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Helbing

Hamburg hat kaum kulinarische Spezialitäten zu bieten. Umso stolzer ist man dort auf den mehr als 180 Jahre alten Kümmelschnaps Helbing – eine liebevoll gepflegte regionale Marke.





• Tina Ingwersen-Matthiesen, Geschäftsführerin von Borco mit Sitz in einem Hamburger Gewerbegebiet nahe der A7, empfängt in einem Konferenzraum mit Bar, wo all die Spirituosen stehen, die das Unternehmen herstellt oder hierzulande vermarktet: Yeni Raki, Finsbury Gin und vor allem Sierra Tequila. Die wenig bekannte Familienfirma hat ein Gespür für Trends – und wesentlich dazu beigetragen, dass Deutschland heute der drittgrößte Markt für Agaven-Schnaps ist. Aus dem Portfolio sticht eine einzige Marke mit heimatlichem Flair heraus: der Helbing Kümmel – „unser Hamburger Juwel“, wie die promovierte Psychologin ihn rühmt.

Der Schnaps (niederdeutsch: Köm) ist an der Elbe außerordentlich beliebt. Er wird sowohl bei Empfängen im Rathaus, in Sterne-Restaurants als auch in Kneipen getrunken. Die älteste Spirituose der Hansestadt hat sich gut gehalten, weil ihre Eigentümer der Versuchung widerstanden, an der Marke herumzupfuschen.

Das – selbstverständlich geheime – Rezept sei „seit 1836 unverändert“, versichert die 45-jährige Chefin. Und auch am Look der Flasche mit dem Hamburger Wasserträger Hummel als Symbolfigur hat sich seit Jahrzehnten wenig geändert.

Helbing ist mit einem Marktanteil von knapp 66 Prozent der Platzhirsch unter den Kümmeln. Hierzulande werden jährlich rund eine Million Flaschen aus Hamburger Produktion abgesetzt. Auch in Übersee hat der Klare Fans. So hätten Bartender in Schanghai den Helbing entdeckt, „weil er auch dort wegen seiner Milde gut ankommt“, sagt Ingwersen-Matthiesen. In seiner Heimatstadt wird er bislang vor allem klassisch promoted: mit Matjes- und Grünkohl-Festivals und norddeutschen Größen wie Otto Waalkes und Carlo von Tiedemann.

Nun aber peilt die Firma verstärkt eine jüngere Klientel an. So hat man Barkeepern Drinks wie Helbing Tonic (statt Gin Tonic) sowie solche mit Basilikum oder Ginger Beer schmackhaft gemacht. Fans der Marke können dies mit Helbing-Shirts, -Hoodies und -Mützen demonstrieren. Und selbstverständlich ist der Kümmel auch in den sozialen Medien präsent. Dies allerdings auf traditionell hanseatische Weise: Die Follower auf Facebook werden entgegen den dortigen Usancen – gesiezt. ---

Der im Siebenjährigen Krieg zu Reichtum gekommene Kaufmann Heinrich Carl Schimmelmann, stolzer Eigentümer des Guts Ahrensburg bei Hamburg, heuert 1759 Samuel Ernst Helbing an, einen begabten Brenner aus Dresden. Dessen Aufgabe: Er soll einen typisch norddeutschen Schnaps kreieren. Ergebnis ist ein blumiger Kümmel mit nur 35 Prozent Alkohol, der auch in der Damenwelt ankommt. Aus diesen Anfängen entwickelt sich die 1836 in Wandsbek gegründete Helbingsche Dampfkornbrennerei zu Deutschlands größter Spirituosenfirma. Bei der Weltausstellung in Paris im Jahr 1899 lernt ein internationales Publikum den hanseatischen Schnaps kennen. Weil die Helbings viel über Hefe wissen – ein Grundstoff zur Herstellung von Alkoholika –, wird die Hefeproduktion zu einem zweiten lukrativen Standbein. All diese Geschäfte gehen durch mehrere Hände und landen irgendwann beim Henkel-Konzern. Der kann mit dem Hamburger Kümmel wenig anfangen und verkauft Helbing 1974 an das Familienunternehmen Borco, das eigentlich auf ausländische Marken setzt. Den neu erworbenen Klassiker pflegt die Firma aber hingebungsvoll und ergänzt ihn 2015 durch eine Premium-Variante: Helbing Aquavit, dem Zeitgeist entsprechend „100 Prozent bio“.

Borco-Marken-Import Matthiesen GmbH & Co. KG

Mitarbeiter (2018): ca. 185; Umsatz: rund 300 Mio. Euro

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Dieser Artikel stammt aus dem brand eins Magazin zum Schwerpunkt Digitalisierung.

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