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Editorial

Das Sicherheitspaket

• Angst ist ein schlechter Ratgeber, sagt der Volksmund, und er hat recht. Wer vorankommen will, Entscheidungen treffen und sein Leben gestalten, der braucht Vertrauen in sich und die Verhältnisse. Aber sind die Verhältnisse so?



Obwohl die Konjunktur gut ist und die Kriminalstatistik wenig Ausreißer nach oben vermeldet, suggeriert die Geräuschkulisse in Internet und Medien: Die guten Zeiten sind bald vorbei. Alles wird schlechter, wenn erst Roboter die ganze Arbeit machen, die nächste Welle der Globalisierung uns überrollt und Hacker im Netz die Macht übernehmen. Auf Sicherheit und Ordnung von oben jedenfalls sollten wir nicht hoffen, nicht nur weil Regierungsbildung nicht mehr so einfach ist.

Da ist was dran. Denn Sicherheit ist mehr noch als andere Gefühle selbst gemacht. So gehört zu den größten Unsicherheitsfaktoren die Unwissenheit: Wir fürchten uns vor allem, was wir nicht verstehen. Und auch die Überzeugung, man könne sowieso nichts tun, macht Angst: Wer sich als Opfer der Verhältnisse sieht, ist kein Held.

Die vorliegende Ausgabe ist deshalb ein veritables Sicherheitspaket: mit Geschichten und Interviews, die Wissenslücken füllen – und die zeigen, was alles geht.

Quanten zum Beispiel sind eigentlich nur etwas für Experten, und vom Quantencomputer wissen die meisten bestenfalls, dass er jeden anderen Computer wird knacken können. Der Kryptograf Johannes Buchmann weiß mehr, und er kann es auch noch erklären. Oder die Jäger der Rechner-Viren: Sind das die Helden unserer Zeit oder windige Geschäftemacher? Eugene Kaspersky, Gründer von Kaspersky Lab, ist zumindest eine schillernde Figur. Und was wird aus uns und unserer Intimsphäre, wenn erst das Smart Home Wirklichkeit wird und alle Thermostaten uns belauschen? Dann haben wir vielleicht einen Grund mehr, uns zu informieren und zu schauen, welchem Anbieter wir vertrauen (S. 64, 52, 60).

Es ist ja unbestritten, dass sich eine Menge verändert und selbst der Interessierte bisweilen den Überblick verliert. Da hilft nur: noch genauer hinschauen. Dann sieht man beispielweise, dass so mancher Angstmacher eigene Interessen verfolgt. Oder dass der Roboter keine Bedrohung ist, sondern auch ein Kollege – wenn man ihn davor beschützt, Schaden anzurichten (S. 42, 72).

Dass man nichts ändern kann, ist jedenfalls falsch. Und es fehlt auch nicht an Geld oder Ideen. So könnten allein 70 Milliarden Euro Stiftungsgelder noch viel mehr bewegen, wenn man sie denn ließe. Menschen, die sich gegenseitig stützen, können Kriminalitätsraten senken. Und wenn der Chef nicht nur auf die Bilanz schaut, sondern auch auf die Lebensverhältnisse seiner Leute, kann dabei ein Modell entstehen, das beiden nützt (S. 110, 118, 102).

Wer nun ein „aber“ auf den Lippen hat, dem seien die Seiten 50, 70, 88, 100 und 108 empfohlen: Dort beschreiben unsere Auslandskorrespondenten, wie es in Frankreich, Israel, Südafrika, den USA und Russland um die Sicherheit steht. Subjektiv fühlt man sich danach hierzulande wie in Abrahams Schoß.

Und nichts weiter ist Sicherheit: ein Gefühl, das man sich macht. --- Gabriele Fischer, Chefredakteurin