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Der lange Kampf ums Klima

Selten ist eine gesellschaftliche Debatte so aus dem Ruder gelaufen wie die um die Erderwärmung. Ein Rückblick zeigt, wie Wissenschaftler, Journalisten und Politiker aus ihren Rollen fielen.





• Am 27. März 1958 ereignete sich, was heute gern als Startschuss der Klimaforschung bezeichnet wird: Auf dem Gipfel des Vulkans Mouna Loa auf Hawaii, wo die Luft aufgrund der Ferne von Vegetation und menschlicher Zivilisation besonders rein ist, begann auf Initiave des amerikanischen Chemikers Charles David Keeling die kontinuierliche Messung des Gehalts an Kohlenstoffdioxid (CO2).

Wie Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre wirkt, wusste man damals schon, der französische Physiker Joseph Fourier hatte den Treibhauseffekt bereits 1824 theoretisch beschrieben: Ein Gasschleier in der Luft lässt die von der Sonne kommenden Lichtstrahlen passieren, hält aber zugleich die von der Erde reflektierten Wärmestrahlen zurück. Es kommt zu einem Wärmestau, ohne den, wie man heute weiß, es auf der Erde rund 30 Grad Celsius kälter wäre.

Keeling wollte wissen, wo das bei der Verbrennung von Kohle, Gas und Öl freigesetzte CO2 blieb und wie viel davon das Meer aufnahm. 1960 wies er darauf hin, dass die Konzentration des Treibhausgases von Jahr zu Jahr stieg, und als sich der Trend in den Siebzigern bestätigte, wandten sich viele Naturwissenschaftler der Klimaforschung zu.

Lange taten sie es, ohne viel Aufsehen zu erregen. Ab Mitte der Neunzigerjahre aber standen sie im Zentrum einer hitzigen Debatte, die durch Diffamierungen, Bestechung und sogar Morddrohungen befeuert wurde. Auffällig ist, dass nicht nur über die politischen Konsequenzen der wissenschaftlichen Erkenntnisse gestritten wurde, sondern dass Medien und – vor allem in den USA – auch Politiker die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse selbst anzweifelten. Um zu verstehen, wie es dazu kam, hilft es, sich die spezifischen Eigenlogiken der verschiedenen Parteien vor Augen zu führen.

Die Wissenschaft sucht nach allgemeinen Erkenntnissen; einzelne Forscher streben aber auch nach Publicity, was riskant ist, denn sie gefährden damit ihr höchstes Gut, ihre Glaubwürdigkeit.

Die Medien springen auf das Besondere, von der Norm Abweichende an. Sie mögen Kontroversen und skandali-sieren gern. Ist ein Thema eine gewisse Zeit in der Welt, werden Gegenthesen automatisch interessant.

Die Politik in demokratischen Gesellschaften reagiert auf Trends, Druck von Interessengruppen und die (vermutete) öffentliche Meinung.

Die folgende Rekonstruktion der Debatte legt besonderes Augenmerk auf vier Klimaforscher:

Klaus Hasselmann, heute 87 Jahre alt und erster Direktor des 1974 gegründeten Max- Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg, gilt als Vater der Fingerabdruck-Methode. Dank ihr kann man zwischen dem natürlichen und dem menschlichen Einfluss auf die Erderwärmung unterscheiden.

Der US-amerikanische Klimatologe Michael Mann, 53, wurde Ende der Neunzigerjahre zu einem der prominentesten Vertreter der Klima- wissenschaft – und zur bevorzugten Zielscheibe derer, die den Einfluss des Menschen anzweifelten.

Der Ozeanograf Stefan Rahmstorf, 59, fiel in der Öffentlichkeit durch seine Fehden mit Journalisten auf.

Zu seinen Widersachern gehört auch Hans von Storch, 69. Der Forscher warf Rahmstorf und anderen Kollegen Alarmismus vor, wurde so unfreiwillig zum Kronzeugen der sogenannten Klimaskeptiker.

