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Newsletter zur 03/2018



brand eins Chefredakteurin Gabriele Fischer stellt einmal im Monat das neue Heft vor und schreibt über die Gedanken, die die Redaktion zum jeweiligen Schwerpunkt bewogen haben. Wenn Sie den Leser-Newsletter gerne empfangen möchten, melden Sie sich bitte hier an:

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ist Sicherheit für Sie ein hoher Wert? Bei mir ist das Thema ambivalent. Wenn ich an nächtliche U-Bahnfahrten denke, wünsche ich mir nichts mehr als das gute Gefühl, dass mir nichts passieren kann. Wenn ich Mails, Clouds und andere digitale Segnungen betrachte, verspüre ich einen gewissen Fatalismus. Und wenn es um Lebensentscheidungen geht, bin ich nicht unbedingt für die sichere Seite: Die Entscheidung, vor 19 Jahren brand eins zu gründen, war eher ein Vabanquespiel.

In diesem Spannungsfeld bewegt sich auch die nächste Ausgabe. Es geht um Datensicherheit, weltweite Bedrohungen und immer wieder um die Frage, was gegen die um sich greifende Verunsicherung hilft. Eine erste Antwort: nicht bange machen lassen – denn Sicherheit beginnt im Kopf.

Foto: Tillmann Franzen

Angst macht uns, was wir nicht verstehen. Und das ist in digitalen Zeiten eine Menge. Wie kommen Viren in den Rechner, und wie holt man sie wieder raus? Sind Virenjäger Helden oder Schurken? Wie anfällig ist ein smartes Stromnetz, das uns bald helfen soll, effizient mit Ressourcen umzugehen? Wie sicher ist die Cloud? Und wie sähe die Welt aus, wenn der erste Quantencomputer in den Händen von Hackern wäre? Sie werden sehen, es lohnt sich, mehr darüber zu erfahren („Der Albtraum“; S. 52 / „Energiewende ohne Blackout“; S. 60 / „Vorsichtige Annäherung“; S. 82 / „Damit ließe sich viel Unheil anrichten“; S. 64).

Illustration: Jill Senft

Immer wieder einmal fragen wir unsere Auslandskorrespondenten nach ihrer Sicht auf unser Schwerpunktthema. Diesmal kommen die Erfahrungsberichte aus Russland, Südafrika, den USA, Israel und Frankreich – und alle haben uns ein wenig demütig gemacht. Dass Russen und Amerikaner ein etwas anderes Verhältnis zum Thema haben, ahnte man. Aber auch, was Mareike Enghusen über die prekären Lebensverhältnisse der israelischen Mittelschicht, Karin Finkenzeller über die Folgen des Ausnahmezustandes in Paris und Johannes Dieterich über seinen privaten Wachdienst erzählen, lässt einen die hiesigen Verhältnisse mit anderen Augen sehen („Ungefahr“; S. 108 / „Angst essen Alltag auf“; S. 100 / „Wer feiern will, muss zahlen“; S. 70 /„Eiszeit“; S. 50 / „Meine Burg“; S. 88).

Foto: Matthias Ziegler

Aber es gibt auch gute Nachrichten aus dem Ausland: In New York und anderen amerikanischen Großstädten ist die Kriminalität in den vergangenen 30 Jahren dramatisch zurückgegangen. Mischa Täubner wollte wissen, woran das liegt und stieß bei seinen Recherchen auf erstaunliche Antworten, zum Beispiel: Nachbarschaftshilfe. Wenn Menschen nicht mehr wegsehen, sondern etwas tun, hilft das offenbar auch gegen Mord und Totschlag. Oder gegen Wohnungsnot: Markus Wasserle, Inhaber einer mittelständischen Reinigungsfirma, war entsetzt als er sah, wie seine Mitarbeiter hausen müssen – und arbeitet seitdem dagegen an („Das Wunder von New York“; S. 118 / „Der tut was“; S. 102).

Foto: Oliver Helbig

Zusammenhalt ist eine starke Kraft – und eine gefährdete. Der schnelle Wandel sorgt für Verunsicherung, die Gesellschaft driftet auseinander. Wolf Lotter sucht Antworten auf die Frage, was dagegen auszurichten ist. Der Grüne Ralf Fücks, Mitgründer des „Zentrums liberale Moderne“, setzt auf „flankieren, ermöglichen, Zuversicht fördern“. Er ist damit nah dran an dem, was sich Felix Oldenburg, Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Stiftungen, als künftiges Stiftungsziel wünscht. „Wie übersetzen wir Geld in gesellschaftlich positive Wirkung?“, fragt er und sieht viele Möglichkeiten („Die innere Sicherheit“; S. 42 / „Das Kapital an die Arbeit bringen“; S. 110).

Foto: Will Widmer

Ein Thema, das viele bewegt, sind die Steuern. Bürger und Unternehmen plädieren für möglichst niedrige, viele Politiker für hohe – es sei denn, sie glauben, wie der amerikanische Präsident, dass niedrige Steuern die Konjunktur beflügeln und damit allen Menschen zugute kommen. Wie das funktioniert, wollte man in Kansas wissen und startete im Jahr 2012 ein vom Gouverneur so genanntes „echtes Live-Experiment“ – Steffan Heuer beschreibt die Folgen, zu denen auch ein ganz neuer Zusammenhalt der Bürger gehört („Damenwahl“; S. 28).

Ich bin sicher, dass Ihnen diese Ausgabe Spaß machen und neue Erkenntnisse bescheren wird.

Mit herzlichem Gruß
Gabriele Fischer