Die Ökonomie der Elemente

Scandium (Sc)

Was im Periodensystem an Wirtschaft steckt.





Die besondere Eigenschaft

Das weiche silberweiße Leichtmetall zählt zu den Seltenen Erden. Beim Kontakt mit Luft bildet sich eine gelbliche Oxidschicht auf der Oberfläche. In Pulverform ist Scandium brennbar und leicht entzündlich.

Wer braucht es?

Vor allem die Beleuchtungsindustrie: Wer ein Flutlichtspiel verfolgt, sitzt mit hoher Wahrscheinlichkeit im hellen Schein sogenannter Quecksilberdampf-Hochdrucklampen, die Scandiumiodid enthalten. In Straßen-, Industrie- und Fahrzeugleuchten kommen die Verbindungen ebenfalls zum Einsatz, häufig ersetzt Scandium dabei das giftige Quecksilber. Außerdem werden Laserkristalle, etwa für laserbasierte Schneidwerkzeuge, mit Scandium hergestellt, ebenso magnetische Datenspeicher, PC- oder TV-Bildschirme und Brennstoffzellen. Winzige Mengen des Elements stecken in Katalysatoren für die Produktion von Chlorwasserstoff.

Die Keramikindustrie kreiert mit Scandiumzusätzen extrem harte Materialien. Besonders formstabile Scandium-Aluminium-Lithium-Legierungen werden verwendet, um Kampfjets und Rennräder herzustellen. Die Waffenindustrie produziert damit leichte Revolver, die große Kaliber verschießen können. Weniger destruktiv wirken Scandiumsulfat-Lösungen zur Keimung von Saatgut.

Wo findet man es?

Es sind nur fünf sehr seltene Mineralien bekannt, in denen Scandium in ausreichender Konzentration enthalten ist, um es abzubauen: Pretulit, Thortveitit, Kolbeckit, Allendeit und Heftetjernit. Einige Scandiumverbindungen fallen bei der Aufbereitung uranhaltiger Erze an. Es gibt wenige Lagerstätten – etwa in China, der Ukraine, in Kasachstan, Japan, Norwegen, Madagaskar, auf den Philippinen, in den USA und in Australien. Der Aufbereitungsprozess ist sehr kompliziert. Meist fällt Scandium als Beiprodukt an, wenn andere Seltene Erden verarbeitet werden.

Wer verkauft es?

Hunan Oriental Scandium, Ganzhou Huoxin und Taojiang Ruilong Metal New Materials aus China sind die größten Anbieter für Scandiumoxid, Intermix Met aus Russland für Scandium-Legierungen.

Der Weltmarkt …

… wird auf nur 15 Tonnen geschätzt. Zu Beginn des Jahrtausends waren weltweit drei aktive Minen in China, der Ukraine und Russland bekannt. Aktuell soll der Markt außerdem noch von russischen Lagerbeständen gespeist werden, die zu Sowjetzeiten zur Produktion von Kampfflugzeugen aufgebaut wurden. Kaum mehr als eine Handvoll Anbieter kontrolliert derzeit die weltweiten Märkte, die größte Nachfrage kommt aus China. Allerdings werden gerade viele neue Förderstätten erschlossen – die Nachfrage nach Scandium soll Experten zufolge stark steigen.

Der Preis …

… für reines Scandium lag zuletzt bei bis zu 6500 US-Dollar pro Kilogramm, für Scandiumoxid wurden bis zu 1100 US-Dollar bezahlt. Eine Aluminium-Legierung mit zwei Prozent Scandium kostet 60 US-Dollar pro Kilogramm. Eine Börse gibt es nicht, Mengen und Preise handeln Anbieter und Käufer aus. Üblicherweise werden sie nicht veröffentlicht.

Wie geht es weiter?

Manche nennen Scandium das Öl der Zukunft, der Bedarf soll um bis zu 800 Prozent steigen. Der Grund dafür sind vor allem neue Scandium-Aluminium-Legierungen, die als vielversprechendes Material für Leichtbau-Flugzeuge und -Autos gelten. Dafür könnten bald mehr als 350 Tonnen pro Jahr benötigt werden; 2030 sogar 1000 Tonnen.

Auch Brennstoffzellen und Flutlichter gelten als Wachstumsmärkte. Daher erschließen Australia Mines Ltd., Platina Ressources, Clean Teq Holdings und Scandium International in Australien bereits neue Minen, die die bisherige Weltmarktproduktion um ein Vielfaches steigern werden. Rusal baut in Russland eine neue Produktion auf, Niocorp in den USA. Sumitomo Metall Mining aus Japan will in diesem Jahr auf den Philippinen mit der Förderung beginnen, um US-amerikanische Brennstoffzellenhersteller zu beliefern. ---

Ordnungszahl im Periodensystem: 21
Elementsymbol: Sc; Feststoff
Relative Atommasse: 44,96