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Geschäftsmodelle – N26

N26 gilt als eines der heißesten Fintechs in Deutschland: Mit einer kundenfreundlichen App will das Start-up eine mobile, digitale Bank aufbauen – weltweit. Dahinter stehen zwei junge Österreicher ohne einschlägige Bank-Erfahrung. Kann das gelingen?





Was hat N26 zu bieten?

N26 bietet Bankleistungen dort an, wo die Kunden sind: auf dem Smartphone, in einer App, die Ausgaben sofort verbucht und gleich nach Ausgabenkategorien klassifiziert. Die Eröffnung von Konto und Unterkonten geht ebenso wie die Identifizierung des Kunden online, in Minuten.

Das hört sich nicht wirklich verrückt an, aber die klassischen Banken haben es lange nicht geschafft, ihr Angebot ins digitale Zeitalter zu führen, global, nicht nur in einem einzigen Land. N26 brachte die Vorreiter-Rolle bisher 2,3 Millionen Kunden mit Geldeinlagen von mehr als einer Milliarde Euro, täglich kommen 10 000 hinzu, erklärte Valentin Stalf, einer der Gründer, in der »Welt«.

Noch konzentriert sich N26 auf die täglichen Finanzen, ohne die Hauptbank für Geldanlage oder Versicherungen sein zu wollen. Allerdings will das Unternehmen das Finanzinstrument ihrer Kunden sein, das ihnen den Zugang zu den Kundendaten eröffnet, auf Basis derer sie Empfehlungen und Hilfen zur Budgetierung geben können.

Die Basisfunktionalitäten der Kontoführung sind bei N26 kostenlos. Sobald die stylishe schwarze Kreditkarte mit sehr besonderen und preislich intransparenten Versicherungen – etwa einer Versicherung bei Flugverspätungen um mehr als vier Stunden – dazu kommt, wird es mit 9,90 Euro im Monat schon nicht mehr günstig.

Wie machen sie das?

Das Team von N26 hat nicht nur eine App entwickelt, wie es viele gemacht haben, sondern auch alle Prozesse und die dahinterliegende IT komplett mit Partnern neu konstruiert. Die Bedienoberfläche ist in Design und Funktion radikal nutzerfreundlich und einfach.

Zudem hat sich die Direktbank gute Partner gesucht. Das Kernbankensystem ist von Mambu, einem 2011 gegründeten Berliner Start-up, und wird auch von diesem betrieben. Weltsparen (Raisin), ebenfalls ein Berliner Fintech, das einen pan-europäischen Marktplatz für Spar- und Festgeld betreibt, ist Partner für Sparprodukte. Für Auslandsüberweisungen nutzen sie Transfer-Wise, ein Londoner Fintech, erst 2011 gegründet. Mastercard liefert die Debit-Kreditkarten.

N26 setzt auf Partner immer dann, wenn diese für den Kunden ein konkretes Problem lösen. Etwa Apple Pay und Google Pay, die eine schnelle und elegante Bezahlung übers Smartphone erlauben.

Andere Fintechs mögen mit Blockchain und einer dezentralisierten Finanzwelt größere Träume haben, aber N26 ist im Vergleich dazu bodenständig und setzt auf das, was heute schon technisch möglich und von Kunden verstanden und gefordert wird.

Warum können sie das?

N26 hat auf vieles verzichtet, was eine Bank in der Vergangenheit erfolgreich machte: Filialen, Berater, Geldautomaten. Die Entwickler haben bei jeder Funktion überlegt, wie sie unter Verwendung digitaler und bewährter Technik neu gestaltet werden kann, und nur die Funktionen genutzt, die für moderne Standardgeschäfte mit Privatkunden notwendig sind.

Die Idee ist nicht revolutionär – die amerikanische Direktbank Simple verfolgt sie seit 2012. Und mit Revolut und Monzo sind inzwischen Fintechs mit einer ähnlichen Vision gestartet. Aber N26 zeichnet eine Portion Größenwahn aus. Die Gründer geben sich nicht mit kleinen Erfolgen zufrieden wie der Lancierung in Deutschland: Sie gehen gleich in 24 Länder und wollen mit dem Geld der Investoren jetzt die USA erobern.

Ihr Vorteil ist die Schwäche der etablierten Banken, für die das standardi- sierte Privatkundengeschäft mit seinen in Deutschland niedrigen Margen als nicht attraktiv gilt. Die Herausforderung für N26 wird sein, trotz des starken Wachstums einen guten Kundenservice für jene Ausnahmefälle aufzubauen, die nicht mit IT bearbeitbar sind. Zudem stellt sich die Frage, wie sie die unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen in ihre Plattform und Prozesse integrieren und trotzdem schlank bleiben können. Die 24 Länder, in denen sie bereits operieren, liegen im EU-Raum – jetzt kommen die USA mit einer ganz anderen Regulierungsgesetzgebung dazu.

