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Markenkolumne: Baumschule Lorenz von Ehren

Die Baumschule Lorenz von Ehren zählt zu den führenden Europas. Ihren guten Namen verdankt sie vor allem einer Tugend: Geduld.





• Es ist ein sonniger Februartag, die Temperatur in der Baumschule am südlichen Rand Hamburgs steigt bis auf 14 Grad Celsius. „Viel zu warm“, klagt Bernhard von Ehren, der Geschäftsführer. Zu dieser Jahreszeit sollte es kalt sein, dann lassen sich Bäume am besten verpflanzen. Wird es früh warm, gerät der gewohnte Rhythmus des Betriebs aus dem Takt.

Die globale Erwärmung ist ein großes Thema für den 46-Jährigen, der die Firma in fünfter Generation führt: „Unsere Pflanzen haben uns schon früh gezeigt, was sich da verändert.“ Diese Erkenntnis will er auch seinen Kunden – das sind vor allem Gartenbau- und Landschaftsarchitektur-Betriebe – nahebringen. Und hat dazu eigens einen sogenannten Klimabaum-Hain angelegt. Mit Arten, die der Hitze trotzen wie der ursprünglich in Asien beheimatete Dreispitz-Ahorn, der Tulpenbaum aus Nordamerika oder der Persische Eisenholzbaum.

Auf dem Gelände, das fast so groß ist wie das des Hamburger Flughafens, ist gerade eine Besuchergruppe aus Russland unterwegs. „Viele Kunden suchen sich ihre Pflanzen persönlich aus“, sagt der Chef. Die Auswahl reicht von heimischen Obstbäumen bis zu Exoten wie Ginkgos und den derzeit beliebten Amberbäumen, deren große Blätter sich im Herbst hübsch verfärben.

Von Ehrens Spezialität sind reife Gewächse. Wer nicht warten will, bis ein Setzling im heimischen Garten groß wird, der kann sich bei von Ehren sozusagen Zeit kaufen – je mehr, desto teurer. Denn der gärtnerische Aufwand summiert sich: Die Bäume werden regelmäßig in Form gebracht, gedüngt, vom Baumdoktor untersucht und etwa alle vier Jahre „verschult“, also ausgegraben, an den Wurzeln beschnitten und anderswo wieder eingegraben. So entwickeln sich feine Faserwurzeln, die Bäume bis ins hohe Alter mobil machen. Das älteste verpflanzbare Exemplar ist eine 200 Jahre alte Eibe.

Baumschulen gedeihen gut in Regionen wie Norddeutschland mit nicht zu kalten Wintern, nicht zu warmen Sommern und ausreichend Niederschlag. Von Ehren hat diese klimatische Nische clever genutzt und sich als Premium-Produzent positioniert. Bäume aus der Firma stehen unter anderem am Hamburger Jungfernstieg, im Berliner Regierungsviertel und nahe der Tower Bridge in London.

Der Trend zur begrünten Stadt kommt dem Unternehmen zupass. Gern zitiert der Chef eine jüngst veröffentlichte Studie der dänischen Universität Aarhus, der zufolge Kinder, die in der Nähe von Wiesen, Wäldern oder Parks aufwachsen, später sel-tener psychisch krank werden. Und auch Esoterik bemüht man in der Traditions-firma zu Marketingzwecken; der Besucher bekommt ein Baumhoroskop mit, in dem passende Begleiter angepriesen werden. Für Mitte August Geborene wäre das der Zürgelbaum, über den es heißt: „Er ist auch in der Partnerschaft anspruchsvoll und auf der Suche nach einem Menschen, für den er sorgen kann.“ ---

Der Gärtner Johannes von Ehren macht sich 1865 im Hamburger Elbvorort Nienstedten mit einer Baumschule selbstständig. Und profitiert bald vom Drang bürgerlicher Kreise, Gärten und Parks mit Pflanzen zu verschönern, die etwas hermachen. Der Gründer weitet sein Geschäft rasch aus, beliefert bereits 1868 Kopenhagen, 1875 Tilsit und 1880 Wladiwostok. 1898 übernimmt sein Sohn Lorenz von Ehren den Betrieb. Er macht sich mit dem Verkauf großer Gewächse einen Namen – und benennt die Firma stolz nach sich. Die Expertise im Umgang mit ausgewachsenen Pflanzen wird zum Markenzeichen der Baumschule, sie überdauert die Krisen und Kriege des 20. Jahrhunderts. Im Jahr 1970 übernehmen die Brüder Lorenz und Bernd von Ehren die Führung, machen in Bad Zwischenahn eine Zweigstelle auf, verlegen den Hamburger Betrieb Anfang der Neunzigerjahre auf die südliche Elbseite und setzen dort auf moderne Technik. Später kommt es zu Streitigkeiten zwischen beiden Familienteilen. Gelöst wird das Problem durch die Wella-Erben Ströher, deren Family Office die Mehrheit der Baumschule übernimmt. Lorenz von Ehren wird ausgezahlt, Bernds Sohn Bernhard führt das Geschäft weiter. Die Ströhers reden ihm nicht hinein – denn die Rendite stimmt.

Baumschule Lorenz von Ehren GmbH & Co. KG

Mitarbeiter (2018): circa 160, Umsatz: rund 25 Millionen Euro