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Eine Liebesgeschichte

Der Mars ist so weit entfernt, dass ihn noch nie ein Mensch betreten hat, aber nah genug, um eine Expedition in Betracht zu ziehen. Ein Forscher aus den USA kann es kaum erwarten.





Der Verehrer

Der Weltraum-Geologe John Roma (kurz: JR) Skok fühlt sich dem Mars schon seit Teenager-Tagen verbunden. Als er 13 war, beklebte seine Mutter seine Zimmerdecke mit Sternbildern. Er half in der örtlichen Kopernik-Sternwarte im Norden des Bundesstaates New York aus. Das muss irgendetwas in ihm ausgelöst haben. Heute arbeitet der 33-Jährige im südlich von San Francisco gelegenen Seti-Institut, das seit 1984 das Weltall und extraterrestrische Intelligenz erforscht.

Skok ist Teil eines Teams, das gerade die vielversprechendsten Landepunkte für das Nasa-Fahrzeug ermittelt, das 2020 zum Mars aufbrechen soll. Das freut ihn. Noch glücklicher wäre er, wenn er seinem Herzens-Planeten bald selbst seine Aufwartung machen könnte.

Das Werben

Skok hat nichts gegen Nebenbuhler, sondern wünscht sich, dass möglichst viele Menschen seine Leidenschaft teilen. Wie aber lassen sich bei Leuten, die nicht so versessen sind wie er, Gefühle für einen derzeit rund 200 Millionen Kilometer entfernten Himmelskörper mit kargem Antlitz erzeugen? Skok hat zu diesem Zweck die Kampagne „Made of Mars“ ersonnen: Sie wirbt für Produkte aus Material von seinem Lieblingsplaneten.

Das Lockmittel

Ein bisschen Schummelei ist dabei: Denn der Basalt, den er heute verwendet, stammt von der Erde. Die Klumpen vom Bild hat Skok im Pisgah Lava-Feld in der Mojave-Wüste Südkaliforniens und dem Taylor Valley in der Antarktis eingesammelt. Immerhin: Hätte eine Sonde Basalt vom Mars zur Erde transportiert, sähe es nicht anders aus.

Das Objekt der Begierde

„Die dunklen Flecken auf der Oberfläche des Mars sind riesengroße Basaltvorkommen, allen voran das Syrtis-Major-Plateau, das Menschen schon im 17. Jahrhundert mit einem Teleskop sehen konnten“, erklärt Skok mit leuchtenden Augen.

Wenn Menschen den Planeten in der Zukunft tatsächlich nicht nur betreten, sondern sich dort auch niederlassen sollten, bräuchten sie eine entsprechende Behausung. Baumaterial von der Erde dorthin zu transportieren erscheint umständlich, der Abbau des vor Ort vorhandenen Vulkangesteins wesentlich praktikabler.

Die Planung

Leichter als Stahl oder Aluminium, hitzebeständig und korrosionsfrei – das schätzen Ingenieure auf der Erde an Basaltfasern. Man stellt sie her, indem man die Gesteinsbrocken zu Pulver zermahlt, bei 1300 bis 1450 Grad Celsius schmilzt und zu Fasern spinnt. Das Gewebe sieht aus wie eine golden schimmernde Rüstung.

In Skoks Plänen soll eine modulare Fabrik dabei helfen, Mars-Geröll in Baustoff zu verwandeln. Sie soll damit anfangen, lange bevor die ersten Bewohner anreisen. Damit sie transportfähig würde, müsste sie in eine Rakete passen. Circa 100 Millionen Dollar würde die Entwicklung einer solchen Fabrik kosten, hat Skok ausgerechnet.

Das Versprechen

Basalt-Produkte werden heute vor allem für die Isolierung von heißen Röhren in Fabriken oder für Bewehrungsstäbe verwendet, die der Verstärkung von Betonbauteilen dienen. Stäbe aus Basalt seien genauso robust wie Eisenstäbe, gleichzeitig bedeutend leichter und rostfrei, schwärmt Skok. „Zudem sind sie flexibler als Glasfasern und viel billiger als Kohlefasern.“ Er verspricht viele weitere praktische Anwendungen – es müssten sich nur Leute ernsthaft damit beschäftigen.

Der Anreiz

Um Materialwissenschaftler und Designer dazu zu bewegen, über Basalt-Produkte nachzudenken und auch bei der Entwicklung der modularen Fabrik zu helfen, will Skok das Gestein populärer machen. Er hat Laptop- und Brieftaschen aus Basalt und Leder herstellen lassen, in der Hoffnung, dass diese vielleicht besser als Bewehrungsstäbe geeignet sind, Begeisterung zu erzeugen. Zudem hat Skok eine Kampagne auf der Finanzierungsplattform Kickstarter initiiert. Wer spendet, kann sich eines der ersten Produkte sichern, die später in der Fabrik entstehen sollen. Ob das hilft, seinem geliebten Mars näher zu kommen? Skok lässt jedenfalls nichts unversucht.

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Dieser Artikel stammt aus dem brand eins Magazin zum Schwerpunkt Nähe und Distanz.

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