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Wer nichts wird, wird Wirt.

Sagt man so. Ist aber komplizierter. Der Mann unserer Autorin schlägt sich seit 24 Jahren durch und kennt alle Fallen, in die man tappen kann. Ein Erfahrungsbericht.





Der Bericht kam zustande, weil ich den Unternehmer Carl Pfeiffer seit 26 Jahren kenne und mit ihm eine Familie gegründet habe. Meine Geschichte erhebt Anspruch auf Unvollständigkeit, ist subjektiv und keine Werbung. Wobei: Wenn Sie mal in Leipzig sind …?!

Die Gastronomie ist das Griechenland der Branchen, immer Triple C, der Leumund kurz vor Knast. Denn zu viele, die sich darin versuchen, gehen pleite oder geben auf, bevor sie die Gewinnzone erreichen. Tatsächlich, sagt Carl, könne jeder, der nichts wird, Wirt werden, ohne Sachverstand, ohne Erfahrung. „So war es bei mir ja auch, ein Jurastudent aus Köln, der von der Aussicht, Anwalt zu werden, überfordert war.“ Schöner fand er die Aussicht, sein eigener Chef zu sein. „Hätte ich gewusst, worauf ich mich einlasse, hätte ich womöglich kalte Füße bekommen.“ Aber er war 27 und wusste es nicht.

Mit seinem damaligen Kompagnon hatte er in Leipzig eine Eckkneipe ausgespäht, beide hatten als Studenten keinen Pfennig in der Tasche. Geld bekommt man unter solchen Voraussetzungen vielleicht von Brauereien oder Getränkehändlern, von Banken eher nicht. Ein Gespräch mit dem größten Bierlieferanten der Region ließ sie tagelang schweben: eine Zusage über 65.000 D-Mark, einfach so!

Aber schnell wurde klar, wie gepfeffert der Preis für das Darlehen war: Die beiden hatten sich zu horrend hohen Bierabnahmemengen verpflichtet. „Kann sein, dass ich nicht mal genau wusste, wie viel ein Hektoliter ist“, sagt der 51-jährige Carl von heute. Sie hatten auch keine der üblichen „Rückvergütungen“ für Bier (im Nachhinein gewährte Rabatte) ausgehandelt, weil sie von denen nichts wussten. Sie zahlten für alle Produkte hohe Listenpreise, und natürlich durften sie nicht den Lieferanten wechseln. „Wir waren gleich mehrfach geknebelt worden und hatten’s nicht gemerkt.“

So blauäugig wollten sie nicht noch einmal sein – deshalb spazierten sie für Laden Nummer zwei, ein großes Café-Restaurant, in eine große deutsche Bankfiliale. „Wir sagten, dass wir einen Kredit für unser neues Geschäft suchen. Daraufhin bat uns ein Berater überaus freundlich in eine der Glaskabinen, die für diese Art Gespräche vorgesehen waren. Er servierte Kaffee und fragte, worum genau es gehe. Da wir den Mietvertrag in der Tasche hatten, sagten wir unbekümmert: Gastronomie! Da stand der Typ auf, ging wortlos raus und ward nie wieder gesehen.“

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