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Creapaper

Ein Unternehmer aus Hennef macht der herkömmlichen Papierherstellung Konkurrenz – mit Gras.





Der Unternehmer Uwe D’Agnone vor der Produktionshalle in Düren

Oben: Das Heu stammt von Flächen, die maximal dreimal pro Jahr gemäht werden. In Düren wird es mit Luft gereinigt, auf Faserlänge gestutzt, gemahlen und zu Pellets komprimiert

• Fast jeder zweite industriell gefällte Baum wird laut der Umweltschutzorganisation WWF zu Papier verarbeitet. Das veranlasste Uwe D’Agnone vor acht Jahren dazu, mit seiner Firma Creapaper nach einer ökologischeren Alternative zu suchen. Er fand: Gras. „Ich wollte einen Rohstoff, der leichter zu verarbeiten ist. Um aus Holz Zellstoff herzustellen, braucht man viel Wasser, Chemie und Energie.“ Die Aufbereitung von Grasfasern funktioniere hingegen komplett ohne Chemie und fast ohne Wasser – für eine Tonne Zellstoff seien statt 6000 lediglich 2 Liter notwendig. Zudem benötige man kaum Energie. Somit spare er 75 Prozent der Kohlenstoffdioxid-Emissionen ein.

Der 55-jährige Unternehmer hat sich früh auf das Thema spezialisiert: Bevor er mit dem Graspapier begann, entwickelte er ökologische Werbemittel, etwa Kalender mit Saatgut. Diese vertreibt er bis heute von der Hennefer Firmenzentrale aus. Für die Papierherstellung hat D’Agnone eine patentierte Technik entwickelt, bei der Grasfasern gestutzt, gemahlen und zu Pellets verarbeitet werden. Das Gras stammt aus Flächen in ländlichen Regionen, die maximal dreimal im Jahr gemäht werden. Die Graspellets liefert Creapaper an Fabriken, die daraus Papier mit bis zu 50 Prozent Grasanteil herstellen.


Der Vorteil: Eine gemähte Wiese wächst schneller nach als ein gerodeter Wald.

Schon heute könnten fast alle Produkte damit hergestellt werden, sagt D’Agnone: Klopapier, Einkaufstüten oder Lebensmittelverpackungen. Auch Bücher gelingen, wie das sächsische Start-up Matabooks beweist. Wegen der Digitalisierung wird zwar weniger klassisches Papier genutzt, der Bedarf ist aber weiterhin hoch, der Versandhandel etwa braucht Kartons.

Bei Creapaper will man in einer neu gebauten Anlage in Düren bald mit der industriellen Produktion beginnen. Dort sollen statt der bisherigen 2000 Tonnen Graspellets jährlich 25.000 Tonnen hergestellt werden – genug für mehr als 60.000 Tonnen Graspapier. Die Nachfrage ist groß: Coca-Cola nutzt es beispielsweise für die Etiketten der Bio-Eistee-Marke Honest Tea. Auch Einweg-Kaffeebecher und -Teller gehören zum Angebot. Da diese Produkte aus Plastik ab 2021 EU-weit verboten sind, sucht die Industrie derzeit händeringend nach Alternativen. „Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagt D’Agnone.

© Creapaper GmbH

Auch Einwegprodukte wie dieser Kaffeebecher lassen sich aus Graspapier herstellen – und unkompliziert recyceln

Vor acht Jahren war die Situation eine andere, denn er musste erst einmal Papierproduzenten überzeugen, ihre teuren Anlagen für Experimente zur Verfügung zu stellen. Eine kleine Fabrik in der Eifel ließ sich darauf ein – mit Erfolg. Mittlerweile arbeitet D’Agnone mit 23 Papierfabriken zusammen und beschäftigt 51 Mitarbeiter. Den Jahresumsatz möchte der Unternehmer nicht verraten. In der September-Ausgabe 2018 des Magazins »Markt und Mittelstand« ist von unter zwei Millionen Euro die Rede. Bis 2020 will D’Agnone in die Gewinnzone kommen: „Papiermachen kostet extrem viel Geld“, sagt er. Allein die Patente hätten mehr als eine Million Euro gekostet. Unterstützt wird er vom Wagniskapitalgeber Ecapital.

Nach dem Dürener Vorbild will der Unternehmer weitere Anlagen im In- und Ausland bauen. Normalerweise sind die Wege in der Papierproduktion lang: Deutschland importiert knapp ein Drittel seines Zellstoffs aus Brasilien. D’Agnone strebt an, dass zwischen seinen Produktionshallen und den Papierfabriken langfristig nicht mehr als 50 Kilometer liegen. Die Wahl fiel somit nicht ohne Grund auf Düren: In der Umgebung gibt es viele Papierfabriken und große Grasflächen.

Katharina Spraul lehrt nachhaltiges Wirtschaften an der Technischen Universität Kaiserslautern. Sie hält die Geschäftsidee für gut durchdacht: Die Papierproduzenten könnten das Material in ihre Prozesse einbinden, ohne in neue Maschinen investieren zu müssen. „In vielen Bereichen sind wir nach wie vor auf Papier angewiesen. Wenn Gras genutzt wird, haben wir ein nachhaltigeres Produkt.“

Um den grünen Rohstoff noch effizienter zu verwerten, hat Uwe D’Agnone eine Idee: Die in Gras enthaltenen Proteine seien nicht notwendig für das Papier. Daraus ließe sich aber Tiernahrung herstellen. ---