Partner von
Partner von

Saltonsee

Ein See im dürren Süden Kaliforniens – die Anwohner sahen darin „ein Geschenk des Himmels“. Heute kämpfen sie um sein und ihr Überleben.




• Die Geschichte des Saltonsees, mitten in der Wüste Kaliforniens, beginnt mit einem Unfall. Als im Jahr 1905 ein Deich des Colorado River bricht, verlässt der gewaltige Fluss sein gewohntes Bett und bahnt sich seinen Weg zur tiefsten Stelle der staubigen Saltonsenke. Zwei Jahre später wird der Deichbruch geschlossen; übrig bleibt ein See im dürren Süden Kaliforniens, westlich der Chocolate Mountains, doppelt so groß wie der Bodensee. Ein Geschenk des Himmels, sagen die Anwohner.

In den folgenden Jahrzehnten zieht die Oase immer mehr Besucher an. Mitte des 20. Jahrhunderts entstehen rund um das Ufer Luxushotels, Golfplätze und Jachtclubs; Frank Sinatra, Marilyn Monroe und Jerry Lewis sind Dauergäste. Das Leben ist schön, sagen die Anwohner. Bis zum zweiten Unfall.

In den Siebzigerjahren jagen zwei Tropenstürme über das Ferien-Idyll. Da der See drei Zu-, aber keine Abläufe hat, tritt er über die Ufer und zerstört viele der Luxusbauten in Ufernähe. Ein Drama, sagen die Anwohner. Doch das ist erst der Anfang.

 


Der 29-Jährige Kerry leitet seit fünf Jahren eine lokale Initiative, die sich für eine zuverlässige Wasser versorgung ihres Sees einsetzt. Dafür ist er mit seinem Partner 2014 direkt ans Ufer gezogen. Die Grundstücke sind spottbillig, jedoch gibt es kaum Nachbarn. Einsam fühlt er sich dennoch nicht, dafür gebe es zu viel zu tun, sagt er.


Nicole war 18 Jahre alt, als sie mit ihren Eltern nach Salton City zog. Damals wollte sie Designerin werden, doch dann wurde sie schwanger, der Vater des Kindes kam ins Gefängnis, und sie musste sich um die Familie kümmern. Heute ist sie 30 Jahre alt, arbeitet die Nachtschichten im örtlichen Kasino und sorgt sich um die Gesundheit ihrer Kinder, die in einer Gegend aufwachsen, die so giftig ist, dass im Garten kein Gemüse wächst.

Denn bevor sie in den See münden, wässern die Zubringerflüsse die Felder der Gegend; der Saltonsee wird also von landwirtschaftlichem Abwasser gespeist. Solange sich die darin enthaltenen Düngereste und Schwermetalle nur im Sediment ablagern, ist das zwar nicht gut, aber für Menschen einigermaßen verträglich. Da die kalifornische Sonne aber mehr Wasser verdunsten lässt, als die Bauern dem See übrig lassen, sinkt der Wasserspiegel, das Sediment trocknet aus und verteilt sich mit dem Wüstenwind übers ganze Land. Damit sind die Rückstände nun auch für Menschen sehr ungesund.

Dazu kommt, dass die Verdunstung den Salzgehalt des Sees weit über den des Pazifiks getrieben hat, weshalb von der einst reichen Meeresfauna heute nur noch Barsche in dem nach faulen Eiern stinkenden Gewässer überleben können. Das Fischsterben wiederum bedroht die Zugvogelpopulationen, die hier Rast auf ihrer Pazifikroute machen.

Heute wohnen keine 4000 Menschen in Salton City, der einstigen Metropole der Salton-Riviera. Ihre Motive sind vielfältig, manche treibt die Hoffnung, manche die Hoffnungslosigkeit. Ein Grundstück mit Strom- und Wasseranschluss kostet hier keine tausend Dollar – für einige ist das schon Grund genug.

Vor zwei Jahren wurden im kalifornischen Haushaltsbudget immerhin erstmals gut 80 Millionen Dollar zur Rettung des Sees eingeplant. Wie diese Rettung aussehen könnte, ist jedoch unklar. ---


In den Saltonsee fließen landwirtschaftliche Abwasser. Bevor die Zubringerflüsse in den See münden, fluten sie die Felder der Gegend.