Efos

Schädlinge vernichten weltweit große Teile der Ernten. Eine slowenische Firma warnt Landwirte frühzeitig vor der Gefahr.





• Oft sehen bedeutende Innovationen ziemlich unscheinbar aus. So auch die der slowenischen Firma Efos. Sie hat ein System entwickelt, um den Befall von Schädlingen in der Landwirtschaft viel präziser als bisher vorhersagen zu können.

Trapview hat Matej Štefančič, der Geschäftsführer der Firma, das Projekt genannt. Die Grundlage dafür bilden Insektenfallen, die mit Digitalkameras ausgestattet sind. Mit sogenannten Pheromonen, chemischen Botenstoffen, werden Motten, Fliegen, Käfer und Artgenossen angelockt und per Kamera gefilmt. „Mit der Auswahl geeigneter Pheromone können wir gezielt bestimmte Schädlingsarten in unsere Fallen locken“, sagt der 43-Jährige. Die Zahl der angezogenen Insekten gibt Aufschluss über ihre Verbreitung. Dasselbe Prinzip funktioniert mit Lichtfallen. Betrieben werden sie alle mit kleinen Solarmodulen.

Das Herzstück von Trapview sind eine Software und eine Datenbank. Damit können die fotografierten Insekten automatisch registriert und identifiziert werden. Die Datenbank umfasst bereits rund zehn Millionen Aufnahmen, und jeden Tag kommen neue hinzu. In das Programm werden weitere Informationen eingespeist – wie lokale Wetterdaten oder Angaben zu früheren Insektenplagen –, so kann es laut Štefančič Voraussagen treffen, ob sich ein neuer Schädlingsbefall ankündigt.


Oft wissen die Menschen vor Ort am besten, was sie gegen die Schädlinge tun können.

Diese Informationen können die Kunden des Start-ups rund um die Uhr per App auf dem Smartphone abrufen. „Die Entscheidung, wie auf drohende Plagen reagiert werden soll, überlassen wir den Leuten vor Ort“, sagt Štefančič, denn die wüssten am besten, mit welchen Praktiken sie die Schädlinge in ihrer Region bekämpfen können. Oft reiche ein natürliches Gegenmittel auf einer begrenzten Fläche. Der Verzicht auf einen großflächigen Einsatz von Pestiziden schont die Gesundheit der Bevölkerung und die Ernte.

Schädlinge vernichten laut der Welternährungsorganisation FAO weltweit bis zu 20 Prozent der Ernten im Jahr. Millionen von Kleinbauern in ärmeren Ländern können durch einen solchen Ausfall ihre Existenzgrundlage verlieren, in manchen Regionen Afrikas und Asiens drohen dadurch Hungersnöte.


Matej Štefančič will mit seiner Firma Ernten retten und den Pestizidverbrauch senken. In seinen Fallen werden die Insekten angelockt und gefilmt, die App warnt vor möglichen Plagen.

Er habe sich schon früh für Computer interessiert, sagt Štefančič, und deshalb an der Universität der Hauptstadt Ljubljana Informatik studiert. Mit der Landwirtschaft hat er sich erst befasst, als er seine Frau kennenlernte, die dort Agrarwissenschaft studierte. 2007 gründete er zusammen mit Freunden die Firma Efos. Zunächst entwickelten sie mit Sensoren ausgestattete Ohrclips für Kühe, Ziegen und Schafe, um deren Bewegungsmuster zu analysieren.

„Auf die Idee mit den Insektenfallen kamen wir dann eher durch Zufall“, sagt Štefančič. Ein Bekannter habe ihn gefragt, ob er nicht etwas entwickeln könne, um seine Obstplantagen vor Schädlingsbefall zu bewahren. „Also haben wir 2010 das Projekt Trapview gestartet.“

Die Routen von Insekten mit Hormonfallen nachzuvollziehen sei eine bekannte und weitverbreitete Praxis, sagt Heinz Peters, Berater für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung bei der Welthungerhilfe. Das Konzept von Efos hält er für vielversprechend. „Wie die Fallen kontrolliert werden, hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Jemand geht hin und liest ab, wie viele Insekten gefangen wurden. In abgelegenen ländlichen Regionen können auch schon mal Tage zwischen zwei Kontrollgängen liegen.“ Die automatisierte Kontrolle im Stundentakt ist dagegen schneller und präziser.

Die Firma vermietet ihre Fallen samt dem dazugehörigen Service. Der Mietpreis hängt davon ab, wie viele Fallen in einer Saison zum Einsatz kommen. Er liegt zwischen 5 und 30 Euro pro Hektar.

Bis 2018 wurde Trapview mit insgesamt rund 1,1 Millionen Euro von der Europäischen Union unterstützt. Der Firma hat das geholfen: Ihre Fallen sind inzwischen in mehr als 40 Ländern auf sechs Kontinenten aufgestellt, mit Schwerpunkten in der Mittelmeerregion, in Australien, Brasilien und den USA.

Im vergangenen Jahr verbuchte Efos einen Gewinn von 1,1 Millionen Euro. Rund 60 Prozent davon machten die Trapview-Vermietungen aus, der Rest entfiel auf die Ohrclips für Nutztiere, die die Slowenen weiterhin anbieten.

Matej Štefančičs Team hat mittlerweile 30 Mitarbeiter. Agrarexperten, Biologen, Ingenieure und Informatiker. ---