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Ruhstorf an der Rott

Viele Dörfer und kleine Städte haben ein Problem: In ihrer Mitte ist nichts mehr los. Ortskernkümmerer wollen das ändern.




1.

Der Mann, der eben noch laut träumte, steht an der Kreuzung und blickt auf die Autos, die an ihm vorbeirauschen. Von links nach rechts, von rechts nach links, aus dem Ort rein und wieder raus. Er blickt auf das alte Hotel, ein zu groß geratenes Gebilde in der Farbe vergilbter Tapete, daneben eine leere Holzbank. Eben schwärmte er noch von einem Biergarten, von Kindern, die mit einem Eis in der Hand durch Wasserfontänen springen, hier in der Ortsmitte. Da saß er am Schreibtisch, über Entwürfen.

Andreas Jakob, 57, war zwanzig Jahre in der Verwaltung in Ruhstorf an der Rott in Niederbayern, seit dem 1. Mai 2014 ist er hier Bürgermeister. Die Sonne knallt auf seine Glatze, die Dächer der Autos, die Plastikstühle der Eisdiele neben der leeren Holzbank. Jakob seufzt. Anderswo sei eine Eisdiele bei so einem Wetter voll, hier wäre noch Platz. Es hält nur keiner an.

Ruhstorf an der Rott hat 7176 Einwohner, wenn man alle Ortsteile zusammennimmt. Sie begegnen sich selten. Wo auch? Den meisten Deutschen geht das so: Sie leben in Orten, die keine Mitte mehr haben, die zu Schlafstätten geworden sind, im Inneren leblos und leise, die Geschäfte verlassen, die Fenster der Gasthäuser zugenagelt. Wer in so einem Ort wohnt, begegnet anderen, wenn er Glück hat, beim Einladen des Einkaufs auf dem Discounterparkplatz am Ortsausgang.

Das ist in armen und reichen Regionen so, in Dörfern, in kleinen und in mittelgroßen Städten. Denn Supermärkte stehen inzwischen überall auf der Wiese am Ortsrand, genau wie die neuen Wohnsiedlungen. Auch in Ruhstorf an der Rott. Andreas Jakob will das ändern. Er will, dass wieder Leben in die Mitte kommt. Deswegen ist er seit einem Jahr nicht nur Bürgermeister, sondern auch Ortskernkümmerer.

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