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Digitalisierung in der Altenpflege

Digitale Technik in Alteneinrichtungen ist für viele eine Schreckensvision. Tatsächlich kann sie das Leben unterhaltsamer machen und den Pflegern die Arbeit erleichtern. Zwei Beispiele.





Nicht nur Teenager spielen gern am Computer

• Wenn sie wieder einmal reisen will, setzt sich Maria Hertwig in einen schmalen, bordeauxroten Ledersessel in die Cafeteria. Es soll an den Ort gehen, der für die 94-Jährige immer verschwommener wird, seit sie dement ist und im Caritas-Altenzentrum St. Maternus in Köln-Rodenkirchen lebt. Der Ort, um den es geht, sind ihre Erinnerungen.

Um dorthin zu gelangen, muss sie eine Maske aufsetzen, so nennt sie die Apparatur, die in Wirklichkeit eine Virtual-Reality-Brille ist. Alexandra Kasper, die als Sozialbetreuerin in der Einrichtung arbeitet, hilft ihr dabei. Sie nimmt das rechteckige schwarze Gerät in die Hand, schiebt die angeschlossenen Kabel zur Seite und zieht es über Maria Hertwigs Dauerwelle. Es sieht aus, als trüge sie eine überdimensionale Sonnenbrille mit Kopfschutz. Alexandra Kasper drückt auf einen Knopf am Computer.

Was Maria Hertwig nun durch ihre Brille sieht, kann Kasper auf dem angeschlossenen Flachbildschirm mitverfolgen: Köln aus der Vogelperspektive, ein 360-Grad-Rundblick auf ihre Heimat. Rheinbrücken, Straßenzüge, Plätze, überall Vertrautes, die alte Frau ist begeistert.

Sie befindet sich jetzt vor der Wohnung, in der sie ihre Kindheit verbracht hat, ein grau verputztes Mehrfamilienhaus, nicht weit weg vom Kölner Südstadion. Erinnerungen steigen in ihrem Gedächtnis auf: der Schulweg, ihre Kommunion, heulende Sirenen und Luftschutzbunker im Krieg, Lieder wie „Am Dom zo Kölle“. „Ich kann noch gut denken“, sagt Maria Hertwig, obwohl sie dement ist.

Alexandra Kasper nennt diese virtuellen Reisen Biografie-Arbeit. Das Leben, die Geschichte der Bewohner, soll in Erinnerung gerufen und wieder zum Vorschein gebracht werden. Eine Kindheit auf dem Land? Oder in der Stadt? Wo lag die Schule? Der Arbeitsplatz?

„Die Bewohner fühlen sich wohl und werden kommunikativ“, sagt Kasper. „Es ist von Vorteil, viel über ihr Leben, über die individuellen Erlebnisse und Eigenarten zu erfahren. Je mehr ich weiß, desto besser kann ich auf jeden einzelnen eingehen.“

Digitale Technik soll ihr dabei helfen. Virtual-Reality-Brillen, Sprachassistenten oder Anrufe übers Internet – diese Dinge finden in Deutschland allmählich auch ihren Weg in die Altenpflege. 2013 galt die Branche laut einer Studie der Prognos AG für Bayern noch als am wenigsten digitalisiert, direkt nach der Fischerei und Aquakultur, heute haben Altenheime Facebookprofile und Sensoren in Fußmatten und Matratzen, die im Notfall Alarm auslösen. Es gibt Experten, die bereits voll vernetzte Heime vorhersagen mit Robotern, die über Flure surren, vorbei an Rollatoren und Rollstühlen. Die nicht nur Essen bringen und Müll abholen, sondern auch Bewohner umbetten und waschen. Internet of Things und Big Data für den Lebensabend.

„Wir müssen nicht darüber reden, ob Digitalisierung in der Altenpflege passieren wird, sondern wie“, sagt Alexandra Kasper. Sie glaubt, dass beide Seiten davon profitieren können: die Bewohner, weil die Technik neue Möglichkeiten bietet – Aktivität und Unterhaltung –; das Personal, weil dessen Arbeit dadurch sicherer und attraktiver wird.

