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Tattoo-Entfernung

Ein Schweizer will auf schmerzfreie Weise Tattoos entfernen.





• Jeder zehnte Deutsche ist tätowiert – in den USA jeder Dritte. Rund ein Viertel dieser Amerikaner will sein Tattoo wieder loswerden (in Deutschland sind es elf Prozent). Laut Schätzungen wird der Umsatz mit Tattoo-Entfernungen in den kommenden zwei Jahren auf fast drei Milliarden Dollar steigen. Das ungeliebte Arschgeweih oder der in den Arm gestochene Name der Ex-Freundin sind ein lukratives Geschäft.

Robertino Engel hat kein Tattoo. Der promovierte Sportwissenschaftler aus Zürich kennt das Problem aber von Freunden. Und er kennt sich mit Pflastern aus. Denn Engel arbeitet bei Nolax, einem Inkubator mit Wurzeln in der Klebstoffindustrie. Eigentlich sollte Engel dort Start-ups aufbauen. Nebenher beschäftigte er sich aber auch mit Pflastern, die mit Mikronadeln gespickt sind, durch die Wirkstoffe in die Haut abgegeben werden können. Solche Pflaster werden in der Medizin schon seit rund 15 Jahren entwickelt.

Irgendwann dachte Engel: Wenn man durch die Nadeln eine chemische Substanz injizieren würde, die Tattoos auflösen könnte, wäre das eine feine Sache.

So entwarf er ein erstes Probe-Pflaster. Es hat auf einem Quadratzentimeter Fläche neun hauchdünne Hohlnadeln, die je einen Millimeter lang und an der Spitze 40 Mikrometer fein sind und sich in die Haut stechen, ohne dass sie Schmerzen verursachen. Durch die Nadeln werden kleine Mengen Säure, zum Beispiel Milchsäure, in die zweite Hautschicht eingebracht, in der die Farbpigmente einer Tätowierung eingekapselt sind. Die Pigmente lösen sich und können zusammen mit der Säure über einen Schlauch mit leichtem Unterdruck abgesaugt werden. Das Absaugen dauert mehrere Stunden, da der Druck nicht zu groß werden darf.

Die bislang übliche Methode zur Tattoo-Entfernung dauert dagegen oft Monate. Ein Laser mit hoher Energie zerlegt die Pigmente in Kleinstteile, die dann vom Immunsystem abtransportiert werden. Die Partikel verbleiben aber im Körper und sammeln sich in den Lymphknoten. Oft benötigt man 10 bis 15 teure und schmerzhafte Sitzungen, um ein Tattoo zu entfernen. Dazwischen muss sich die Haut immer wieder über Wochen regenerieren.

Engel hat seine Erfindung zusammen mit Ärzten und Medizintechnikern entwickelt und dann erfolgreich am Institut für Medizin der Universität Bern an einem tätowierten Stück Schweinehaut getestet.

Im nächsten Schritt will er nun rund 10 000 Nadeln unterschiedlicher Länge auf einem Pflaster unterbringen. Er hat ein weltweites Patent angemeldet und unter dem Dach von Nolax das Start-up Tarasa gegründet. Für die weitere Entwicklung sucht er einen Partner aus der Industrie. Später sollen die Pflaster bei geschulten Dermatologen zum Einsatz kommen. ---

Kontakt:

Robertino Engel
robertino.engel@nolax.com

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Dieser Artikel stammt aus dem brand eins Magazin zum Schwerpunkt Digitalisierung.

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