Incentives

Hier einige Goodies für Mitarbeiter, die über das Gehalt hinausgehen.





Die Werkswohnung

Eine alte Idee lebt wieder auf. Die Deutsche Bahn (DB) lässt Wohnungen bauen, um Personal anzulocken. Und das vornehmlich in Großstädten wie Hamburg, Berlin, Frankfurt am Main oder München, wo bezahlbarer Wohnraum Mangelware ist. 74 Einheiten in München sollen im Dezember bezugsfertig sein. Die Bundes- und Reichsbahnen besaßen einst bis zu 170 000 Werkswohnungen, bis diese im Zuge der Bahnreform losgeschlagen wurden. Jetzt will der größte deutsche Staatskonzern an alte Zeiten anknüpfen und sich wieder mehr „an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen orientieren“, sagt DB-Personalvorstand Martin Seiler. Auch andere große Unternehmen wie BASF (rund 6000 Wohnungen im Bestand), Bosch (2300) oder Volkswagen (9000) wuchern mit ihren Unterkünften – und wollen ihre Angebote teilweise sogar noch ausbauen.

Das Dienstrad

Unternehmen entdecken immer häufiger das Fahrrad als ökologisch korrektes Transportmittel für ihre Mitarbeiter. Laut Schätzungen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs gibt es schon 250 000 Diensträder in Deutschland. Sie werden steuerlich ähnlich wie Dienstautos behandelt – sind aber besser fürs Image. Bei Anbietern wie Jobrad, Businessbike oder mein-dienstrad.de können Unternehmen E-Bikes, City- oder Lastenräder für ihre Mitarbeiter leasen und Karmapunkte sammeln. Unternehmen wie Rewe, Henkel oder Motel One machen das bereits.

Der Agentur-Bulli

Die Hamburger Werbeagentur Grabarz & Partner besitzt einen eigenen Bulli, den sich die Mitarbeiter kostenlos für ein Wochenende ausleihen können. „Der Bulli hat alles, was man braucht. Betten, eine Küche und Camping-Utensilien“, sagt der Geschäftsführer Thomas Eickhoff. Eine Gruppe von Werbern hat den Bus eigenhändig umgebaut. „Wir haben den Bulli gekauft, aber bewusst nicht schlüsselfertig auf den Hof gestellt. Wir wollten den Mitmachgeist fördern“, sagt der Chef. Das Konzept scheint aufzugehen: Der Bulli ist fast das ganze Jahr über ausgebucht und wird von den Mitarbeitern auch gern für Hochzeiten genutzt.

Amateur-PR

Incentives mit Nebenwirkungen hat sich beispielsweise Amazon ausgedacht. Vergangenes Jahr belohnte das Unternehmen seine Lagermitarbeiter in den USA für positive Tweets. Sie sollten das Arbeitsklima bei dem US-Konzern loben und ihn gegen jegliche Vorwürfe verteidigen. Dafür erhielten sie einen freien Tag und einen Einkaufsgutschein von Amazon im Wert von 50 US-Dollar. In den sozialen Netzwerken erntete der Konzern dafür Hohn und Spott.

Das Kinderzimmer

Was tun, wenn die Kita dichtmacht, weil die Erzieher krank sind? Die Mitarbeiter des Süßwarenherstellers August Storck können in solchen Fällen ihre Kinder mit ins Familienbüro nehmen. Am Standort in Halle (Westfalen) gibt es einen Raum mit Kinderspielzeug und allen anderen Dingen, die die Kleinen brauchen. Im Grunde arbeitet man dann wie im Home-Office – nur auf dem Werksgelände und ohne die zahlreichen Ablenkungen in der eigenen Wohnung.

Zeit fürs Ehrenamt

18 Prozent der Menschen in Deutschland engagieren sich laut des Instituts für Demoskopie in Allensbach ehrenamtlich. Beim Internetunternehmen Salesforce tun sogar mehr als 90 Prozent der Mitarbeiter Gutes – weil es fester Bestandteil des Unternehmens ist. Jeder Mitarbeiter hat zusätzlich sieben Tage im Jahr bezahlten Urlaub für ehrenamtliche Tätigkeiten. „Bei unserer monatlichen Einführung neuer Mitarbeiter in München schicken wir alle unsere neuen Kollegen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an ihrem zweiten Arbeitstag zur Münchner Tafel. Damit wollen wir zeigen, wie wichtig uns das ist“, sagt Robert Frank, Director Employee Success bei Salesforce in München. Das Unternehmen stellt ein Prozent der Arbeitszeit, ein Prozent des Kapitals und ein Prozent der Produkte für gemeinnützige oder ehrenamtliche Tätigkeiten zur Verfügung. Auch andere Unternehmen wie Bayer, Dr. Oetker, Randstad oder Microsoft fördern ehrenamtliche Tätigkeiten ihrer Mitarbeiter – mit freien Tagen oder mit Geld für eigene Projekte.