Die Chronik beginnt mit einem Ereignis, das signalisiert, dass das Thema kein rein wissenschaftliches mehr war:

12. Februar 1979

In Genf treffen sich Wissenschaftler, Vertreter von Regierungen und anderen Organisationen aus 53 Nationen zur ersten Weltklimakonferenz. Der Grund: Einige Klimatologen sind aufgrund der Messungen auf Mauna Loa besorgt. Die Konferenz endet mit einer Deklaration: „Die Nationen der Welt (…) müssen alles dafür tun, einen menschengemachten Wandel des Klimas, der das Wohlbefinden der Menschheit gefährden könnte, vorauszusehen und zu verhindern.“

22. Februar 1980

Eine interdisziplinäre Arbeitskonferenz im hessischen Bad Sooden-Allendorf spricht „Empfehlungen zu einem nationalen Klimaprogramm“ aus. Leiter der Konferenz ist der Meteorologe Klaus Hasselmann. Seine Haltung: Man muss erst verstehen, welche natürlichen Faktoren auf das globale Klima einwirken, bevor man einen zusätzlichen von Menschen gemachten Effekt ernsthaft behaupten kann.

22. Januar 1986

Ganz anders der Arbeitskreis Energie der Deutschen Physikalischen Gesellschaft: Er warnt bei einer Pressekonferenz in Bonn vor einer „drohenden globalen Klimakatastrophe“. Niedrig liegende Küstengebiete in den Niederlanden und Norddeutschland könnten überflutet werden. Die Politik müsse die CO2-Emissionen drastisch reduzieren – vor allem durch den Ausbau von Atom- und Sonnenergie.

Zahl der jährlichen UN-Klimakonferenzen 25
Teilnehmer insgesamt 300.000
Weltweiter CO2-Ausstoß aus fossilen Brennstoffen, in Milliarden Tonnen im Jahr  
1995 23,0
2018 37,1

11. August 1986

Der »Spiegel« greift die Warnung auf. Die Titelseite zeigt den Kölner Dom, zur Hälfte unter Wasser. Unter dem Bild steht die Zeile: Die Klima-Katastrophe.

30. Juli 1988

Auch die »Süddeutsche Zeitung« schlägt Alarm, berichtet über die „nun drohende Klima-Katastrophe“, die zu ignorieren „letztlich zum Untergang der Menschheit“ führe.

6. Dezember 1988

Auf der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York wird das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) offiziell begründet. Das Expertengremium, hierzulande Weltklimarat genannt, soll fortlaufend den wissenschaftlichen Kenntnisstand zum Klimawandel darlegen.

19. März 1989

In der »New York Times« erscheint ein Gastbeitrag des demokratischen Senators Al Gore. Wie in den Dreißigerjahren, als man in Europa nicht habe wahrhaben wollen, was sich in Hitler-Deutschland anbahnt, verschlössen die politischen Führer heute die Augen vor einem „Umwelt-Holocaust“, schreibt Gore.

30. August 1990

Der erste IPCC-Sachstandsbericht hält es für unstrittig, dass die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre durch menschliche Aktivitäten erhöht wird. Soll die globale Temperatur nicht noch weiter steigen, müsse die Emission der Treibhausgase umgehend reduziert werden.

15. Dezember 1995

Der zweite IPCC-Bericht erscheint. 2500 Wissenschaftler haben daran gearbeitet. Die Prognose: Die mittlere Temperatur auf der Erde wird bis zum Jahr 2100 um 1 bis 3,5 Grad Celsius ansteigen.

23. Juni 1997

Die Redaktionen der internationalen Presse erhalten eine Mitteilung mit erstaunlichen Zitaten des IPCC-Vorsitzenden Bert Bolin: Die auf den Menschen zurückzuführenden Temperatursteigerungen seien so klein, dass man sie kaum nachweisen könne – ein klarer Widerspruch zum jüngsten IPCC-Bericht.

Die Pressemitteilung entpuppt sich als Teil einer von Erdöl- und Autokonzernen gestarteten Kampagne, die Zitate gaben Bolin falsch wieder. Zur Verhinderung von Klimaschutz-Maßnahmen investieren die Konzerne in Thinktanks und pseudowissenschaftliche Institute in den USA. Deren Aufgabe: wissenschaftliche Ergebnisse zum Klimawandel öffentlich in Zweifel ziehen und führende IPCC-Forscher diskreditieren. Bolin dementiert die ihm zugeschriebenen Zitate umgehend, doch ein gewisser Zweifel ist gesät.

25. Juli 1997

Die US-Kampagne scheint auch in Deutschland zu fruchten: Ein Artikel in der »Zeit« prangert nicht nur die Hysterie der Klimaforscher an, sondern stellt den menschengemachten Treibhauseffekt grundsätzlich infrage. Auch »FAZ«, »Welt« und »Handelsblatt« zweifeln die IPCC-Prognosen an und betonen die Unsicherheiten in den Klimamodellen.

