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Wendepunkte

… von Menschen, Unternehmen, Ländern




1) IBM – Vom Großrechner zur Dienstleistung. Die 1911 gegründete Firma begann mit der Auszählung von Lochkarten, stellte später Großrechner her und war 1987 das wertvollste US-Unternehmen. Doch mit der Größe wich die Agilität, es folgten Entlassungen und 1992 endete mit einem Verlust von fünf Milliarden Dollar. Die drohende Insolvenz wendete der neue IBM-Chef Louis Gerstner ab, indem er die Firma auf Dienstleistungen ausrichtete. Der Gewinn lag 2016 bei zwölf Milliarden Dollar.

2) Pan Am – Von der Glamour-Airline zum Übernahmeopfer. Die 1927 gegründete Gesellschaft begann mit Luftposttransporten zwischen Florida und Kuba und dominierte ab den Sechzigerjahren die Transatlantikstrecken. Doch die Deregulierung des US-Marktes in den Siebzigern machte der Firma zu schaffen. Im Jahr 1988 wurden bei dem Bombenanschlag von Lockerbie auf eine Pan-Am-Maschine 270 Menschen getötet. Von diesem Schlag erholte sich die Firma nicht mehr, 1991 wurde sie von Delta Air Lines gekauft.

3) Wells Fargo – Von der Postkutsche zur Großbank. Das 1852 gegründete Transportunternehmen beherrschte mit seinen Postkutschen den Wilden Westen und bot bald auch Finanzdienstleistungen an. Heute zählt die Bank zu den größten der Welt. Die im Zuge der Finanzkrise 2008 erhaltenen 25 Milliarden Dollar Staatshilfen sind zurückgezahlt, der Gewinn lag im Jahr 2016 bei knapp 22 Milliarden Dollar.

4) Isle of Man – Vom Helgoland Großbritanniens zur globalen Steuer-Oase. Lange Zeit diente die Insel in der Irischen See den Briten zur Sommerfrische; 663 000 Touristen kamen 1913. Doch nachdem Mallorca auf gut zwei Flugstunden an London herangerückt war, sanken die Besucherzahlen, 2016 waren es nur noch 292 328. Ihren heutigen Wohlstand verdankt die Insel, die nicht zur EU gehört, ihrer Funktion als Steueroase. Laut Paradise Papers sind dort 952 Flugzeuge registriert, bei aktuell 83 314 Einwohnern.

5) MC Hammer – Vom Hip-Hop-Millionär zum Social-Media-Experten. Sein berühmtestes Werk ist „U Can’t Touch This“ von 1990. An diesen Erfolg konnte MC Hammer musikalisch nicht mehr anknüpfen. Dafür trat er im Fernsehen als Prediger, Tanz-Juror und in seiner Reality-TV-Show auf. Heute hält er Vorträge über Social-Media-Marketing und investiert in Unternehmen. Außerdem wechselte er seinen Künstlernamen von MC Hammer zu Hammer und später wieder zu MC Hammer.

6) Nokia – Vom Gummistiefel über das Handy in die Bedeutungslosigkeit. Der 1865 gegründete Mischkonzern verkaufte über die Jahrzehnte von Papierwaren über Strom bis zu Gummistiefeln alles Mögliche. Von 1998 bis 2011 war die Firma der weltgrößte Hersteller von Mobiltelefonen, verpasste aber den Anschluss an die Smartphone-Ära und verschwand vom Markt. Der Verlust betrug 2016 gut eine Milliarde Euro. Aktuell wird eine Retro-Variante des einstigen Handy-Verkaufsschlagers 3310 in Lizenz angeboten.

7) China – Von der Planwirtschaft zum Kader-Kapitalismus. In den Jahren nach der Machtübernahme der Kommunistischen Partei Chinas 1949 wuchs das Bruttoinlandsprodukt jährlich im Schnitt um mehr als fünf Prozent, doch China spielte auf dem Weltmarkt keine Rolle. 1978 beschloss die Partei, das System der Planwirtschaft zu verbessern, was 1992 zu einer Art Kader-Kapitalismus führte. Heute ist China die zweitgrößte Volkswirtschaft und kämpft mit Umweltproblemen und Korruption.

8) Audi – Vom Garagenwagen zur Premiummarke. Der 1909 gegründete Autobauer machte früh durch Erfolge im Rennsport auf sich aufmerksam. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Übernahme durch Volkswagen 1964 galten die Autos als solide, später als spießig. In den Neunzigern gelang dank neuer, sportlicher Modelle der Imagewechsel. Im Jahr 2016 lag der Gewinn bei zwei Milliarden Euro.

9) Horst Mahler – Vom Links- zum Rechtsradikalen. Das Leben dieses Juristen hat mehr Wendungen als der alte Brennerpass. Einst Mitglied einer schlagenden Studentenverbindung, trat er der SPD bei, dann dem SDS, engagierte sich bei der APO, dann bei der RAF, kam wegen Bankraubs und Gefangenenbefreiung in Haft. Später stand er der FDP nahe, schrieb für eine rechte Zeitung, trat in die NPD ein, leugnete den Holocaust, kam wieder in Haft. 2017 floh er nach Ungarn, bat dort um Asyl, wurde aber an Deutschland ausgeliefert, wo er zurzeit wegen Volksverhetzung wieder im Gefängnis sitzt.

10) Jägermeister

Von Opas Magenbitter zu Enkels Clubgetränk. Das 1878 als Essigfabrik und Weinhandlung gegründete Familienunternehmen Mast-Jägermeister konzentriert sich seit seiner Erfindung fast ausschließlich auf die Produktion von Kräuterlikör. In den Neunzigerjahren bedrohte die wachsende Konkurrenz durch importierte Spirituosen das Geschäft. Mit jungen Promotionteams und Schnapsverkostungen gelang dem einstigen Altherren-getränk daraufhin ein radikaler Image-Wechsel, und das Konsumentendurchschnittsalter sank um einige Jahrzehnte. Der Gewinn lag im Jahr 2016 bei 90 Millionen Euro.