Kollegenaustausch

Schüleraustausch kennt man, beim Berliner Tech-Start-up Adjust können Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz bis zu sechs Wochen mit Kollegen im Ausland tauschen. Das Unternehmen hat für seine 15 Büros, unter anderem in Berlin, San Francisco, Tokio und New York, ein sogenanntes Office-Exchange-Programm geschaffen, um das Miteinander zu fördern. Adjust bezahlt die Flüge und stellt die Wohnungen. Das koste zwar Geld, verbessere aber den Zusammenhalt in der Firma, sagt Christian Henschel, Mitgründer des Unternehmens.

Coachings

Flexible Organisationen, Arbeitszeiten, Strukturen und Prozesse – das kann auch zu Stress führen. Damit das nicht passiert, bietet SAP, Deutschlands großer Softwarehersteller, allen seinen Mitarbeitern rund 80 verschiedene Kurse an zu Themen wie Achtsamkeit, Stressbewältigung, Meditation oder geistige Fitness, die sie während der Arbeitszeit besuchen können.

„Wir wollen nicht, dass unsere Mitarbeiter irgendwann nicht mehr zwischen Berufs- und Privatleben unterscheiden können“, sagt SAP-Personalleiter Cawa Younosi. „Einige Unternehmen schalten ihre E-Mail-Server um 18 Uhr ab, wir vermitteln lieber, wie man besser mit neuen Medien und Veränderungen im Berufsleben umgeht.“ Mehr als 7000 SAP-Mitarbeiter nutzten im vergangenen Jahr das Kursangebot. Das zahlt sich offenbar aus: Der Krankenstand in der Firma liegt bei 3,4 Prozent, der Bundesdurchschnitt lag 2018 bei 4,3 Prozent. Unternehmen wie Continental, Google oder Puma bieten ebenfalls Achtsamkeitskurse an.

Besser kein Bonus

Dass zusätzliche Vergütungen auch schaden können, hat der Wirtschaftswissenschaftler Timo Vogelsang von der Universität zu Köln herausgefunden. Vogelsang untersuchte, wohin es führt, wenn man Supermarktleitern, die den Gewinn ihrer Filiale steigern, in Aussicht stellt, einen Bonus zu bekommen. Daneben gab es eine Kontrollgruppe, die keinen solchen Anreiz hatte. Alle zwei Wochen sprachen die Marktleiter mit ihren Vorgesetzten über die Fortschritte ihrer Arbeit. Dann wurde ausgewertet.

Das überraschende Ergebnis: „Die Marktleiter, die einen Bonus erhalten sollten, haben es, verglichen mit der Kontrollgruppe, nicht geschafft, die Gewinne ihres Supermarktes zu steigern. Sie haben die Gespräche mit dem Vorgesetzten anders genutzt als jene, die keinen Bonus erhalten haben“, sagt Vogelsang. „Ich denke, es lag an der Einstellung: Viele dachten sich wahrscheinlich, wenn ich schon Geld kriege, will ich meinen Vorgesetzten nicht noch von meinen Problemen erzählen und somit womöglich um Hilfe bitten. Mein Vorgesetzter erwartet von mir, die Aufgabe selbst zu lösen – ich bekomme ja Geld dafür. Dies hat die Art der Gespräche verändert.

Dagegen haben die Mitarbeiter, die keinen Bonus erhalten sollten und dennoch die regelmäßigen Gespräche mit dem Vorgesetzten hatten, den Gewinn ihres Supermarktes um bis zu acht Prozent gesteigert. Sie waren weitaus offener in ihren Gesprächen und haben drei- bis viermal häufiger über Probleme geredet.“

Mehr auf den Teamgedanken setzen auch Unternehmen wie Infineon, Bosch oder Daimler und haben dafür individuelle Boni wieder abgeschafft. ---