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Esbit

Eine starke Marke erleichtert die Eroberung neuer Märkte. Das macht sich die Traditionsfirma Esbit zunutze.





• Philip Paap, 46, hat sich mit seinem vier Jahre älteren Bruder Robert wohnlich in der Firma eingerichtet. Die Esbit Compagnie, im Alleinbesitz der Paaps, hat ihren Sitz in einem Ende des 19. Jahrhunderts errichteten repräsentativen Bau am Hamburger Hafenrand mit schönem Blick auf die Speicherstadt. Es gibt mitten im Büro eine Küche und obendrüber eine Dachterrasse mit Grill. Die beiden Gesellschafter haben ihre Firma schlank gehalten, Produktion, Design und Buchhaltung ausgelagert, um sich ganz auf die Pflege der Marke zu konzentrieren.

Viele kennen die Esbit-Trockenbrennstoff-Tabletten und -Kocher zum Erwärmen von Dosenravioli bei Bundeswehr-Manövern oder anderen Freiluft-Abenteuern. Erich Schumm, der schwäbische Entwickler des Trockenspiritus, tat sich vor 70 Jahren mit dem Großvater von Philip und Robert zusammen, um Esbit von der Hansestadt aus in alle Welt zu exportieren. In einer Vitrine sind zum Teil skurrile Devotionalien aus der Firmengeschichte ausgestellt: vom Rasierwasser-Erwärmer bis zum selbstheizenden Lötkolben, der nie in Serie ging. Besonders stolz sind die Paaps auf ein Dokument der Popkultur – ein Micky-Maus-Comic aus dem Jahr 1988, in dem Daniel Düsentrieb rät: „So ein Esbit-Brikett sollte man immer im Gepäck haben.“

Als Philip Paap vor fast 20 Jahren in die Firma eintrat, bestand sein Job darin, Armeen und Hilfsorganisationen verschiedener Länder mit Kochern und Brennstoff nach deren jeweiligen Standards zu versorgen. Doch von diesem Geschäft mit Großabnehmern würde man nicht ewig leben können, schwante ihm. Gemeinsam mit seinem Bruder ging er deshalb im Jahr 2007 den Markenstretch an. Sie entwickelten neue Produkte, die heute unter dem martialischen Slogan „Made to survive“ beworben werden. Dazu zählen Kohlegrills, Kochgeschirr für den Camping-Urlaub sowie allerhand Thermobehälter. Da Esbit seit je zum Erwärmen von Speisen und Getränken dient, sei es naheliegend gewesen, auch Artikel anzubieten, die Speisen und Getränke warm halten.

Die Brüder wagten sich damit auf einen von Konkurrenten bereits gut besetzten Markt, „wobei der gute Name Esbit uns ungemein half“, sagt Philip Paap. Heute tragen diese Produkte ungefähr zwei Drittel zum Umsatz bei. Besonders erfolgreich sind Trinkgefäße; der Firma kommt der Trend weg vom Einwegbecher zupass. Dass diese Produkte weniger in der Wildnis und mehr im Großstadtdschungel genutzt werden, sei damals nicht absehbar gewesen, sagt Philip Paap. Er nimmt es dankbar hin. ---

Erich Schumms Passion ist das Tüfteln. In seiner 1933 in Stuttgart gegründeten Firma entwickelt er einen Trockenbrennstoff für den Hausgebrauch und lässt sich von Rückschlägen wie angekokelten Teppichen nicht beirren. Er perfektioniert seine Innovation und nennt sie „Erich Schumm Brennstoff in Tablettenform“ (Esbit). Der Unternehmer profitiert vom NS-Regime, 1940 übernimmt er weit unter Preis die Produktionsanlagen eines jüdischen Fabrikanten. Später beliefert er die Wehrmacht mit seinem Trockenspiritus samt passendem Kocher, steigt zum „kriegswichtigen Betrieb“ auf – und lässt Zwangsarbeiter für sich schuften. 1943 wird der Betrieb durch einen Luftangriff zerstört, Schumm verlegt die Produktion in die Kleinstadt Murrhardt. Nach Kriegsende kämpft er hartnäckig darum, als „Mitläufer“ eingestuft zu werden, was ihm auch gelingt. Ab 1949 kooperiert Schumm mit dem Hamburger Kaufmann Fritz Paap, um Esbit zu exportieren. Schumm verlegt sich später auf andere Produkte und wird mit den von ihm erfundenen Handtuch- und Seifenspendern erfolgreich. Wegen seines sozialen Engagements – er gründet unter anderem einen Altenclub in Murrhardt – macht die Kommune ihn 1973 zum Ehrenbürger. Bis zu seinem Tod im Jahr 1979 meldet Schumm mehr als 1000 Patente an.

Esbit Compagnie GmbH

Umsatz 2018: rund 4,5 Millionen Euro;
Mitarbeiter: 7