Daikin – Blick in die Bilanz

In Schwellenländern wie Indien und China boomt die Nachfrage nach billigen Klimaanlagen. Die des japanischen Anbieters Daikin sind teuer – dem Wachstum schadet das nicht.





• Die Geschäfte bei Daikin laufen gut: Die Japaner haben ihren Umsatz in den vergangenen fünf Jahren von 1219 auf 2290 Milliarden Yen (17,5 Milliarden Euro) gesteigert, ein Plus von 87 Prozent. Den Bruttogewinn verdoppelte der Hersteller von Klimaanlagen im selben Zeitraum auf 799 Milliarden Yen (6,1 Milliarden Euro), beim Gewinn vor Steuern gelang sogar eine Verdreifachung auf 252 Milliarden Yen (1,9 Milliarden Euro). Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten, die auch andere Elektro- und Haushaltsgeräte anbieten, beschränkt sich Daikin auf Klimatechnik. 

Sie erwirtschaftet 90 Prozent des Umsatzes, der Rest stammt aus dem Verkauf von Chemikalien. Lediglich der chinesische Wettbewerber Gree Electric ist ähnlich fokussiert. Das Wachstum beider Unternehmen liegt über dem Marktdurchschnitt, der 2017 bei 8,2 Prozent lag. Gree schaffte knapp 37 Prozent mehr, Daikin immerhin gut 12 Prozent.

Dass Gree reüssiert, liegt auf der Hand. In den prosperierenden Regionen der warmen Klimazonen – China, Indien, Südostasien – steigt mit dem Einkommen die Nachfrage nach Luxusprodukten. In diesen Märkten ist Daikin aber nur schwach vertreten: In China – mit einer jährlichen Nachfrage von 46 Millionen Geräten der größte Markt der Welt – erzielen die Japaner 16,7 Prozent ihres Umsatzes, im restlichen Asien sind es weitere 15 Prozent, insgesamt also nicht mal ein Drittel der Gesamterlöse.

Daikin profitiert von der globalen Erwärmung in wohlhabenden Ländern. In den USA etwa, der zweitgrößte Absatzmarkt weltweit für Klimaanlagen nach China, ist der Kühlbedarf – gemessen in sogenannten Cooling Degree Days, die sich aus der Differenz von Außentemperatur und der Kühltemperatur berechnen – seit 1950 um mehr als 60 Prozent gestiegen. Dort und in anderen Industrienationen erwirtschaftet Daikin den überwiegenden Teil seines Umsatzes, und zwar vor allem mit energiesparenden Produkten – eine Strategie, mit der die Japaner zwar kurzfristig auf Wachstum in den Schwellenländern verzichten, aber langfristig gut leben können.

Denn eine der Nebenwirkungen des fortschreitenden Einsatzes von Klimaanlagen ist der steigende Energiebedarf. Bis Ende des Jahrhunderts wird der Elektrizitätsverbrauch privater Haushalte global um 83 Prozent zunehmen und damit der Druck, auf energiesparende Klimaanlagen umzusteigen, stärker werden, auch in den Schwellenländern. Daikin setzt auf diesen Effekt. Das Unternehmen gibt viel Geld für Forschung und Entwicklung aus, eine Position, die in dem Abschnitt „Selling, General and Administrative Expenses“ versteckt ist. Der macht bei Daikin 23,8 Prozent vom Umsatz aus, bei Gree sind es nur 17,4 Prozent. Die Japaner sind dadurch unterm Strich weniger profitabel als die Chinesen, aber mit einer Umsatzrendite vor Steuern (Gewinn vor Steuern als Anteil vom Umsatz) von 11 Prozent immer noch kerngesund.

Um nah an der Kundschaft und deren Bedürfnissen zu sein, investiert das Unternehmen außerdem konsequent im Ausland: 2012 kaufte Daikin den amerikanischen Konkurrenten Goodman für 3,7 Milliarden Dollar. Im Juni dieses Jahres kündigte die Firma den Bau einer dritten Produktionsstätte in den USA an. Das Geld ist gut angelegt: Bis Ende dieses Jahrhunderts wird der Anteil von Haushalten mit Klimaanlagen weltweit von 13 auf 70 Prozent steigen, so eine Studie der US-Universität Berkeley. Und die Japaner können sich die Expansion leisten: Ihre Eigenkapitalquote liegt bei komfortablen 46 Prozent. Der Cashflow aus dem operativen Geschäft ist fast doppelt so hoch wie die jährlichen Investitionen, sodass – anders als beim Konkurrenten Gree – sogar noch eine Dividende für die Aktionäre übrig bleibt. ---

Daikin Industries wurde 1924 von Akira Yamada zunächst als Osaka Kinzoku Kogyosho gegründet. Die Firma stellte Kühlsysteme für die Luftfahrt her, später auch für Züge, U-Boote und seit 1958 auch für Gebäude. Sie gilt weltweit als einer der innovativsten Klimatechnikanbieter. Im Jahr 1963 begann die Massenproduktion von Klimaanlagen. Daikin produziert heute an weltweit gut 90 Standorten, verkauft Produkte in mehr als 150 Ländern und beschäftigt rund 70.000 Mitarbeiter.