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Leichte Sprache

Der Musiker hat wohl keine Drogen dabei genommen

Die Leichte Sprache richtet sich vorwiegend an Menschen mit Lernschwierigkeiten oder Behinderungen – vielleicht hat sie aber noch größeres Potenzial?

Hier die Übersetzung einer Plattenkritik von Max Dax aus dem Musikmagazin »Spex« im Mai 2018.





Gas „Rausch“ / Review

So klingt die neue Musik von dem Künstler „Gas“

Es rauscht und knackt wieder im Unterholz des Narkoforsts, der großen, weiten und dunklen Assoziations- und Echokammer des Elektronik-Pioniers und Kompakt-Gründers Wolfgang Voigt. Nach dem großen Erfolg des vorangegangenen Gas-Albums Narkopop aus dem vergangenen Jahr brauchte er dieses Mal keine weiteren 17 Jahre, um den narkotisch-hypnotischen Klangschichtungen von Gas ein weiteres Kapitel hinzuzufügen. Neu ist allerdings die Bitte Voigts, sich Rausch in einem Gang, ohne Unterbrechungen, quasi als Waldsinfonie mit einem Anfang und einem Ende anzuhören. (…)

 

 

Wolfgang Voigt ist ein Musiker.
Manchmal nennt er sich „Gas“.
Jetzt hat „Gas“ neue Musik gemacht.
Die neue Musik heißt „Rausch“.
Das letzte Mal hat „Gas“ für neue Musik 17 Jahre gebraucht.
Diesmal ging es schneller.
Die Musik macht „Gas“ mit dem Computer.
Der Musiker sagt:
Bitte hört euch die neue Musik am Stück an.
Bitte macht zwischendrin keine Pause.

Die auf Rausch auftauchenden Elemente – Holzbläser, dissonante Streichersätze, Instrumentenstimmungen aus dem Orchestergraben – wirken wie alte sonische Bekannte. (…) In dieses Dickicht von Stimmungen, Klanglayern und stärker denn je verzerrten Bassfrequenzen schiebt sich wiederkehrend die gerade für Voigt so signifikante Bassdrum, die wie eine ferne Erinnerung an die Zivilisation nach etlichen Minuten stehender, malmender Ouvertürenmusik hineintritt in die Klangschichtungen von Rausch, um ebenso unvermittelt später wieder zu verschwinden, wieder aufzutauchen und schließlich ephemer zu verstummen.

Auf dem Album kommen viele Instrumente vor.
Zum Beispiel Flöten und Geigen.
Die kommen oft vor in der Musik von „Gas“.
Aber „Gas“ macht keine normale Musik.
„Gas“ mischt ganz viele Geräusche zusammen.
Daraus entsteht eine Stimmung.
Immer wieder hört man eine Trommel darin.
Die Trommel fängt ganz plötzlich an.
Und die Trommel hört auch ganz plötzlich wieder auf.
Das macht die Trommel bis die Musik aus ist.
Die Trommel ist typisch für die Musik von Wolfgang Voigt.

Soghaft ist diese Musik, denn sie folgt strengen ästhetischen Parametern, sodass Rausch zu keinem Zeitpunkt beliebig, wie unter Drogeneinfluss komponiert (…) klingt. Im Gegenteil: Wolfgang Voigt gelingt eine Verschmelzung von instrumentalen Momenten aus der Klassik (…) und elektronischer, kosmischer Musik, die dank der wiederholt auf- und abtauchenden Bassdrum auch auf Techno verweist.

Man will die Musik gar nicht mehr ausschalten.
Denn die Musik klingt nicht wie ein Zufall.
Der Musiker hat die Musik richtig gut geplant.
Der Musiker hat wohl keine Drogen dabei genommen.
Er verbindet klassische Musik mit Musik aus dem Computer.
Ein bisschen klingt die Musik auch wie Techno-Musik.
Das liegt an der Trommel.

Genau eine hypnotisierende Stunde lang läuft Rausch (…). Zur Veröffentlichung schrieb Wolfgang Voigt ein Gedicht, um die Mystik seiner Musik nicht durch konkrete Erklärungen zu verjagen. (…)

Die Musik dauert eine Stunde lang.
Dazu hat der Musiker ein Gedicht geschrieben.
Jeder kann sich selber was ausdenken zu der Musik.
Denn das Gedicht erklärt die Musik nicht.