1. August 1997

Klaus Hasselmann veröffentlicht in der »Zeit« eine Replik. Kernaussage: „Eine Klimaänderung dieser Größe und Geschwindigkeit hat die Menschheit noch nicht erlebt.“

November 1997

Im Namen des Umweltvereins WWF rufen Klimaforscher anlässlich der bevorstehenden UN-Konferenz in Kyoto Hunderte Kollegen per E-Mail zur Unterzeichnung eines Appells an die Politiker auf. Derartige politische Aufrufe seien ähnlich „unehrenhaft“ wie die Propaganda der Skeptikerlobby, empört sich der US-Klimatologe Tom Wigley in einer E-Mail an seine Kollegen.

11. Dezember 1997

Die teilnehmenden Industrieländer verpflichten sich auf der Konferenz in Kyoto, ihren jährlichen Treibhausgas-Ausstoß von 2008 bis 2012 um durchschnittlich 5,2 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren.

15. März 1999

Der Klimatologe Michael Mann und zwei Kollegen veröffentlichen eine Studie mit den Temperaturdaten der nördlichen Erdhalbkugel aus 1000 Jahren. Daraus ergibt sich ein Diagramm, das wie ein Hockeyschläger aussieht. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts verläuft die Temperaturkurve leicht abschüssig; als die Menschen begannen, verstärkt Kohle, Öl und Gas zu verbrennen, steigt sie steil an. Plakativer kann der Einfluss des Menschen auf das Klima nicht zum Ausdruck kommen. Mann tritt fortan in den wichtigsten Nachrichtensendungen der USA auf.

1. Oktober 2001

Das Hockeyschläger-Diagramm ist ein zentrales Motiv im dritten IPCC-Bericht. Es gibt darin zwar mehrere Rekonstruktionen der Temperaturentwicklung, aber keine ist so eindeutig wie die von Mann. Nur sie erscheint in der wichtigen „Zusammenfassung für Politiker“, mit der alle IPCC-Berichte enden. Die Prognose für den Temperaturanstieg liegt höher als die von 1995: Man erwartet nun bis zum Jahr 2100 eine Erwärmung um 1,4 bis 5,8 Grad Celsius.

4. Oktober 2004

„Die Kurve ist Quatsch“, sagt Hans von Storch im »Spiegel«. Gemeint ist Manns Hockeyschläger-Diagramm. Von Storch hat es überprüft. Nach seinen Berechnungen pendelten die Temperaturen schneller und stärker und waren vor rund 900 Jahren schon einmal annähernd so hoch wie heute. Das ändere aber nichts am menschengemachten Treibhauseffekt: Auch seine Daten zeigten einen klaren Erwärmungstrend in den vergangenen 150 Jahren.

22. Oktober 2004

Von Storch veröffentlicht seine Kritik an dem Hockeyschläger-Diagramm in der Fachzeitschrift »Science«. Von Lobbyisten aus den USA erhält er daraufhin ein konkretes Angebot: 10 000 Dollar, wenn er sich in einem Aufsatz gegen die im Kyoto-Protokoll beschlossene Emissions-Reduzierung positioniert. Er lehnt ab.

4. Januar 2005

Im US-Senat bezeichnet der republikanische Senator James Inhofe den Klimawandel als größte Ente, die man den Amerikanern jemals aufgetischt habe. Als Beleg zitiert er unter anderem Hans von Storchs Artikel.

24. Januar 2005

Von Storch hat keinen Zweifel am Klimawandel, er wirft den führenden IPCC-Wissenschaftlern aber Dramatisierung vor. In einem Gastbeitrag im »Spiegel« schreibt er: „Das Verschweigen von Dissens und Unsicherheit zugunsten einer politisch guten Sache verbraucht Glaubwürdigkeit, denn die Öffentlichkeit ist aufgeklärter als gewöhnlich unterstellt.“

10. Februar 2005

Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf wehrt sich in der »Zeit« gegen die Kritik und wirft von Storch vor, den Hunger der Medien nach markigen Thesen zu bedienen. Das eigentliche Problem bestehe darin, dass Journalisten von den Wissenschaftlern vor allem Katastrophenwarnungen hören wollen. Rahmstorf erwähnt, dass er Journalisten vor einem Interview „klassische Medienirrtümer“ zum Klimawandel zur Pflichtlektüre gebe. Jene, die dann trotzdem noch übertreiben, täten es bewusst. „Solche Leute kommen auf eine schwarze Liste.“

16. Februar 2005

Sieben Jahre nach seiner Verabschiedung tritt das Kyoto-Protokoll in Kraft – allerdings ohne die USA. Die hatten sich schon 2001 ausgeklinkt.