Es gibt kaum einen Beruf, der so ein schlechtes Image hat wie die Altenpflege, kaum eine Branche, in der so viele Fachkräfte gesucht werden. Bis 2030, schätzt das Bundesgesundheitsministerium, wird die Zahl der Pflegebedürftigen von 3,4 Millionen im Jahr 2017 auf mehr als vier Millionen steigen, aber nur etwa jeder vierzigste Schüler zwischen 14 und 18 Jahren kann sich vorstellen, Altenpfleger zu werden.

Im St. Maternus Altenzentrum sind die Bewohner durchschnittlich 80 Jahre alt. Der rote Backsteinbau, ursprünglich aus den Fünfzigerjahren, wurde vor zwei Jahren durch zwei moderne Gebäudeflügel erweitert, sie sind durch einen verglasten Flur miteinander verbunden. In manchen Fluren baumeln aus Rigipsplatten noch Kabelenden. Der Umbau hat fast 13 Millionen Euro gekostet. Das Heim hat Platz für 117 Senioren, sie haben Einzelzimmer, daneben befinden sich auf jeder Etage Räumlichkeiten, die von allen genutzt werden.

Das Leben hier soll dem in einer WG ähneln, es gibt Gemeinschaftsküchen, Fernsehecken, organisierte Ausflüge, alles betreut von knapp 60 Angestellten. Für den Einrichtungsleiter Ulrich Schwarz, 36 Jahre alt, stand fest, dass mit dem Umbau auch moderne Technik ins Haus kommt. Der gelernte Krankenpfleger, der nach der Ausbildung Pflegemanagement studierte, kennt sowohl die Arbeit in der Pflege als auch die Herausforderungen, die auf die Branche zukommen. Mehr Senioren, mehr Demenzerkrankungen, wenig Nachwuchs – die Pflege brauche Unterstützung, sagt er.

Ulrich Schwarz führt durch das Haus, zieht einem Bewohner einen Socken an, den dieser verloren hat, bleibt stehen für einen kurzen Plausch. Bei ihm, sagt er, sei die technische Unterstützung vor allem für die Bewohner gedacht. Ein Grund, die Technik einzuführen, seien Fragen der Angehörigen gewesen. „Sie wollten wissen: Welche Angebote habt ihr? Welche Ausflüge macht ihr?“


Unternimmt Biografiereisen: Alexandra Kasper | Der Mann für die Technik: Ulrich Johnigk

Die Bewohner haben Bock darauf

Die Fragen führten dazu, dass Schwarz für das Altenheim eine Facebookseite erstellte und darin Fotos und Videos der Bewohner postete. Vom Alltag und von Ausflügen. Das war im August 2015, er war gerade ein halbes Jahr Leiter. Die Bilder im Internet weckten auch das Interesse der Bewohner. Daher trafen sich die Wohngruppen schon kurze Zeit später zu einer digitalen Diashow. Dazu verteilte er Tablets und verband sie mit dem Beamer und den Fernsehern.

„Wir hatten kein konkretes Konzept und folgten den Bedürfnissen unserer Bewohner“, sagt Schwarz. Auf Youtube fanden sein Team und er Musikstücke und Filme aus den Vierziger- und Fünfzigerjahren, für die Senioren regelrechte Schätze. Derzeit könnten die Bewohner die Technik noch nicht gut allein bedienen, sagt er. „Aber in den nächsten zehn Jahren werden viele Menschen einziehen, bei denen diese Technik jetzt Alltag ist und die auch im Alter damit zu tun haben wollen.“

WLan, intelligente Lautsprecher mit Spracherkennung oder Laptopspiele seien schon jetzt nicht mehr wegzudenken, sagt Schwarz. „Wir bieten einen Mix aus allem an, um den Alltag interessanter zu machen.“ Der Lautsprecher könne Datum, Uhrzeit oder Termine ansagen und Orientierung bieten; die Laptop-Spiele und die Virtual-Reality-Brillen steigerten das Wohlbefinden. „Die Brillen haben wie eine Bombe eingeschlagen. Die Bewohner haben einfach Bock darauf.“

Mehr kostet die Unterbringung im St. Maternus wegen dieser Angebote nicht. Der Preis eines Zimmers richtet sich ausschließlich nach dem Pflegegrad des Bewohners. Durchschnittlich sind es 3000 Euro pro Monat, die von der Krankenkasse, der Rente oder von Angehörigen gezahlt werden müssen. Dieser Preis entpricht in etwa dem anderer modernisierter Pflegeheime in Nordrhein-Westfalen.

