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American Outdoor Brands Corporation: Blick in die Bilanz

Der amerikanische Präsident unterstützt die heimische Waffenindustrie. Warum geht es dem Marktführer American Outdoor Brands Corporation, ehemals Smith & Wesson, dann so schlecht?





• Auf den ersten Blick sieht es so aus, als mache die American Outdoor Brands Corporation (AOB) gute Geschäfte. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres (also bis Ende Januar 2018, das Geschäftsjahr von AOB endet am 30. April) lieferte der US-Waffenhersteller rund 823 000 Handfeuerwaffen und gut 215 000 Gewehre aus. 

Davon gingen mehr als 90 Prozent an Privatleute, nur 9,5 Prozent an Polizei, Sicherheitspersonal oder Militär. Mit Erlösen in Höhe von 434,8 Millionen Dollar in diesem Zeitraum war AOB wieder einmal die Nummer eins der Branche. Die Nummer zwei, Sturm, Ruger & Co, verkaufte im selben Zeitraum gut 1,1 Millionen Stück und setzte damit 354,8 Millionen Dollar um. Insgesamt, schätzt AOB, geben die Amerikaner jährlich 2,8 Milliarden Dollar für Handfeuerwaffen und 1,8 Milliarden Dollar für Gewehre aus.

Doch die Branche steckt in einer Krise. Der Umsatz von AOB fiel in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres im Vorjahresvergleich um 35,5 Prozent, der Vorsteuergewinn sank von 148,7 auf nur noch 3,7 Millionen Dollar – ein Minus von 97 Prozent. Auch bei Sturm, Ruger & Co gingen Umsatz und Ergebnis zurück, der Vorsteuergewinn in den ersten drei Monaten 2018 lag gut 45 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Traditionshersteller Remington Outdoor Company meldete im Februar Konkurs an. Dabei brummte das Geschäft bis zum Frühjahr 2017:

In den vorhergehenden zehn Jahren hatte die Smith & Wesson Holding, wie AOB bis Anfang 2017 hieß, ihren Umsatz auf 903 Millionen Dollar (per 30. April 2017) verdreifacht, sowohl durch organisches Wachstum – ausgelöst unter anderem durch die Angst vor Amokläufern – wie auch durch Übernahmen. Allein im Geschäftsjahr 2016/17 kaufte der Konzern für 211 Millionen Dollar ein, etwa einen Hersteller von Jagd- und Taschenmessern (Taylor Brands), einen Produzenten von Laser-Sichtgeräten für Waffen (Crimson Trace) und einen Anbieter von Camping-Ausrüstung (Ultimate Survival Technologies). Mittlerweile vereint AOB 24 Marken unter seinem Dach, die Palette reicht von Taschenmessern bis zu halbautomatischen Gewehren. Und alles verkaufte sich gut – vor allem im Vorlauf der Präsidentschaftswahlen.

Viele Kunden deckten sich vorsorglich mit Waffen ein, weil sie von Hillary Clinton strengere Gesetze erwarteten. Allein in den drei Monaten bis Ende Oktober 2016 (die Wahlen fanden am 8. November 2016 statt), stieg der Umsatz von AOB im Vergleich zum Vorjahr um 63 Prozent. Dann wurde Donald Trump gewählt. In den folgenden drei Monaten ging das Wachstum auf knapp 11 Prozent zurück. Es folgte Stagnation, und schließlich begann der Absatz zurückzugehen. Das Problem dabei: Die Waffenherstellung ist ein Geschäft mit hohen Fixkosten. AOB arbeitet in den USA an drei Standorten mit knapp 1700 Mitarbeitern. Der Großteil der Produktions- und Personalkosten bleibt bestehen, auch wenn Nachfrage und Umsatz sinken. So gelang es zwar, die Herstellungskosten in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres um 24 Prozent zu verringern, das glich den Erlösrückgang aber nicht aus.

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung und Marketing stockte AOB sogar auf. Eine mutige Entscheidung. Aber dadurch blieb kaum noch ein Gewinn übrig. Droht nun eine weitere Pleite? Eher nicht. Der Konkurrent Remington war überschuldet. ABO hingegen verfügt über eine solide Eigenkapitalquote von 54 Prozent. Und auch wenn die vergangenen neun Monate hart waren, bleibt in der Bilanz immer noch ein Cash-Polster von 38 Millionen Dollar. AOB hat insofern gute Chancen, den Trump Slump, wie der aktuelle Absatzeinbruch in der Branche genannt wird, zu überstehen – es sei denn, der Slump wird zum Dauerzustand. ---

Die American Outdoor Brands Corporation (AOB) firmierte bis Ende 2016 unter Smith & Wesson Holding Corporation. Die Traditionsmarke Smith & Wesson existiert seit 1852. In den vergangenen Jahren kaufte AOB eine Vielzahl anderer Marken, unter anderen Anbieter von Aus rüstung für Outdoor-Aktivitäten, wie etwa Messer oder Baumsägen, allerdings werden immer noch 86 Prozent der Umsätze mit Waffen erzielt. Die in Massachusetts beheimatete Firma beschäftigt rund 2200 Mitarbeiter und wird an der Börse mit etwa 500 Millionen Dollar bewertet.

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