23. Juni 2005

Der texanische Republikaner und Vorsitzende des Energie- und Handelsausschusses im US-Kongress, Joe Barton, schreibt einen Brief an Michael Mann, in dem er ihn auffordert, Details über die Finanzierung aller seiner Studien zum Klimawandel offenzulegen.

Juni 2006

Der nationale Forschungsrat der USA legt einen Bericht vor, der die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Temperaturverlauf der vergangenen 2000 Jahre zusammenträgt. Die Initiative zu diesem Bericht war vom US-Repräsentantenhaus ausgegangen, um den Disput über das Hockeyschläger-Diagramm zu entscheiden. Der Forschungsrat weist auf Defizite von Manns Methodik hin, bestätigt jedoch den inhaltlichen Kern seiner Kurve: Es sei plausibel, dass die Nordhalbkugel während der vergangenen Jahrzehnte wärmer war als in allen vergleichbaren Zeitabschnitten des vorherigen Millenniums.

28. Juli 2006

»Spiegel Online« stellt die Vorgänge im US-Kongress so dar, als sei Michael Mann der große Verlierer: Die Prüfkommission habe dessen „unsaubere Arbeit“ gegeißelt.

1. August 2006

Stefan Rahmstorf veröffentlicht auf seinem Blog einen offenen Brief an den Chefredakteur von »Spiegel Online«, der mit den Worten endet: „Ob es sich lediglich um eine erstaunliche Serie grober Fehler oder aber um gezielte Desinformation handelt, möchte ich Ihrer Einschätzung überlassen.“

12. Oktober 2006

Der Dokumentarfilm „Eine unbequeme Wahrheit“ feiert Deutschland-Premiere. Er stellt Al Gores Sicht auf die Klimaforschung dar. Mit Unterstützung vom WWF wird er in etlichen Schulen vorgeführt. In den USA führt der Film dazu, dass 84 Prozent der Bevölkerung die Erderwärmung für eine Bedrohung halten. Weltweit löst er bei Kritikern, die sich als Klima-Skeptiker bezeichnen, Empörung aus, in England reicht ein Vater Klage ein, um zu verhindern, dass er im Unterricht gezeigt wird.

2. Februar 2007

Der vierte IPCC-Bericht prognostiziert einen Temperaturanstieg bis 2100 um 1,1 bis 6,4 Grad. Schon heute seien Auswirkungen des Klimawandels erkennbar: das Schmelzen von Schnee und Eis, der Anstieg des Meeresspiegels, die Zunahme der mittleren Luft- und Meerestemperatur.

3. Februar 2007

Die »Bild« titelt: „Unser Planet stirbt!“

10. Oktober 2007

Ein britisches Gericht urteilt, dass „Eine unbequeme Wahrheit“ weiterhin an Schulen gezeigt werden darf – allerdings mit Hinweisen. An neun Stellen gehe der Film über den wissenschaftlichen Konsens hinaus. Im Wesentlichen basiere er aber auf Fakten.

12. Oktober 2007

Al Gore und der IPCC werden für ihren Einsatz gegen die globale Erderwärmung mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

17. November 2009

Unbekannte haben den Server der Climatic Research Unit (CRU) der britischen University of East Anglia gehackt. Im Internet kann nun jeder mehr als tausend E-Mails der IPCC-Forscher einsehen. In einer schreibt der CRU-Direktor Philip Jones, dass er Michael Manns „Trick“ angewandt habe, „um die Temperaturabnahme zu verstecken“. In anderen E-Mails tauschen sich die Wissenschaftler darüber aus, wer zum Team gehöre und wem man besser nicht vertrauen solle. Der amerikanische Sender Fox News spricht vom „Waterloo der globalen Erwärmung“. Jones erhält Morddrohungen. Er bestreitet jede Art der Manipulation, tritt aber von seinem Posten zurück. Einer Zeitung gesteht er Gedanken an Selbstmord.