Die Anschaffung digitaler Technik ermöglicht der Förderverein des Hauses. Neben Ausflügen zum Rhein zahlt dieser nun auch Laptops, Tablets und Virtual-Reality-Brillen. Fast 12 000 Euro hat er in den vergangenen vier Jahren für diese Geräte ausgegeben.

Ulrich Schwarz betont auch, was digitale Technik nicht soll: Mitarbeiter ersetzen. Technik solle die Arbeit erleichtern, die Pflege verbessern und Hilfsarbeiten übernehmen, um den Beruf attraktiver machen. Er sagt, dass sein Heim schon jetzt mehr Bewerber als freie Stellen habe. Das ist ungewöhlich.

Bislang ist digitale Technik in der Pflege meist auf E-Mails in der Verwaltung oder Bestellsoftware für die Küche beschränkt. Die neuen Geräte, die Informationen sammeln und verarbeiten können, leisten deutlich mehr. Sensoren, Roboter oder Sturzdetektoren reagieren auf ihre Umgebung per Mikrofon, Kamera oder Touchscreen und haben immer öfter direkten Kontakt mit Pflegern und Bewohnern. Trinkautomaten etwa überprüfen die abgezapfte Menge von Getränken und schlagen bei Unterversorgung Alarm, Chips öffnen und schließen automatisch Türen, Sensoren in der Matratze helfen, Druckgeschwüren vorzubeugen.

Werden Roboter bald auch komplette Pflegeleistungen übernehmen?

Zumindest in Deutschland ist das noch ein unrealistisches Szenario. Ganz anders in Japan: In dem Land mit den vielen Alten hat Premierminister Shinzo Abe bereits 2014 einen „Rat für die Umsetzung der Roboterrevolution“ eingerichtet, um Carebots zu entwickeln – Pflegeroboter, die eigenständig Menschen umbetten, waschen und füttern können sollen. Ohne die Hilfe von Maschinen sei der Pflegebedarf dort nicht mehr zu decken, so der Politiker.

In den USA hoffen Entwickler von Technik für das Alter auf ein Milliardengeschäft. Betreiber von Seniorenheimen wie das kalifornische „Front Porch“ haben Häuser zu Entwicklungszentren umgebaut. Im dazugehörigen „Center for Innovation and Wellbeing“ werden beispielsweise bionische Beinprothesen getestet oder Apps, die Alzheimer erkennen sollen. Diese Angebote sollen die dort lebenden Menschen im Alltag unterstützen – und zugleich möglichst schnell Marktreife erlangen.

Nutzt Social Media für seine Arbeit: Ulrich Schwarz

Gute Technik ist unsichtbar

Auch in Bielefeld-Senne gibt es ein Heim, das moderne Technik einsetzt. Gegenüber von einem Supermarkt, inmitten einer Neubausiedlung, liegt das Seniorenzentrum Breipohls Hof. Ein moderner, massiver Neubau in Weiß mit großen Glasfronten und grünem Innenhof. Das Haus, das 2013 fertiggestellt wurde, hat 80 Plätze auf drei Etagen.

