zwei Dutzend Mitarbeiter, die Hälfte sind Ingenieure, die anderen Produktmanager und Qualitätsmanager. Zusätzlich beschäftigt DeepL 500 Freiberufler, mehrheitlich Übersetzer, die bei der Qualitätssicherung helfen.

Träume & Vision

Wie geht es weiter?

DeepL hat gezeigt, dass keine Milliardeninvestitionen notwendig sind, um sich mit den Großen zu messen, sondern dass die intelligente Anwendung von Algorithmen reichen kann. Die beiden Gründer haben aus bestehenden Texten gelernt, wie Menschen übersetzen. Aus diesem Wissen haben sie eine Maschine konstruiert, die übersetzen kann.

Maschinen-Übersetzung hört sich wenig sexy an, aber DeepL könnte die Grundlage für den Babelfisch sein, wie ihn Douglas Adams in seinem Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ beschreibt. Mittels solch einem Wesen können Menschen in allen Sprachen miteinander reden, sei dies via Chatbots, mit Hörgeräten oder dem Smartphone. Eine große Idee, made in Cologne.

Dr. Patrick Stähler, 49, ist Gründer der Strategieberatung und des Thinktanks Fluidminds und erforscht seit 1997 digitale Geschäftsmodelle.

Dr. Jan Evers, 50, ist Inhaber und Gründer von Evers & Jung und einer der Köpfe hinter www.gruenderplattform.de

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Dieser Artikel stammt aus dem brand eins Magazin zum Schwerpunkt Marketing.

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