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Prototyp – Idee sucht Geld

Sicherheitsgurt für Sprunggelenke

Eine neuartige Entwicklung soll Sportverletzungen verhindern.






Abbildungen: © Betterguards

• Wenn man flüssigen Kunststoff sehr rasch in eine Form presst, wird er zu schnell hart. Scherverdickung nennen Fachleute diesen unerwünschten Effekt. Vinzenz Bichler, 36, kennt ihn, denn er hat an der Fachhochschule in Rosenheim sein Diplom in Kunststofftechnik gemacht.

Seine Leidenschaft ist Sport. „Ich bin nur leider ständig umgeknickt“, sagt er, „beim Fußball oder beim Snowboarden. Und mit den dicken Schienen und Bandagen kam ich nicht mehr in die Schuhe hinein.“ Da kam ihm die Idee, den scherverdickenden Effekt zum Schutz vor Sportverletzungen zu nutzen.

Bichler überzeugte den Berliner Professor Marc Kraft, der an der Technischen Universität Medizintechnik lehrt, von der Idee: Wenn der Fuß umknickt, sollte sich eine Flüssigkeit verfestigen, die den Fuß im richtigen Moment stabilisiert. Eine Art Sicherheitsgurt für die Gelenke. Professor Kraft sagte: „Das klingt gut. Dann leg mal los.“

Das System sollte die Bewegung nicht einschränken, durfte nicht frühzeitig blockieren und musste vor allem immer wieder neu reagieren können. Nicht wie bei einem Airbag: Puff, und das war’s.

Vinzenz Bichler fand Fluide, die das können. Er entwarf einen Zylinder für die Flüssigkeit, der einen Stab enthält. Beim Umknicken des Fußes überträgt sich der Druck über den Stab auf die Flüssigkeit, und sie wird hart. Blitzschnell. „Eine normale Umknickbewegung passiert so schnell, dass der Muskel nicht hinterherkommt, um eine Gegenkraft aufzubauen“, sagt Bichler. „Unser System schafft das in weniger als 20 Millisekunden.“

Im Sommer 2013 hatte er den ersten Prototyp fertig und damit seine Masterarbeit bestanden. Seitdem hat er ein Team von 12 festen und 20 freien Mitarbeitern aufgebaut und zwölf Patente angemeldet. Sein erster Kunde, der Bandagenhersteller Julius Zorn aus Aichach, will Ende des Jahres die ersten Sprunggelenkbandagen mit der neuen Technik auf den Markt bringen. Zuvor sollen ab April mehr als 200 Test-Exemplare an Sportler verteilt werden: Die Handballer der Füchse Berlin und die Fußballer von Arminia Bielefeld gehören dazu. Auch eine Basketball-Mannschaft ist im Gespräch. Beim Handball und beim Basketball entfallen 20 bis 30 Prozent aller Verletzungen auf das Sprunggelenk. Insgesamt gibt es allein in Deutschland mehr als 8000 solcher Verletzungen pro Tag.

Vinzenz Bichler träumt davon, mit großen Sportartikelherstellern wie Adidas zu kooperieren. „Irgendwann will ich mal den Fußball-Weltmeister ausstatten.“ Derweil denkt er bereits an weitere Systeme für Knie, Hand, Schulter oder Nacken. Das Potenzial dieser Erfindung ist für ihn noch lange nicht ausgeschöpft. ---

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