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Leuchtturm

Auch in Zeiten der Digitalisierung kann man mit Papier gutes Geld verdienen. Zum Beispiel mit den Notizbüchern von Leuchtturm.





• Im Foyer der Leuchtturm Gruppe mit Sitz im schleswig-holsteinischen Städtchen Geesthacht hängt ein Kunstwerk in Form eines Bogens mit übergroßen Briefmarken. Auf jeder ist, neu interpretiert, ein wegweisendes Album einer Indie-Band zu sehen: von Devo bis zu The Smiths. „Postwertzeichen in frischem Look – das passt zu uns“, findet Axel Stürken, 53, der das Unternehmen gemeinsam mit seinem 49-jährigen Bruder Max führt. Die Familienfirma ist mit Briefmarkenalben groß geworden, führend bei Zubehör für Philatelisten und Münzsammler – macht aber mittlerweile das Gros des Umsatzes mit Notizbüchern der Marke Leuchtturm 1917 (nach dem Gründungsjahr der Ursprungsfirma). Die Kladden mit den farbigen Einbänden sind im Konferenzraum so drapiert, dass sie an die legendären Suhrkamp-Werke erinnern; allerdings werden von Leuchtturm keine klugen Gedanken mitgeliefert.

Die Stürkens haben ein Händchen für Papier und ein Gespür für Trends. Weil die Zahl der Philatelisten schrumpfte, nahmen sie verstärkt Münzsammler ins Visier. Und entwickelten für das neue Sammelgebiet, das 2002 mit der Euro-Bargeld-Einführung in zwölf Ländern entstand, ein Album. Es verkaufte sich gleich im ersten Jahr eine halbe Million Mal.

Nachdem die italienische Firma Moleskine mithilfe einer fantasievollen Story – man habe das legendäre Notizbuch großer Geister wie Hemmingway und Picasso wiederbelebt – einen neuen Markt für ein altes Produkt erschlossen hatte, kreierte man in Geesthacht 2004 eine eigene Linie, die sich in Machart und Look von der Konkurrenz unterscheidet. Und reitet den Trend seitdem mit Erfolg.

Weniger rund verlief der erste Ausflug auf ein ganz neues Geschäftsfeld: Im Jahr 2000 gründete die Familie das Internet-Versandhaus Torquato für Produkte ausgewählter Hersteller, unter anderem Schreibwaren, Kleidung und Küchenartikel. Doch der E-Commerce floppte, weil damals kaum jemand im Netz orderte, weshalb auf altmodische Katalogbestellung umgestellt werden musste.

Heute ist Torquato eine Art Manufactum in klein mit rund 5000 Artikeln im Sortiment und fünf Ladengeschäften. Kaufleuten, die Leuchtturm-Produkte anbieten, wolle man aber keinesfalls Konkurrenz machen, betont Max Stürken: „Wir glauben an den Fachhandel.“ Den braucht die Firma, um ihre Notizbücher an die Kundschaft zu bringen; auf das Geschäft mit Discountern verzichtet sie, um die Marke hoch zu halten.

Die Firma profitiert vom Überdruss am digitalen Überfluss, mittlerweile ist das auch ein Trend. So hat in den USA der Designer Ryder Carroll eine Methode entwickelt, die Menschen helfen soll, ihr Leben allein mit Papier und Stift auf die Reihe zu kriegen – ohne sich vom Smartphone ablenken zu lassen. Das System ist mittlerweile auch hierzulande populär, und das dafür notwendige »Bullet Journal« gibt’s selbstverständlich bei Leuchtturm. ---

Paul Koch gründet 1917 in Aschersleben im heutigen Sachsen-Anhalt mit einem Partner den Kabe-Verlag zur Herstellung von Briefmarkenalben. In den Dreißigerjahren verkauft er die Firma. Nach ihrer Verstaatlichung in der DDR im Jahr 1953 wird sie im schwäbischen Göppingen neu gegründet. Auch Koch fängt nach dem Krieg in Hamburg mit dem Leuchtturm Albenverlag neu an, später zieht die Firma nach Geesthacht. Anfang der Sechziger wird dort Kurt Stürken mit dem Aufbau des Auslandsgeschäftes betraut, er macht die Firma zum weltweit größten Exporteur für Philatelie-Bedarf. Seine Söhne Axel und Max kommen 1992 und 1998 als geschäftsführende Gesellschafter an Bord. Ende der Neunziger übernimmt Leuchtturm Kabe – womit beide von Paul Koch gegründeten Firmen vereint sind. Die Kinder von Kurt Stürken – 2005 tritt mit Moritz ein dritter Sohn in die Firma ein – diversifizieren das Geschäft, ohne die Sammler zu vernachlässigen, die noch rund 30 Prozent zum Umsatz beitragen.

Leuchtturm Gruppe

Mitarbeiter: 446, Umsatz (2017): 60,2 Millionen Euro, Gewinn: 4,3 Millionen Euro