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Südafrika

Je näher, desto weiter der Horizont: Beobachtungen aus Südafrika.





• „Diese Weite!“, pflegen Touristen in den Gästebüchern südafrikanischer Lodges zu schwärmen. Ihre Farmen steckten sich die europäischen Siedler einst derart weiträumig ab, dass das Gutshaus des Nachbarn mit bloßem Auge nicht zu sehen war. In den Städten waren die Grundstücke so großzügig, dass sich die weißen Villenbesitzer hinter private Waldstücke zurückziehen konnten. Das erste Gebot der südafrikanischen Bleichgesichter: „Rück mir bloß nicht auf die Pelle!“

Gegen etwas mehr Distanz hätte auch Lungu Dlamini nichts einzuwenden. Wenn die 33-Jährige auf dem Bett in ihrer Hütte im Johannesburger Stadtteil Jeppestown liegt, kann sie mit ausgestreckten Armen fast die beiden gegenüberliegenden Wände ihrer Behausung berühren, auch am Fußende des Bettes ist nur noch Platz für ein paar Küchenutensilien. Nachts hört sie ihren Nachbarn durch zwei Wände aus Wellblech hindurch in dessen kaum einen Meter entfernten Hütte schnarchen. Und wenn er sich tagsüber mit seiner Freundin streitet, kriegt Dlamini jedes Wort und jedes Schluchzen mit. „Selbst wenn sie Sex haben, höre ich das“, sagt sie und lacht etwas verschämt.

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