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Dignity – Blick in die Bilanz

Trauernde feilschen selten. Der britische Bestattungs-konzern Dignity, einer der Marktführer in Europa, nutzt diesen Umstand – mit einer riskanten Strategie.





• Der britische Bestattungskonzern Dignity Plc, das größte börsennotierte Unternehmen seiner Branche in Europa, steht glänzend da. Seit 2008 hat die Firma ihren Umsatz von knapp 176 auf 324 Millionen Pfund gesteigert, ein Plus von 84 Prozent. Beim Gewinn vor Steuern gelang sogar eine Verdopplung von 35,4 auf 71,2 Millionen Pfund. Nicht nur das Wachstum, auch die Profitabilität erreicht Spitzenwerte, wie die aktuellen Ergebnisse des ersten Halbjahres 2018 zeigen: Dignity kommt auf ein Bruttoergebnis (Umsatz abzüglich der Cost of Sales, das sind die der erbrachten Dienstleistung direkt zurechenbaren Kosten) von 106,4 Millionen Pfund, was einer Gewinnmarge von knapp 61 Prozent bezogen auf den Umsatz von 174,7 Millionen Pfund entspricht. Damit stellt das Unternehmen selbst Internet-Größen wie Facebook (46 Prozent) oder Apple (38 Prozent) weit in den Schatten.

Nach einer Marktanalyse der britischen Wettbewerbsbehörde Competition & Markets Authority (CMA) war die Gewinnmarge von Dignity in den vergangenen Jahren auch im Branchenvergleich Spitze. Weder heimische Konkurrenten noch amerikanische Anbieter noch der deutsche Marktführer, die Berliner Ahorn AG, kamen in Reichweite. Letztere erzielte zuletzt nach eigenen Angaben bei einem Umsatz von 68,7 Millionen Euro eine Gewinnmarge nach Steuern von 7,8 Prozent (eine Bruttomarge veröffentlicht Ahorn nicht). Bei Dignity lag dieser Wert im ersten Halbjahr 2018 bei 17,6 Prozent (30,7 Million Pfund Gewinn nach Steuern bezogen auf den Umsatz).

Das Erfolgsgeheimnis der Briten: Sie übernehmen in Serie kleinere, typischerweise lokal tätige Konkurrenten und erhöhen laut der CMA-Analyse dann systematisch die Preise. Dass sie dabei den einen oder anderen Kunden verlieren, nehmen die Bestatter in Kauf – was zählt, ist, dass die Profitabilität steigt. In der Bilanz wird an der Position Goodwill erkennbar, wie aggressiv Dignity vorgeht. Unter Goodwill wird nach der Übernahme eines Unternehmens die Differenz zwischen dem Kaufpreis und dem materiellen Vermögen der übernommenen Firma verbucht, also etwa der vermutete Wert des Kundenstamms oder der Marke. Der Goodwill ist bei Dignity mit 231,5 Millionen Pfund sehr hoch, er übersteigt das Eigenkapital um mehr als das Dreifache, was riskant ist. Scheitert die Integration der zugekauften Firmen, weil etwa Kunden abwandern, muss der Goodwill nämlich abgeschrieben werden. Bei Dignity könnten die potenziellen Abschreibungen leicht das Eigenkapital übersteigen.

Die Strategie mag riskant sein, aber der Bestatter ist durch sie zu einem Branchenriesen aufgestiegen, nennt 826 Friedhöfe und 45 Krematorien sein eigen. Mit knapp 69 000 Bestattungen jährlich kommt die Firma auf einen Marktanteil von aktuell 12,1 Prozent. Sie ist so dominant, dass sie das Preisniveau für Bestattungen in Großbritannien insgesamt erhöht hat, laut einer Untersuchung der Versicherung Sun-Life von durchschnittlich knapp 7000 Pfund im Jahr 2008 auf aktuell etwa 9200 Pfund, umgerechnet fast 10 300 Euro. Zum Vergleich: Hierzulande kostet eine Beerdigung durchschnittlich zwischen 7000 und 8000 Euro.

Dignity spürt zwar Gegenwind. Die Firma steht in der Kritik der CMA und muss Regulierung fürchten. Außerdem zettelt die Konkurrenz Preiskämpfe an. So senkte der Wettbewerber Co-op die Gebühren für Billig-Bestattungen – anonyme Feuerbestattungen – und zwang damit Dignity nachzuziehen. Im ersten Halbjahr 2018 lag der Gewinn vor Steuern bei Dignity daher 15 Prozent unter dem Vorjahreswert, der Börsenkurs ging bereits Anfang des Jahres dramatisch zurück. Trotzdem halten die Bestatter an ihrer Strategie fest. Ihr Cashflow ist nach wie vor so hoch, dass er ausreicht, um mit einer hohen Dividende die Aktionäre zu befrieden und weiter zuzukaufen: Allein im ersten Halbjahr 2018 erwarb Dignity vier weitere Friedhöfe. ---

Die britische Dignity Plc entstand 1994 durch die Fusion zweier kleinerer Bestatter, die von der US-amerikanischen Bestattungskette Service Corporation International übernommen und fusioniert wurden. Acht Jahre später übernahm das Mananagement die Firma und brachte sie 2004 in London an die Börse. Dignity hat seinen Hauptsitz in der Ortschaft Sutton Coldfield nahe Birmingham und beschäftigt gut 3300 Mitarbeiter.

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Dieser Artikel stammt aus dem brand eins Magazin zum Schwerpunkt Digitalisierung.

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