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VS-Visu: Interaktive Tafeln in Schulen

Wie eine Schule in Osnabrück das Kreide- und das Digitalzeitalter vereint.




• Seit die Thomas-Morus-Schule (TMS) in Osnabrück renoviert hat, bekommt ihr Leiter Matthias Wocken ständig Besuch. Man will sehen, wie die katholische Privatschule schafft, was in Deutschland oft noch nicht recht gelingt: ein zeitgemäßer Unterricht mit digitalen Medien. Fast die Hälfte der Lehrer setzt diese laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung nämlich kaum ein. „Viele Schulen eiern bei dem Thema herum“, sagt Wocken. „Da hängen zwar oft moderne Geräte an den Wänden, aber deren Möglichkeiten werden selten ausgereizt.“ Das liege häufig an technischen Schwierigkeiten, schlechter Bedienbarkeit oder der Scheu mancher Lehrer, sich auf die digitalen Hilfsmittel einzulassen; aber auch die Raumgestaltung spiele eine Rolle.

An der TMS war das lange kaum anders – bis Wocken sich im Sommer 2016 im Zuge der Renovierung mit Markus Leuderalbert zusammensetzte, dem Leiter digitale Medien der Firma VS-Visu, einer Tochter des Büro- und Schulmöbelherstellers VS. Das Ziel der beiden: ein Konzept, das die Vorteile der digitalen Medien nutzt, ohne auf klassische Unterrichtsmittel zu verzichten.

„Manche Schulen haben bei der Modernisierung komplett auf digitale Systeme umgestellt und die alten Tafeln rausgeschmissen“, sagt Wocken. Das sei ein Fehler, „denn die sind praktisch, vergleichsweise billig und senken die Hürden für jene, die sich an die neue Technik noch nicht so herantrauen“. Im neuen Raumkonzept steht deshalb eine Tafel im Mittelpunkt, die einen großen, berührungsempfindlichen Bildschirm mit einer herkömmlichen grünen Kreidetafel zum Ausklappen vereint. Auf dem Monitor können über einen PC Videos abgespielt, Suchergebnisse eingeblendet, oder es kann direkt per Berührung geschrieben werden. Auf die klassischen grünen Tafelelemente daneben lassen sich Aufgaben oder wichtige Unterrichtsergebnisse notieren.

In 13 Räumen im zweiten Stock der Schule wurden die je 11 000 Euro teuren Tafeln installiert. Die eine Hälfte davon finanzierten die Schule und ihr Träger, die Schulstiftung im Bistum Osnabrück, die andere das Unternehmen VS, das die Modernisierung als Pilotprojekt versteht und daraus Erkenntnisse für andere Kunden gewinnen will. Eigentlich war noch ein Kontrollmonitor am Lehrerpult vorgesehen, doch der wurde bislang eingespart.

Über einen frei im Raum beweglichen Rolltisch, dem dritten Element des Konzepts, kann der Lehrer die digitalen Tafelinhalte etwa mit einem Laptop steuern. Für die Ausstattung mussten die Planer nichts erfinden. „Wir haben ausschließlich Standardelemente benutzt“, sagt Leuderalbert, „in dieser Zusammenstellung gab es das bislang allerdings noch nicht.“


Und wenn einmal der Strom ausfallen sollte, geht der Unterricht einfach auf der Kreidetafel weiter.

Seit Sommer sind die neuen Räume in Betrieb, und die Resonanz auf ihr Werk hat Wocken und Leuderalbert erfreut. „Die Schüler finden das sowieso toll“, sagt der Schulleiter, „aber auch die Kollegen ziehen mit.“ So seien bereits zur ersten Schulung statt der erwarteten 14 Pädagogen 32 gekommen. Ein Grund könnte sein, dass jeder so viel Digitaltechnik im Unterricht einsetzen kann, wie er möchte. Anfänger nutzen den Bildschirm vielleicht erst einmal nur für Videos; Fortgeschrittene zeigen darauf Arbeitsblätter, die die Schüler direkt an der Tafel bearbeiten können, und speichern die Ergebnisse wie in einem elektronischen Klassenbuch für alle zugänglich im Schulnetzwerk. Oder die Schüler schalten sich im Klassenraum mit ihrem privaten Rechner oder Smartphone über WLAN auf die Tafel, um dort zum Beispiel ihre Hausaufgaben anzuzeigen.

Christiane Berlin-Schwake, Mitglied im niedersächsischen Landesvorstand des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), hält das TMS-Raumkonzept mit der Kombitafel für den richtigen Weg. „Für die Lernentwicklung der Kinder ist der Einsatz von Digitaltechnik wichtig, aber es kann nicht alles über den Computer laufen“, sagt sie. „Leider sind die Anschaffungskosten für eine solche Ausstattung noch sehr hoch, sodass sie sich nicht jede Schule in diesem Ausmaß leisten können wird.“

Die TMS plant derweil schon die Renovierung einer weiteren Etage im Sichtbetonbau aus den Siebzigerjahren. Auch dort sollen möglichst viele Räume mit dem modernen Mobiliar bestückt werden. „Wir wollen hier etwas lostreten, das in den vergangenen Jahren in Deutschland verschlafen worden ist“, sagt Wocken.

Doch führt die Digitalisierung nicht dazu, dass die Schüler bald nur noch am Computer arbeiten? „Nein, wir pflegen die klassischen Kulturtechniken, unsere Schüler werden auch weiterhin konventionell schreiben. Und wenn einmal der Strom ausfallen sollte, geht der Unterricht einfach auf der Kreidetafel weiter.“ ---