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Kirchenfirmen

Kliniken und Brauereien, Altenheime und Banken – die großen Kirchen betreiben hierzulande Unternehmen mit schätzungsweise zwei Millionen Beschäftigten. Mit der Antwort auf die Frage nach dem Sinn dieses Wirtschaftsimperiums tun sie sich allerdings schwer.




• Eine Besichtigung der Klosterbrauerei in Andechs beginnt für manchen mit einer Enttäuschung. Da müssen doch Mönche, wohlgenährt und mit rosigen Wangen, in Kutte und Sandalen am offenen Sudkessel stehen und milde lächelnd in der Maische rühren. „Das Klischee sitzt leider fest in den Köpfen“, seufzt der Betriebsleiter Alexander Reiss. Doch in der Brauerei des Benediktinerklosters am Heiligen Berg, 40 Kilometer südwestlich von München gelegen, steht schon lange kein Mönch mehr am Kessel. Moderne Technik steuert und überwacht den Brauprozess, alles vom Feinsten – und nichts älter als ein paar Jahre.

Kuttenfreie Zone ist die im Jahr 1455 erstmals urkundlich erwähnte Brauerei trotzdem nicht. Der Cellerar des Klosters, Frater Leonhard Winkle, sei fast täglich vor Ort, sagt der Betriebsleiter. „Der kennt hier jeden Winkel, mit dem kann ich mich auch über die Umkehrosmose unterhalten“ – ein Verfahren, mit dem die Andechser ihrem Weißbier den Alkohol entziehen, für die alkoholfreie Variante. An diesem Tag ist der Kellermeister leider nicht zu sprechen. Er wacht über allerlei Betriebe: Metzgerei, Bauernhof, Bräustüberl, Klostergasthof, Klosterladen. Sein Auftrag ergibt sich aus einer der Regeln des Heiligen Benedikts: „Den ganzen Besitz des Klosters betrachte er als heiliges Altargerät.“

Die Mönche der Abtei St. Bonifaz, zu der neben dem Andechser Kloster noch ein zweites in der Münchener Innenstadt gehört, sind Herren über diese Firmen. Das Kapitel, die Vollversammlung der Brüder, trifft als Eigentümer sämtliche wirtschaftlichen Entscheidungen. Jeder Mönch hat eine Stimme. Diskussionen darüber, ob es zu den Aufgaben eines Klosters gehört, die Bevölkerung mit Bier und Grillhaxen zu versorgen, gibt es nicht. Schließlich lautete schon das Motto des Ordensgründers Benedikt von Nursia (ca. 480–547): „Sie sind dann wirklich Mönche, wenn sie wie unsere Väter und die Apostel von ihrer Hände Arbeit leben.“ Ora et labora, bete und arbeite. So halten sie es seit eh und je: Nur wenn das Geschäft mit dem Bier floriert, kann die klösterliche Gemeinschaft existieren. Allerdings hat sich im Lauf der Zeit eine gewisse Unwucht ergeben. Die Betriebe ernähren heute rund 230 weltliche Mitarbeiter – aber nur noch 15 Mönche, sechs in Andechs und neun in München, wo man jetzt endlich die seit Jahrzehnten fällige Generalsanierung des Klosters in Angriff nehmen kann. Von den rund 20 Millionen Euro, die für das Bauvorhaben veranschlagt sind, stammen allein neun Millionen aus den Rücklagen des Klosters.

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