Wie das St. Maternus in Köln, gilt diese Einrichtung hierzulande als Leuchtturm, als herausragendes Beispiel für Digitalisierung. In diesem Fall diene sie aber weniger der Therapie und Unterhaltung der Bewohner, sagt Petra Rodenberg, die Leiterin des Pflegeheims. „Technik soll in unserem bestehenden System die Arbeit erleichtern.“ Die 53-jährige Sozialpädagogin und Fachkrankenschwester für Psychologie leitet seit mehr als 20 Jahren Altenzentren oder Behindertenwerkstätten. Die Bewohner, sagt sie, sollen sich in ihrer Einrichtung vor allem zu Hause fühlen. Wenn sie dazu noch in der Lage sind, wird gemeinsam gekocht, es gibt Lesungen, Chorproben und Kreativgruppen. „Wir begleiten Menschen in sehr schwierigen Lebenssituationen, täglich, da müssen wir für Wohlbefinden und Sicherheit sorgen.“

Gemeinsam mit Ulrich Johnigk entscheidet sie, welche Geräte in ihrer Einrichtung eingesetzt werden. Der 49-jährige Sozialarbeiter verantwortet die Bau- und Technikprojekte im Stiftungsbereich Altenhilfe der Von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, dem Träger. Er war auch maßgeblich an der Konzeption des neuen Hauses im Jahr 2010 beteiligt.

Damals wollte Breipohls Hof für 7,5 Millionen Euro ein neues Altenzentrum bauen. Schnell war klar: „Dieses Haus sollte ein Modellprojekt werden“, sagt Johnigk. „Allerdings konnte uns niemand adäquat beraten.“ Mit seinem Team suchte er nach Lösungen, sie reisten durchs Land und ließen sich von einem Projekthaus des Fraunhofer-Instituts in Duisburg inspirieren. Johnigk sagt: „Wir wollten Systeme, die möglichst unsichtbar ins Wohnumfeld integriert sind, also keine Kisten, keine Kabel. Technik soll funktionieren, aber möglichst nicht zu sehen sein. Das war nicht ganz einfach.“ Sie entschieden sich dann für eine spezielle Sensor- und Transpondertechnik.

Die Transponder, Funk-Kommunikationsgeräte, die als Armband getragen werden können oder in die Kleidung genäht sind, machen das Personal im Bedarfsfall darauf aufmerksam, wenn sich ein Bewohner dem Ausgang nähert. Das erkennen Schranken an den Türen, ähnlich dem Prinzip der Diebstahlsicherung in Kaufhäusern.

Außerdem sind unter den Betten und in den Badezimmern Bewegungs- und Präsenzmelder installiert, die im Bedarfsfall registrieren, wenn Menschen aufstehen, oder die erfassen, wenn sie das Bad längere Zeit nicht verlassen haben. Dann wird automatisch eine Nachricht an das Telefon des Personals gesendet, das wiederum sofort in den Zimmern anrufen kann. Allerdings nur, wenn die Bewohner oder deren gesetzliche Vertreter dieser Form der Kontrolle zugestimmt haben.

Die Technik in diesem Heim dient der Sicherheit der alten Menschen und unterstützt die Pflegekräfte, vor allem während der Nachtwachen, wenn nur wenige von ihnen Dienst haben.„Demente Bewohner vergessen den ärztlichen Rat, nur in Begleitung aufzustehen“, sagt Petra Rodenberg, manche seien gefährdet zu stürzen. „Das Personal kann nicht alle paar Minuten nach den Bewohnern schauen. Durch unsere Technik ist es möglich, dass das Pflegepersonal schnell reagieren kann und auch weiß, wann es reagieren muss.“

Daneben soll die digitale Technik dabei helfen, die Anforderungen zu erfüllen, die der Gesetzgeber an die Altenpflege stellt. „Wir als Träger müssen bei immer schwieriger werdenden Rahmenbedingungen gucken, wie wir überhaupt Schritt halten“, sagt Johnigk. Technik entlaste die Kollegen von Routinetätigkeiten oder schwierigen Tätigkeiten.

Die Einrichtungsleiterin Rodenberg sagt: „Ich würde mehr Pfleger einstellen, wenn ich das Geld dafür hätte.“ Aber das gibt ihr niemand. Die Technik soll den Zeit- und den Kostendruck für die Pflegekräfte reduzieren, auch wenn Breipohls Hof nicht so stark unter Kostendruck steht. Als Non-Profit-Einrichtung, das von den Von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel getragen wird, muss Rodenberg nicht mehr als eine schwarze Null erwirtschaften. Eine weitere Aufgabe, bei der Maschinen künftig helfen sollen, ist die Dokumentation: Bislang müssen die Mitarbeiter die Pflegeplanung und die Protokolle der Pflegetätigkeiten noch EDV-gestützt durchführen und alles per Hand eintippen. Bald soll das am Smartphone direkt im Bewohnerzimmer möglich sein, möglicherweise sogar per Spracheingabe.

