Partner von
Partner von
Mikroökonomie

Eine Professorin in Deutschland

Jutta Günther, 51, ist Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bremen.

Read this article in English: A Professor in Germany





Nach zwei Ausbildungen (Apothekenhelferin und Pharmazeutisch-Technische Assistentin) studierte sie, promovierte und arbeitete als Wissenschaftlerin am Institut für Wirtschaftsforschung in Halle. Sie habilitierte in Jena. Seit April 2014 lehrt Günther in Bremen. Dort lebt sie mit ihrem Ehemann in einer Mietwohnung.

Verdienst, Grundkosten, Altersvorsorge

Jutta Günther verdient 6430 Euro brutto im Monat. Hin und wieder hält sie Vorträge oder bestimmt in Expertenjurys von Ministerien über die Vergabe von Forschungsgeldern. So kommen durchschnittlich noch 100 Euro netto dazu. Von ihrem Gehalt gehen 2130 Euro an Steuern ab, Sozialabgaben zahlt sie als Beamtin keine. Ihre private Altersvorsorge kostet 250 Euro, die private Krankenversicherung 350 Euro. Sie zahlt 850 Euro Miete für die gemeinsame Wohnung und 100 Euro für Strom, Internet, Telefon und Mobiltelefon.

Sie fährt täglich mit dem Auto zur Arbeit, das sind weitere 250 Euro. Für das Fitness-Studio gibt sie 40 Euro aus, den gleichen Betrag für Mitgliedschaften in diversen Fördervereinen.

Was bedeutet Ihnen Arbeit?

An meiner Arbeit schätze ich besonders, dass ich mich kreativ entfalten kann. In der Wissenschaft sind keine Grenzen gesetzt. Das empfinde ich als Privileg. Mein Beruf ist meine Leidenschaft.

Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?

Ein respektvoller Umgang miteinander, auch wenn die eigenen Ansichten nicht mit denen anderer übereinstimmen.

Was möchten Sie an Ihrem Leben verändern?

Ich habe in meinem Leben schon viel verändert. Nach acht Jahren im Beruf habe ich mich entschieden, noch zu studieren, nämlich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Damals hätte ich nie gedacht, dass ich mal Professorin werde. Inzwischen habe ich das Gefühl, dass ich angekommen bin. Im Alltag hätte ich gern mehr Pausen, um nachzudenken und neue Energie zu schöpfen. Ansonsten darf es gern so weitergehen.

Welche sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?

Zu wenig Zeit. Wenn mich Kollegen fragen, ob ich ein neues Forschungsprojekt annehmen möchte, muss ich häufig Nein sagen. In der Regel arbeite ich mehr als 40 Stunden die Woche, nicht selten auch 60.

Was tun Sie, wenn Sie sich etwas Besonderes gönnen wollen?

Ich fahre mit meinem Mann ein paar Tage an die Ostsee. Wir nehmen uns Zeitungen mit an den Strand, lesen die Artikel mal ganz in Ruhe und diskutieren darüber.

Was erwarten Sie von der Zukunft, und was tun Sie dafür?

Ich würde mir wünschen, dass der Wissenschaftsbetrieb mehr Mut zur Vielfalt hat. In der Forschung hierzulande gibt es zu wenige Frauen, Leute aus dem Ausland und aus Arbeiterhaushalten. Ich engagiere mich daher im Beirat einer Initiative für mehr Diversität in der Wissenschaft. ---

Deutschland

Einwohner: 82,7 Millionen
Währung: Euro (€; 1 Euro = 100 Cent)
BIP pro Kopf (2017): 39 649 Euro
Human Development Index (2016): Platz 4 (von 188)

Aktuelle Durchschnittskosten

Ausgaben der Bundesregierung für Forschung (2017): 17,2 Mrd. Euro
Monatlicher Mitgliedsbeitrag im Fitness-Studio: 44 Euro
Mietpreis pro Nacht für Ferienhäuser- und -wohnungen an der Ostsee: 92 Euro
Kaufpreis einer Wochenzeitung: 5,10 Euro
1 Liter Benzin: 1,41 Euro