Womit verdienen sie Geld?

N26 hat wie die meisten Banken Einnahmen durch Gebühren, Zinsen und Interbankenentgelt bei Kartenzahlungen. Die Basis-Konten sind kostenlos, für besonderen Service nehmen sie Gebühren, verdienen an Überziehungskrediten und teilen sich bei Devisengeschäften Gebühren mit ihrem Partner TransferWise. Heinz-Roger Dohms von »Finanz-Szene.de« schätzt die Einnahmen pro Kunde und Jahr auf 20 bis 25 Euro (2017), bei etablierten Banken bringen allein die Kontogebühren 120 Euro.

Allerdings hat N26 mit seinen digitalen Prozessen nach eigenen Angaben nur ein Sechstel der Kosten traditioneller Banken. Sie bemühen sich, kostengünstiger zu sein als andere. Geldautomaten? Zu teuer. Die Nutzung der Automaten anderer Banken? Auch zu teuer. Also bieten sie ihren Kunden an, Bargeld bei 11 000 Einzelhändlern einzuzahlen und zu beziehen. Das ist in Deutschland seit 2013 gestattet und zum Beispiel in Schweden seit den Neunzigern ein eingeführtes System.

Neukunden gewinnt N26 ohne Prämien, das Angebot überzeugt offenbar. Auch die Investoren: Allianz X, der chinesische Internetriese Tencent, der Investmentfond des Staates Singapur, Peter Thiel und Earlybird Venture Capital haben mehr als 500 Millionen US-Dollar investiert. Bis 2017 hatten sich 24 Millionen Euro Verlust angehäuft, im Jahr 2017 kamen 32 Millionen dazu. Die Geldgeber setzen auf schnelles Wachstum, Profitabilität ist erst einmal nicht entscheidend.

Wer sind die Gründer?

Valentin Stalf, Ökonom, heute 33 Jahre, und Maximilian Taxenthal, Jurist, heute 38 Jahre, gründeten N26 im Jahre 2013 ohne jegliche Retailbanken-Erfahrung. Die beiden Österreicher, die eine lange Freundschaft verbindet, wollten das Banking revolutionieren.

Stalf war vor der Gründung Entrepreneur in Residence bei Rocket Internet. Dort entwickelte er die Idee für eine Prepaid-Kreditkarte für Kinder, mit der diese lernen sollten, ihr Taschengeld auch online mit Bedacht auszugeben. Bei Kundentests stellten sie fest, dass die Eltern ein großes Interesse an modernem Banking hatten – also gaben sie ihr altes Projekt auf und gründeten Nummer26, so der ursprüngliche Name.

Die Stärke der Gründer ist, ein Team aufzubauen, das alles kann, was sie selbst nicht können: flexible IT-Plattformen entwickeln, Bankprozesse digitalisieren und sie rechtlich sauber abwickeln. Und es gelingt ihnen, ein paar Prozent mehr Nutzerfreundlichkeit und Schönheit in die Bildschirmansichten zu bringen als die Wettbewerber. Gleichzeitig müssen sie genügend Mitarbeiter rekrutieren und in ihre Organisation integrieren, um das Wachstum zu bewältigen. Zurzeit beschäftigt N26 mehr als 700 Mitarbeiter an drei Standorten.

Wie geht es weiter?

Das Ziel der Gründer ist eine Bank, die weltweit von Kunden genutzt wird. Enttäuschungen im Umgang mit Geldinstituten, hohe Kosten und Intransparenz sollen der Vergangenheit angehören.

Harley Miller, Principal des Investors Insight Venture Partners, begründet sein Engagement so: „Heutzutage sehen wir immer seltener, dass eine große Branche noch nicht durch Technik revolutioniert wurde. N26 ist klarer Marktführer im Mobile Banking in Europa und bestens gewappnet, eine der führenden digitalen Marken weltweit aufzubauen.“

Auf diesem Weg misst sich N26 nicht nur mit anderen Banken, sondern auch mit Plattformen wie Google, Amazon, Alibaba oder Facebook. Die Sparkasse zählen die Betreiber nicht zu ihren Wettbewerbern.

2019 ist nun also der Eintritt in die USA geplant. In den nächsten Jahren will die Bank auf 50 bis 100 Millionen Kunden kommen. Heute sind es 2,3 Millionen.

Ein hoch gestecktes Ziel. ---

Patrick Stähler, 50, ist Gründer des Thinktanks Fluidminds und erforscht seit 1997 digitale Geschäftsmodelle.

Jan Evers, 50, ist Gründer von Evers & Jung und einer der Köpfe hinter www.gruenderplattform.de