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Das Glück liebt den Mutigen

Die Russen schwanken bei Gehaltsverhandlungen zwischen Draufgängertum und Selbstverleugnung. Selbst Seelsorger raten zu mehr Entschlossenheit.





• Mein Freund Wanja war immer ein Draufgänger. Eines Abends, Wladimir Putin war damals noch ein junger Präsident, tauchte Wanja mit anderthalb Stunden Verspätung auf, hatte schon einiges getrunken und lachte verzweifelt: „Leute, morgen werde ich gefeuert. Ich bin mit meiner Chefin aneinandergeraten.“

Wanja ist Moskauer und Reporter, begabt bis begnadet, wenn auch manchmal etwas faul. Und kein schlechter Mensch. Aber Karriere und Gehalt waren für ihn stets etwas, womit man spielte.

Wer auf dem russischen Arbeitsmarkt mit Plan über Geld verhandeln will, stößt auf ein Wirrwarr widersprüchlicher Regeln. Das Moskauer Fachportal Headhunder hat die üblichen Banalitäten parat: „Demonstrieren Sie Professionalität, positive Einstellung und Beharrlichkeit.“ Aber auch: „Seien Sie dreist, das Glück liebt die Mutigen.“

Nach seinem Fehltritt verlor Wanja zwar seinen Arbeitsplatz, nicht aber seine Courage. Einen Job später bewarb er sich als Chefredakteur für ein PR-Projekt. Er sprach mit dem Chef, alles lief glatt, bis zur Frage nach dem Gehalt. Wanja verlangte 5000 Dollar, damals eine enorme Summe und auch heute noch das Jahresgehalt eines Junglehrers in der Provinz. Der Arbeitgeber lachte nur kurz und verabschiedete sich. „Ich habe einfach zu viel verlangt“, Wanja grinst wehmütig, „um das noch auf eine reale Summe runterzuhandeln.“ Er hätte den Job wirklich gern gehabt.

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