24. November 2009

26 IPCC-Klimatologen, darunter Michael Mann und Stefan Rahmstorf, fassen in der „Kopenhagen-Diagnose“ den aktuellen Forschungsstand zusammen: Bis 2100 werde die mittlere Lufttemperatur um 2 bis 7 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit steigen. Für heutige Gesellschaften sei es schwierig, mit den Umwälzungen infolge einer Erwärmung von mehr als zwei Grad Celsius fertig zu werden. Um unter dieser Grenze zu bleiben, müssten die CO2-Emissionen bis 2020 im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent gesenkt werden.

18. Dezember 2009

Die UN-Klimakonferenz in Kopenhagen geht zu Ende, ohne dass die teilnehmenden Regierungschefs ein verpflichtendes Abkommen verabschieden.

12. April 2010

Ein wissenschaftlicher Prüfungsausschuss in Großbritannien spricht Philip Jones von allen Vorwürfen frei. Der in den gehackten E-Mails erwähnte „Trick“ diente demnach der Lösung eines statistischen Problems, nicht der Manipulation von Daten. In den USA wird auch Michael Mann nach sorgfältiger Überprüfung im Juli 2010 entlastet. Das ändert nichts daran, dass 50 Prozent der Amerikaner in Umfragen angeben, ihr Vertrauen in die Klimawissenschaft sei erschüttert.

August 2010

Michael Mann öffnet in seinem Büro einen Brief. Weißes Pulver rieselt heraus. Die Polizei evakuiert das Gebäude, das FBI ermittelt. Das Pulver stellt sich als Mehl heraus. Es wird nicht die letzte Drohung bleiben. Auf dem Universitätscampus wird gegen ihn demonstriert, seine Vorlesungen werden gestört.

9. Februar 2011

Stefan Rahmstorf wird vom Landgericht Köln zur Unterlassung bestimmter Aussagen verurteilt. Er hatte sich über eine freie Journalistin beschwert, die in der »Frankfurter Rundschau« einen IPCC-Bericht kritisiert hatte. Die Zeitung zog daraufhin den Artikel zurück, was Rahmstorf in seinem Blog kommentierte. Die Autorin hätte den Bericht nicht gelesen, habe aus unlauteren Quellen abgeschrieben und ihn gebeten, sie in seinem Blog nicht namentlich zu erwähnen. Nach diesem Kommentar verklagte ihn die Journalistin. Ergebnis: Das Gericht sieht in den letzten beiden Punkten die Persönlichkeitsrechte der Autorin verletzt. Es stellt aber auch fest, dass sich die mediale Kritik an dem IPCC-Bericht, um deren Aufklärung sich Rahmstorf bemüht hätte, „jedenfalls teilweise als unzutreffend herausgestellt“ hat.

2. November 2014

Laut fünftem IPCC-Bericht müssen die Treibhausgasemissionen bis 2050 im Vergleich zu 2010 um 40 bis 70 Prozent fallen, will man mit finanziell vertretbarem Aufwand das Zwei-Grad-Ziel einhalten. Bis zum Jahr 2100 müsse die fossile Energieproduktion „nahezu vollständig“ eingestellt sein.

12. Dezember 2015

Bei der UN-Klimakonferenz in Paris beschließen 196 Staaten, darunter auch die USA und China, einen bindenden Vertrag, um die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Laut Übereinkommen soll jedes Land selbst bestimmen, um wie viel Prozent es seine Emissionen von Treibhausgasen reduzieren möchte.

4. August 2017

Der US-Präsident Donald Trump kündigt den Austritt der USA aus dem Pariser Klimavertrag an. Er wird im November 2020 wirksam.

7. September 2018

Die britische Rundfunkanstalt BBC erlässt eine Richtlinie, derzufolge es für eine ausgewogene Berichterstattung keine Stimmen brauche, die den menschengemachten Treibhauseffekt leugnen. Forscher hatten schon lange beklagt, dass Medien vor allem in Großbritannien und den USA der Ausgewogenheit wegen sogenannte Klima-Skeptiker paritätisch zu Wort kommen ließen, obwohl diese in aller Regel nie eigene Studien zum Thema veröffentlicht hatten. Dadurch sei der falsche Eindruck entstanden, die Wissenschaft sei gespalten.

29. November 2018

Die Weltorganisation für Meteorologie berichtet: Die CO2-Werte der Atmosphäre haben ein neues Rekordhoch erreicht. Das Jahr 2018 wird zu den wärmsten der Geschichte gehören. In 20 der vergangenen 22 Jahre wurden somit neue Wärmerekorde erreicht.