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Inbus-Schlüssel

Viele kennen Inbus-Schrauben und das zugehörige Werkzeug. Aber nur wenige wissen, dass hinter beidem eine Marke steht. Ein junger Unternehmer arbeitet daran, das zu ändern.





• Fabian Fuhrmann ist sichtlich stolz auf seine Ikone. Der 29-Jährige ist in den Besitz einer Marke gekommen, die eng mit der Geschichte des Unternehmens seiner Familie in Breckerfeld bei Hagen verbunden ist. Die von seinem Großvater Hans Jürgen Fuhrmann gegründete Hafu Werkzeugfabrik produziert seit je Sechskant-Stiftschlüssel – so die Bezeichnung für Produkte dieser Art –, unter anderem arbeitete man lange für die Firma, die die Inbus-Schraube und die zugehörigen Schlüssel erfunden hat. Vor drei Jahren ergab sich die Gelegenheit, die Markenrechte zu kaufen. Für die Neuerwerbung wurde eigens eine Firma – die Inbus Werkzeug GmbH – gegründet, deren Geschäftsführer der Junior ist.

Die Marke wird von ihm und seinen drei Kollegen gehegt, gepflegt – und verteidigt. Ihre Rechtsanwälte mahnten reihenweise Händler ab, die Inbus in der Werbung oder in Katalogen als Gattungsbegriff für entsprechende Schrauben oder Schlüssel verwendeten (umgangssprachlich ist auch gern vom Imbus die Rede). Allerdings „ohne Abmahnkosten zu verlangen“, wie Fuhrmann betont. „Wir wollen die Marke nicht kurzfristig melken, sondern langfristig entwickeln.“

Die juristische Offensive lässt sich auch als eine Form des Marketings verstehen: Wer heute Inbus in eine Suchmaschine eingibt, landet schnell bei entsprechenden Belehrungen über Markenrechte.

Was lässt sich aus dem Klassiker in der seit Jahrzehnten bewährten Form noch machen? Fuhrmann und sein Team haben sich einiges einfallen lassen. So gibt es Inbus-Schlüssel mittlerweile in verschiedenen Farben, mit schicken Halterungen und griffiger Oberfläche. Zielgruppe sind passionierte Schrauber, die für gutes Werkzeug gern ein bisschen tiefer in die Tasche greifen. Also eher keine Ikea-Kunden – das Möbelhaus hat ohnehin bereits angekündigt, auf Sechskantinnenschrauben zugunsten von Holzsteckverbindungen zu verzichten.

Der Jungunternehmer verkauft seine Inbus-Schlüssel vor allem auf Marktplätzen im Internet wie dem von Amazon und zeigt sich mit dem derzeitigen Jahresumsatz von rund 600 000 Euro zufrieden. Langfristig seien „mit den richtigen Partnern Erlöse in zweistelliger Millionenhöhe durchaus möglich“.

Basis des Geschäfts ist langjährige Erfahrung in der Produktion, die heute hoch automatisiert ist. Herz der Fabrik ist eine spezielle Maschine, die die Schlüssel in Windeseile ausspuckt. Da man für verschiedene, darunter namhafte Werkzeuganbieter, große Stückzahlen produziert, lohnt sich die Fertigung in Breckerfeld.

Die Fuhrmanns sind nun selbst zu Markenunternehmern aufgestiegen. Und suchen derzeit nach einem neuen Produzenten für Inbus-Schrauben, der unbedingt auch hierzulande fertigen soll, denn, so der Junior: „Made in Germany ist ein wichtiger Teil der Markenidentität.“ ---

Die Rheinische Schrauben- und Mutternfabrik AG, Bauer & Schaurte in Neuss lässt im Jahr 1936 nach US-amerikanischem Vorbild eine Innensechskantschraube patentieren. Einer ihrer Vorteile: Anders als bei herkömmlichen Schrauben steht der Kopf nicht vor, Arbeiter können beim Bedienen von Maschinen mit ihrer Kleidung nicht daran hängen bleiben. Das neue Produkt wird – nach den Anfangsbuchstaben von Innensechskantschraube, Bauer und Schaurte – auf den Name Inbus getauft. Die Firma entwickelt sich nicht zuletzt dank dieser Entwicklung zu einer mit Weltgeltung. Ab den Siebzigern lässt Bauer & Schaurte die zugehörigen Inbus-Schlüssel von der Firma Hafu produzieren. Diese konzentriert sich ganz auf solche Werkzeuge und arbeitet auch für andere Anbieter. Das Unternehmen, das Inbus erfand, geht ab den Neunzigerjahren durch viele Hände und Insolvenzen. Dem letzten Eigentümer, der amerikanischen Whitesell Group, kaufen die Fuhrmanns die Rechte an Inbus ab. An ihrem Geburtsort wird der Marke derzeit ein Denkmal gesetzt: Auf dem ehemaligen Fabrikgelände von Bauer & Schaurte nördlich des Neusser Hauptbahnhofs entsteht ein neues Quartier. Es heißt: Inbus-Viertel.

Hafu Werkzeugfabrik H. J. Fuhrmann GmbH

Mitarbeiter: 55
Umsatz 2017: rund 8 Mio. Euro
davon mit Inbus: etwa sieben Prozent