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Wolfgang Seibel im Interview

Warum es gefährlich werden kann, wenn sich Behörden eher der Politik als dem Bürger verpflichtet fühlen, erklärt der Verwaltungswissenschaftler Wolfgang Seibel.




brand eins: Herr Seibel, anders als private Unternehmen kann die öffentliche Verwaltung notfalls auf zufriedene Kunden verzichten. Erklärt das die fehlende Service-Orientierung vieler Behörden?

Wolfgang Seibel: Öffentliche Güter, etwa Zugang zu Bildung, Sicherheit und Infrastruktur, sind nicht frei handelbare, durch Preise bewertete Waren. Die Qualität öffentlicher Dienstleistung lässt sich nicht mechanisch messen. Aber wir sehen, dass sich Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung um guten Service zumindest bemühen. Es stimmt: Wenn das nicht funktioniert, sind Behörden – anders als Unternehmen – nicht von der Insolvenz bedroht. Die Verwaltung hat eigene Mechanismen zum Schutz ihrer Funktionsfähigkeit entwickelt: Amts-Ethos, formalisierte Ausbildung, hierarchische Kontrolle, klare Zurechenbarkeit von Entscheidungen, Kontrolle durch Gerichte und Rechnungshöfe, Druck der Öffentlichkeit.

Viele Organisationen sind primär am eigenen Wachstum interessiert. Neigen Bürokratien dazu, immer mehr Befugnisse und Ressourcen zu beanspruchen?

Der US-Ökonom William A. Niskanen hat das in seiner Budgetmaximierungstheorie zugespitzt: Verwaltungseinrichtungen wollen, dass der eigene Etat wächst – schon weil der Budgetanstieg als Indikator dafür gilt, dass eine Behörde wichtig, notwendig und funktionstüchtig ist. Aber auch das unterliegt parlamentarischer Kontrolle unter Bedingungen begrenzter Etats. Haushaltsberatungen sind nicht konfliktfrei, um es milde zu sagen. Bürokratie braucht politische Kontrolle.

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