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Udo

Eine Dichtungskappe für Tassen macht Einwegbecher überflüssig.




• „Es heißt doch, dass jeder Pott einen Deckel findet“, sagt Carina Frings, dann schnappt sie sich Udo, presst ihn auf eine weiße Keramiktasse und schüttelt sie kräftig. „Hält wunderbar, oder? Und bei mir gilt wirklich: jeder Pott, ein Deckel.“

Udo, so hat Frings ihren universellen Becher-Verschluss genannt. Mit ihm will sie Einwegbecher überflüssig machen. Ihr hohler Rundling passt aufgrund seiner konisch zulaufenden Form auf jede Tasse mit einem Innendurchmesser zwischen 70 und 83 Millimetern, egal ob aus Keramik, Glas oder Metall.

„Und solch eine Tasse hat doch nun wirklich jeder im Schrank“, sagt Frings. „So wird aus jedem Becher ein Mehrwegbecher, den man überallhin mitnehmen kann. Natürlich kann ich damit nicht die Welt retten, aber ein bisschen was beitragen kann ich schon.“

Zu tun gibt es jedenfalls genug. Nach Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe werden deutschlandweit pro Jahr rund 2,8 Milliarden Einweg-Kaffeebecher verbraucht, das macht pro Stunde etwa 320 000 Stück. Sie werden in Sträucher und Straßengräben geworfen, bestenfalls landen sie im Abfalleimer – und damit in der Müllverbrennung.

Denn die Becher sehen zwar aus, als seien sie aus Papier oder Pappe, aber wegen der im Inneren verborgenen Kunststoffschicht können sie auch bei einer korrekten Entsorgung nicht recycelt werden. Die dazugehörigen Plastikdeckel bestehen zwar oft aus recycelbarem Polystyrol, werden aber dennoch meist verfeuert. Macht pro Jahr rund 40 000 Tonnen Abfall ohne sinnvolle Verwertung. Das mag angesichts von insgesamt 18,2 Millionen Tonnen Verpackungsmüll in Deutschland marginal erscheinen, die Becher stören doch sehr: Nach Berechnungen der Verbraucherzentrale Düsseldorf machen Einwegbecher in der Stadt bis zu 17 Prozent des auf Straßen und Grünflächen herumliegenden Mülls aus.


Tasse und Deckel bilden ein Duo. Daraus machte die Erfinderin den Namen Udo.

„Diese Wegwerfmentalität, ich mag sie einfach nicht“, sagt Carina Frings. Die 26-Jährige ist technische Zeichnerin und studiert Nachhaltiges Design an der Ecosign-Akademie in Köln, wo auch schon Dinge wie der Pfandring für Mülleimer entwickelt wurden. In den kann man seine Pfandflaschen stecken, damit Sammler sie leichter finden und abgeben können.

Ihre Idee zu Udo entstand vor gut einem Jahr während eines Studienprojektes, als Frings einen Mehrwegbecher entwerfen sollte. „Mir fiel dazu aber nichts ein“, sagt sie, „denn von denen gibt’s doch schon genug.“ Dann stand sie in ihrer WG-Küche und schaute in den Schrank: vollgestopft mit Tassen. Sie legte den Deckel eines üblichen Mehrwegbechers auf eine Tasse – er passte halbwegs. „Da fiel mir auf, wie toll es doch wäre, wenn es einen Deckel für alle Tassen gäbe“, sagt Frings, „und meine Mitbewohnerin fand das auch.“ So kam sie auf Udo.

Ihr Universal-Deckel schließt eine Lücke im Bemühen, Einwegbechern etwas entgegenzusetzen. Zwar gewähren viele Kaffeeketten oder Tankstellen mittlerweile Rabatt, wenn man einen eigenen Becher mitbringt – aber für den gab es bislang keinen Deckel. Der Nachteil herkömmlicher Mehrwegbecher: Sie bestehen meist aus Materialien wie Metall, Gummi und Kunststoff, die sich nicht trennen lassen und Recycling unmöglich machen.

Firmen wie Recup oder Cup for Cup haben Pfandbecher-Systeme entwickelt. Dabei zahlen Kunden Pfand für einen Mehrwegbecher, den sie bei teilnehmenden Cafés oder Bäckereien wieder abgeben können. Aber auch diese Becher bestehen aus Plastik, und einen passenden Deckel findet man dabei nicht überall. Vor allem aber müssen auch diese Becher extra produziert werden. „Mit Udo kann man Ressourcen nutzen, die ohnehin schon da sind“, sagt Carina Frings, „und eine Keramiktasse kann man schier endlos gebrauchen.“

Ihr Deckel besteht aus einem Biokunststoff, rund 90 Prozent des Materials basieren auf nachwachsenden Rohstoffen wie Zuckerrohr oder Zuckerrüben sowie altem Kaffeesatz. Eigentlich hätte Frings lieber Naturkautschuk verwendet, aber dafür fand sie keinen Produzenten.

Gemeinsam mit Cup for Cup will Frings Udo nun auf den Markt bringen. Dazu wird sie sich in das Cup-for-Cup-Netzwerk mit 170 Cafés und Bäckereien sowie 25 000 rotierenden Pfandbechern einklinken und ihren Deckel dort von Herbst an für 6,95 Euro anbieten.

„Man kann ihn ja dann auch für die Keramiktasse zu Hause benutzen“, sagt Frings. Ihr ist es wichtig, möglichst schnell viele Nutzer zu finden. Zudem will sie ihren Deckel über Amazon und einen eigenen Onlineshop vertreiben. Auch designorientierte Ladengeschäfte hätten bereits Interesse an Udo angemeldet, dem Deckel für jeden Pott. ---

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