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„ Das aktuelle System geht gar nicht mehr “

Nach jahrelangen Debatten haben deutsche Ärzte beschlossen, Patienten nun auch online zu behandeln. Endlich, sagt der Kinderarzt Thomas Finkbeiner aus Tübingen, der Gesundheitsprogramme in verschiedenen Ländern betreut.





Thomas Finkbeiner, 53, ist Kinderarzt, Epidemiologe und Gesundheitsökonom. Viele Jahre arbeitete er für Ärzte ohne Grenzen, meist in der Flüchtlingshilfe in verschiedenen Ländern Afrikas. Danach war er einige Jahre für die amerikanische Gesundheitsbehörde in einem globalen Programm zur Bekämpfung von Aids tätig. Heute ist Finkbeiner selbstständiger Berater mit Sitz in Tübingen. Seine Kunden sind Regierungen, Forschungsgruppen, die Weltbank, oder gemeinnützige Organisationen wie die Gates Stiftung. Aktuell arbeitet er unter anderem an einem Projekt für HIV-Patienten in Tansania. Das Ziel ist es, 95 Prozent dieser Menschen so effektiv zu behandeln, dass das Virus im Blut nicht mehr nachweisbar ist.

brand eins: Wie wurden Sie zum Fan der Telemedizin?

Thomas Finkbeiner: Das hat sich in Tansania entwickelt. Dort gibt es nur sehr wenige Kinderärzte, ungefähr 100 für 25 Millionen Kinder unter 15 Jahren, der Bedarf an medizinischer Beratung ist folglich gigantisch. Ich hatte permanent Anfragen per Whatsapp, SMS oder E-Mail. Nur wenige betrafen Notfälle, doch natürlich wollten die Eltern rasch eine Antwort erhalten. Damals habe ich begonnen, eine Art Online-Buchungsplattform zu nutzen. Patienten können sich damit einen noch freien Termin für eine Beratung suchen und sich eintragen. Die Sprechstunde erfolgt dann zum verabredeten Zeitpunkt, als Videoberatung. Die Nachfrage ist sehr groß, die Plattform nutzen mittlerweile auch Kollegen in der Region.

Das afrikanische Land scheint bei diesem Thema fortschrittlicher zu sein als die Bundesrepublik.

Wenn Sie nicht mal eben um die Ecke in eine Notfallambulanz gehen können, aber über einen sehr guten Onlinezugang verfügen, dann ergeben sich Dinge, die anderswo zunächst gar nicht notwendig sind. Das funktioniert in Tansania auch deshalb, weil die Regulierung dort ein wenig hinterherhinkt. Die Onlineberatung ist nicht illegal, sie liegt eher im Graubereich, ist also nicht klar geregelt.

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