Legt Wert auf Sicherheit: Petra Rodenberg

Der Roboter weiß nicht, was Freudentränen sind

Wie die Einrichtung St. Maternus in Köln ist Breipohls Hof trotz der digitalen Angebote nicht teurer als andere neu gebaute Heime. Ein Zimmer kostet durchschnittlich 2625 Euro im Monat. Dennoch, sagt Ulrich Johnigk, müsse die Frage, wer künftig für die Technik zahle, dringend geklärt werden. Bislang experimentieren Heime damit auf eigene Kosten. Dass Krankenkassen die Kosten für Tablets oder Virtual-Reality-Brillen bald übernehmen, ist nicht geplant. Ein Betreiber benötige die Möglichkeit, eine technische Entwicklung zu refinanzieren, findet Johnigk.

„Wir hoffen, dass der Beruf durch die neue Technik wieder attraktiver wird“, sagt er. Im Heim in Bielefeld habe sie zu Beginn jedoch Skepsis beim Personal ausgelöst. „Wir haben doch Pflege gelernt, was soll jetzt die Technik?“, hätten viele gefragt, erinnert sich Johnigk. Heute, da ist er sich sicher, wüsste das Personal gar nicht mehr, wie es ohne die digitale Unterstützung mit den wachsenden Anforderungen Schritt halten könnte.

Mittlerweile haben die Von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel das Thema in die Ausbildung zum Altenpfleger integriert, außerdem bieten sie entsprechende Fachseminare an. Pflegen lassen würde sie die Bewohner aber auf keinen Fall von Maschinen oder autonomen Systemen, so Rodenberg: „Der Roboter kann vielleicht wahrnehmen, dass die Haut feucht ist. Aber er weiß nicht, ob es traurige Tränen, Freudentränen oder Wasser ist. Er kann entsprechend gar nicht reagieren.“

Die Grenzen der Digitalisierung scheinen in der Pflege klar gesetzt zu sein: Maschinen dürfen helfen, ohne den Menschen zu ersetzen. Allerdings war das die Standardaussage in jeder Wirtschaftsbranche, bevor die Roboter kamen. ---

Angewandte Wissenschaft

In Deutschland erforscht das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart das Thema. Stefan Strunck und sein Team entwickeln in der Abteilung „Cognitive Environment“ Techniken, um das Leben im Alter zu erleichtern. Dabei geht es weniger um revolutionäre Neuerungen, als darum bereits bestehende Systeme intelligent zu vernetzen.

So arbeitet Strunck an einer App, mit der Angehörige und Pflegedienste zum Beispiel Informationen austauschen können: Hat ein Angehöriger einen Abend keine Zeit für die Pflege, sucht die App automatisch nach einem freien Mitarbeiter. Weitere Entwicklungen seines Teams: Sensoren, die melden sollen, wenn jemand längere Zeit keinen Wasserhahn oder Briefkasten geöffnet hat; Kameras mit Gesichtserkennung, die automatisch Haustüren für Lieferdienste öffnen, und Detektoren, die die Schritte ambulanter Pflegebedürftiger erfassen und Stürze oder längere Bewegungslosigkeit mitteilen.

Für Stefan Strunck bietet Digitalisierung die Chance, die Pflege individueller zu gestalten, zugeschnitten auf die Bedürfnisse des Einzelnen. Allerdings müsse dafür gewährleistet sein, auf Daten zugreifen zu dürfen. Die Datenschutzregelungen in Deutschland, aber auch die komplexe Finanzierung des Gesundheitssystems erschwerten dies.

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Dieser Artikel stammt aus dem brand eins Magazin zum Schwerpunkt Digitalisierung.

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