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Interview mit Klaus Mackscheidt

Die Steuern auf Löhne und Gehälter sind in Deutschland mit mehr als 200 Milliarden Euro der zweitgrößte Posten bei den Staatseinnahmen. Einkünfte aus Kapitalvermögen werden dagegen, selbst wenn es sich um Millionenbeträge handelt, weitaus geringer besteuert als Einkommen aus Arbeit, nämlich lediglich pauschal mit 25 Prozent. Warum es so schwierig ist, große Vermögen steuerlich zu erfassen, wie hilfreich die Diskussion um den Spitzensteuersatz ist und warum alle Vorstöße für eine radikale Vereinfachung des Systems bislang gescheitert sind, erklärt der Finanzwissenschaftler Klaus Mackscheidt.




Klaus Mackscheidt, Jahrgang 1935, zählt zu den renommiertesten deutschen Finanzwissenschaftlern. Von 1973 bis 2001 war er Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaften mit dem Schwerpunkt Finanzwissenschaft an der Universität zu Köln. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählten die Finanzpsychologie und die Theorie der Grenzen der Besteuerung. Nach wie vor ist er Direktor am Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstitut an der Universität zu Köln und veröffentlicht regelmäßig Debattenbeiträge.

brand eins: Wissen Sie noch, wie hoch der Spitzensteuersatz in Deutschland war, als Sie 1956 Ihr Volkswirtschaftsstudium begannen?

Klaus Mackscheidt: Ja, das weiß ich noch genau. Er lag bei 53 Prozent, also acht Prozentpunkte über dem heutigen Niveau.

Es wird Leute geben, die nun gleich sagen, dass es damals gerechter zuging, weil die Gutverdiener stärker besteuert wurden.

Möglicherweise, aber entscheidend ist ja auch, wer von diesem Höchststeuersatz tatsächlich betroffen war. Er begann bei einem Jahreseinkommen von 110 000 D-Mark. So viel verdiente seinerzeit kaum jemand, während heute in Deutschland immerhin rund vier Millionen Einwohner dem Spitzensteuersatz unterliegen. Die Diskussion allein um die Frage, ob der Spitzensteuersatz aus Gerechtigkeitsgründen abgesenkt oder erhöht werden soll, hat keinen allzu großen Erkenntnisgewinn. Die 53 Prozent waren im Übrigen bei Weitem nicht der höchste Spitzensteuersatz, den wir in Deutschland hatten. Der lag bei sage und schreibe 95 Prozent.

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