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Softbank

Viele Konzerne hoffen innovativer zu werden, indem sie in Start-ups investieren. Aber kaum einer nimmt dafür so viel Geld in die Hand wie Masayoshi Son, der Gründer und Vorstandschef von Softbank. Was steckt dahinter?





• Die vergangenen fünf Jahre waren durchwachsen für den japanischen Telekomriesen Softbank. Zwar verdreifachte sich dessen Umsatz, getrieben durch Übernahmen, von rund 3203 Milliarden Yen im Jahr 2012 auf 9602 Milliarden Yen (rund 77 Milliarden Euro) im Jahr 2018. Doch nach der Übernahme von 70 Prozent des US-Mobilfunkanbieters Sprint für gut 21 Milliarden Dollar im Juli 2013 ging es mit der Profitabilität zunächst bergab. Lag die Umsatzrendite vor Steuern – also das Ergebnis nach Abzug aller Kosten im Verhältnis zum Umsatz – 2012 noch bei 22,3 Prozent, waren es 2017 nur noch 4,2 Prozent. Der Grund waren hohe Kosten für Sprint und andere übernommene Unternehmen wie die britische Arm Holdings, einen der weltweit führenden Prozessorenhersteller für Handys, der 2016 für 32 Milliarden Dollar gekauft worden war, sowie eine durch die Akquisen erheblich gestiegene Verschuldung.

Softbank war mit diesen Zahlen auf dem Niveau der deutschen Telekom angelangt, deren Vorsteuerrendite sich regelmäßig nur im mittleren einstelligen Prozentbereich bewegt. Führende internationale Anbieter liegen deutlich darüber, AT&T etwa erwirtschaftete zuletzt gut 14,6 Prozent. Im vergangenen Geschäftsjahr aber, das im März endete, gelang den Japanern ein Comeback:

Das Ergebnis vor Steuern explodierte auf fast 1691 Milliarden Yen (14 Milliarden Euro), die Rendite schoss auf 17,6 Prozent – und das einzig dank einer erst 2017 ins Leben gerufenen Sparte, die 2018 mit einem operativem Segmentergebnis von rund 1257 Milliarden Yen (10 Milliarden Euro) mehr zum Gewinn beitrug als alle anderen Geschäftsbereiche zusammen: Softbank Vision Fund and Delta Fund.

Dahinter verbergen sich zwei mit insgesamt gut 100 Milliarden Dollar ausgestattete Risikokapitalfonds, ein dritter in ähnlicher Grö- ßenordnung wurde jüngst angekündigt. Nur ein Drittel des Kapitals stammt von Softbank. Den Rest stellen externe Investoren, mit denen die Japaner die Erträge teilen (Change in third-party interest in Vision Fund and Delta Fund). Der Softbank-Chef Masayoshi Sun will sich mithilfe der Start-ups, in die die Fonds investieren, die Zukunft ins Haus holen und bewies als Investor Talent. Lange vor der Gründung der Fonds entdeckte er bereits die chinesische E-Commerce-Plattform Alibaba, war einer der ersten Finanziers. Die Gewinne verbergen sich in der Position Income on equity method investments. Im Vision Fund befinden sich gehypte Firmen wie der Fahrdienst Uber, die Co-Working-Firma WeWork oder, aus Deutschland, der wegen Geldwäsche-Vorwürfen umstrittene, aber wirtschaftlich erfolgreiche Finanzdienstleister Wirecard. Insgesamt sind es knapp 70 Beteiligungen, von denen 29 im Wert stiegen, teils erheblich.

Solange das so bleibt, sind die Fonds ein Rendite-Turbo, das jüngste Quartalsergebnis brachte einen neuen Gewinnrekord. Der Grund: Im Vergleich zu den anderen Sparten sind die Kosten der Fonds minimal, bestehen im Wesentlichen aus Ausgaben für das in Großbritannien ansässige Management. Das erhält eine bescheidene laufende Entlohnung, weil es langfristig am Gewinn beteiligt ist. 2018 betrugen die operativen Kosten 46 Milliarden Yen (370 Millionen Euro) bei einem Segmentgewinn von 1257 Milliarden Yen (10 Milliarden Euro). Die Start-ups stammen bislang aus sieben verschiedenen Branchen.

Ob mit ihnen bei Softbank die Zukunft einzieht, ist fraglich. Das Unternehmen plant Kooperationen mit den Beteiligungsunternehmen, doch das ist ein Unterfangen, an dem sich viele Konzerne die Zähne ausbeißen. Meist ist der Nutzen fürs Mutterunternehmen begrenzt. Bei Softbank sind bislang jedenfalls in den Kerngeschäftsbereichen kaum Wachstumsimpulse zu erkennen. Zwei von fünf Segmenten stagnierten 2018, ein weiteres – Sprint – soll in den USA mit T-Mobile fusionieren, doch der Merger stockt aufgrund von Bedenken der Wettbewerbsbehörden. Keine rosigen Aussichten. Da ist es mutig, einen Betrag für Investitionen in risikobehaftete Start-ups zu reservieren, der mit 33 Milliarden Dollar (rund 3655 Milliarden Yen) per 31.3.2019 um die 40 Prozent des Eigenkapitals von 9009 Milliarden Yen (72 Milliarden Euro) ausmacht. ---

Das Unternehmen wurde 1981 von dem Japaner Masayoshi Son als Software-Händler gegründet, eine „bank of software“. Nach seinem Studium an der US-Elite-Uni Berkeley hatte er früh erkannt, wie wichtig Computer und Kommunikation werden würden. Er baute neben dem Handel eine Telekom-Sparte auf und brachte die Firma im Jahr 1998 an die Börse. Bis heute hält er 21,94 Prozent der Anteile. Softbank sitzt in Tokio und beschäftigt weltweit knapp 77 000 Mitarbeiter.