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Recalm GmbH

Ein Start-up aus Hamburg will Schallwellen mit Schallwellen neutralisieren – für mehr Ruhe am Arbeitsplatz.





• Was kann man eigentlich gegen Krach tun, fragte sich Marc von Elling, wenn er nachts mal wieder nicht schlafen konnte, weil er an einer vierspurigen Hamburger Ausfallstraße wohnte. Der Student der Elektrotechnik kannte das physikalische Prinzip der destruktiven Interferenz, bei dem – vereinfacht gesagt – ein Signal gesendet wird, welches genau gegenläufig zum Lärm ist. Beide Schallwellen treffen aufeinander und heben sich im Idealfall gegenseitig auf – dann herrscht Stille.

Um das richtige Signal zu finden, benötigt man aber eine genau definierte Umgebung. Bei heterogenem Straßenlärm funktioniert das nicht. Aber in abgeschlossenen Kabinen, in Autos oder Flugzeugen könnte man den Motorenlärm auf diese Weise dämpfen. Von Ellings Professor ermutigte ihn: „Versuchen Sie einmal, wie weit Sie außerhalb der Universität mit der Idee kommen.“

Nach dem Studium, im Oktober 2016, baute von Elling seinen ersten Prototyp, kam damit in ein Förderprogramm von Airbus und suchte sich dort sein Team zusammen. Im August 2017 gründete es die Recalm GmbH und bekam staatliche Unterstützung. Es verfeinerte die Technik und spezialisierte sich auf laute Bau- und Landmaschinen. Aktuell stellt die Firma auf Fachmessen eine Baggerkabine vor. Ihr Anti-Lärm-System ist in die Kopfstütze des Fahrers integriert. Im Betrieb wird der Umgebungslärm, vor allem das Motorengeräusch, analysiert und dann mit einem gezielten Gegenschall neutralisiert. „Wir schaffen momentan eine Reduktion des Motorengeräuschs für den Fahrer um bis zu 75 Prozent“, sagt von Elling.

Unterstützung bekommt das Start-up von Carsten Claussen, dem Leiter des Fraunhofer IME Screening Port in Hamburg. „Es ist verblüffend, wie gut das System funktioniert, wenn Sie in einer solchen Kabine sitzen und den Ein- und Ausschalter drücken.“ Auch die Fokussierung auf eine Branche, in der „mit großen Händen“ gearbeitet wird, findet er richtig. „Die Rückmeldungen der Hersteller sind sehr positiv, denn Bau- und Landmaschinen sind heute Hightech-Produkte. Und die Hersteller haben so die Möglichkeit, sich gegenüber den Mitbewerbern zu differenzieren.“ Später könnten dann auch Systeme für Autos, Flugzeuge oder Büroräume folgen.

Im April 2019 will Recalm auf der Bauma Messe offiziell an den Markt gehen. ---

Recalm GmbH

Marc von Elling, Martin Günther, Lukas Henkel, Ralf Ressel
Mit Unterstützung des Start-up Dock Hamburg

Kontakt: info@recalm.com 

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